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replay - Die Marke Lars von Trier

2007-04-02 00:15:19

„Dancer in the Dark“ ist vor allem eines: außergewöhnlich. Damit eignet sich dieser Film bestens für die FM5-Serie replay, in welcher besondere europäische Filme vorgestellt werden sollen.

Was „Dancer in the Dark“ ausmacht könnte damit beantwortet werden, dass er auf viele Sachen nicht eingeht. Der Film rechnet nicht ab, es geht um keine rationale Entscheidung, es passiert einfach. Und obwohl für eine Augenoperation benötigtes Geld eine entscheidende Rolle in diesem Film spielt, geht es in keiner Sekunde um Geld.


I've seen it all
Da kämpft eine Mutter aufopferungsvoll für das Augenlicht ihres Kindes. Da singt sie „I've seen it all“ und wird gefragt: „You've never been to Niagara Falls?“ Darauf antwortet sie: „I have seen water, it's water, that's all...“ Und so sind es nur noch die musikalischen Träume, die für die Mutter von Bedeutung sind. Nebenbei verwandeln diese den Film in ein wunderbares Björk-Musical. Es entsteht neben der musikalischen Traumwelt der Mutter auch eine Traumwelt für den Zusehenden.

Bedingungslose Liebe und das vollkommene Fehlen einer Abwägung von Entscheidungen bringt Lars von Trier auf die Leinwand. Dabei lehnt er sich lose an die von ihm selbst mit aufgestellten Dogma 95-Regeln (über die ein eigener Artikel notwendig wäre). Für den Zuseher heißt das: Wackelige Kamera bis unscharfes Bild, krächzende Maschinen und Züge, deren Krach in Musik übergeht und mit Björks Stimme verschmilzt. Ein höchst eigentümlicher Film also.

Für den Zuseher heißt das aber auch, berechtigte Kritik zu üben und sich zu Fragen, ob es denn diese Art von Liebe überhaupt gibt. Wägen wir nicht jede Entscheidung ab? Suchen wir uns unsere Liebe nicht an dem Ort, an dem wir arbeiten? Anstatt dort zu arbeiten, wo wir unsere Liebe gefunden haben? Die Ambivalenz ist unverkennbar, mit beiden Extremen wollen wir nichts zu tun haben, und doch sind wir dazwischen gefangen.


Ein dänischer Film. Super!
Der Film besitzt ein paar Namen, die mehr oder weniger bereits Ausdruck und Marke einer Ambivalenz sind. Da ist der Regisseur Lars von Trier, die Sängerin und Darstellerin Björk und die Schauspielerin Catherine Deneuve. Diese Namen sind Marken und reichen für die meisten aus, sich schon im Vorfeld ein gewisses Bild zu machen. Die Grundstimmung ist da. Ah, ein dänischer Film. Super (oder auch nicht).

Und tatsächlich ist es das Extrem bis ans Ende zu gehen, welches vom Film und seinen Namen getragen wird. Legendär war der laut Medienberichten zu tiefen Gräben führende Krach zwischen Regisseur Lars von Trier und der Hauptdarstellerin Björk. Lars von Trier sagte dazu in einem Interview, dass es sich um Auffassungsunterschiede gehandelt habe. Björk habe sich so sehr in die Rolle hineinversetzt, dass sie am Schluss nicht sterben wollte. Oh wie menschlich, der Vorhang fällt.

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