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replay - Frankreichs wütende Jugend

2007-04-02 00:13:25

Im Rahmen unserer Serie über europäische Filme blicken wir nach Frankreich und würdigen das kompromisslose Vorstadt-Drama „La Haine“. Regie führte ein damals junger und aufstrebender Mathieu Kassovitz

Als Mathieu Kassovitz 28 Jahre alt war, konnte er auf drei Kurzfilme und eine soziokulturelle Komödie im Stil von Spike Lees „She’s Gotta Have It“ zurückblicken. Der Titel von Kassovitz’ Romanze war „Métisse“. Bereits mit diesem Film durfte er sich als französische Nachwuchshoffnung betiteln lassen und konnte auch in den USA reüssieren. Der wahre Durchbruch in seiner Karriere gelang ihm allerdings mit einem ungleich ernsthafteren Film.

Ein toter Junge namens Makomé
Die sozialen Differenzen im Frankreich der Neunziger Jahre, gingen schon damals quer durch das Land und manifestierten sich in den Großstädten. Während in Paris das Leben floriert und sich dem durchschnittlichen Touristen eine Lebensbejahende Atmosphäre ausbreitet, herrschte und herrscht Tristesse in den Vorstädten, den so genannten „cites“.

Mathieu Kassovitz nahm sich dabei eines Vorfalles in einem Pariser Polizeirevier aus dem Jahr 1992 an, als der 18 Jahre alte Makomé während eines Verhörs von einem Polizisten per Kopfschuss regelrecht hingerichtet wurde. Das Ergebnis waren Unruhen die vor allem in den Pariser Vorstädten, den „cites“ wüteten. Genau deshalb wirkt Kassovitz’ „La Haine“ wie ein dokumentarischer Beitrag zu den sozialen Missständen Frankreichs.

Auch zehn Jahre nach seiner Uraufführung, scheint sich das Bild einer homogenen französischen Gesellschaft nicht eingestellt zu haben. Die Konflikte sind weiterhin vorhanden, doch während es Mitte der Neunziger scheinbar ein Konflikt zwischen der arbeitslosen Jugend und dem allmächtigen Bürgertum Frankreichs, ist es heute noch mehr von religiöser Prägung.

Das Wesen des Hasses
So hat der junge Regisseur Kassovitz, der später durch seine darstellerischen Leistungen in „Die fabelhafte Welt der Amélie“ oder „Der Stellvertreter“ bekannt wurde, ein allgemein gültiges Bild einer noch immer zerrissenen Gesellschaft erschaffen. Dabei hat er sich vor allem auf den semi-dokumentarischen Aspekt gestützt.

In harten Schwarzweiß-Bildern gedreht, führt er in eine triste Welt, in der Langeweile und Joints sowie Arbeitslosigkeit oder Teilzeit-Beschäftigung zum Alltag gehören. Die Jugendlichen Helden, der aufbrausende Vinz (Vincent Cassel), der schwarze Boxer Hubert (Hubert Koundé) und der sanfmütige Araber Saïd (Saïd Taghmaoui) hängen in einer Pariser „cite“ ab. Als die Nachricht der Ermordung eines Jugendlichen durch die Polizei, zu ihnen dringt und Vinz eine Waffe findet, schwört er einen Polizisten zu töten.

„La Haine“ ist eine psychologisch fundierte Version von Larry Clarks „Kids“, der ironischerweise gleichzeitig am Cannes-Festival 1995 Premiere feierte. Während sich Clark jeder Motivation und Figurenzeichnung allerdings verweigerte, baut Kassovitz bewusst Konflikte und persönliche Merkmale ein, die dem Zuseher auch die Möglichkeit des Entspannens bieten. Vinz, Hubert und Saïd sind keine dämonischen Abziehbilder der heutigen Jugend sondern legitime Vertreter, Gottes vergessene Kinder.

Ausdruck eines gesunden Selbstbewusstseins
„Bester Regisseur“ in Cannes und Aushängeschild des „Jungen Europäischen Films“. Der Triumph an den Kinokassen war Ausdruck des Zeitgeistes, ein „problematischer“ Film zur richtigen Zeit, denn Frankreich und der Rest Europas - scheinbar auch die USA - suchten nach einem Werk, das den zwischen Apathie und Aggression pendelnden Generationenkonflikt einfing.

Dabei ist „La Haine“ ein Ausdruck für regionales Selbstbewusstsein. Anstatt eines Soundtracks schuf Kassovitz eine Plattform um die Filmmusik mit französischen Rap auszustatten und die Sprache des Filmes ist eine ungeschliffene Form, die genau den Slang der Vorstädte trifft. Ein wichtiger Exkurs in Sachen „naturalistischer Film“.

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AutorInnen

Patrick Dorner

Patrick Dorner

Im Jahre 1983 geboren in der Steiermark, führte mich mein Weg über einen Zwischenstopp in Graz zum Studium nach Wien. Die meiste Zeit verbringe ich dennoch im Kino und ich würde lügen würde ich die Freude an dieser Beschäftigung bestreiten.

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