2008-04-26 18:32:51
In Maria Kilpis Theaterstück geht es um das Nicht-Sprechen, um das Einfach-Nur-Da-Sein und um den Wunsch, dennoch mehr zu bekommen.
Weihnachten.
Eine junge Frau (dargestellt von Pauline Knof) macht sich auf den Weg in die finnische Provinz, wo ihre Großmutter (dargestellt von Barbara Petritsch) lebt, um mit ihr gemeinsam das Weihnachtsfest zu begehen.
Vergangenheit.
Dieses Jahr soll es nicht so werden wie sonst. Die Enkelin hat sich fest vorgenommen, endlich mehr über ihre Großmutter und die Vergangenheit ihrer Familie herauszufinden. Vielleicht auch, um sich selbst ein wenig besser zu kennen. Jeder, der noch das Glück hat, Großeltern zu besitzen, kennt dieses Verlangen, welches sich nur äußerst schwer in die Tat umsetzen lässt. Vor allem die derzeitige Großeltern-Generation macht es uns in Österreich lebenden Jugendlichen nicht gerade leicht, wenn man hin und wieder etwas wissen will. "Du Oma, wie war denn das..? Damals. Im Krieg?" Nur die wenigsten bekommen daraufhin eine zufriedenstellende Antwort. "Schiarch." würden meine Großeltern sagen. Und aus.
Sprachlosigkeit.
In Maria Kilpis Stück geht es genau darum. Es geht um die Sprachlosigkeit, die zwischen dem Willen etwas zu Erzählen, dem Verlangen etwas zu Wissen und dem angstvollen Dazwischen hin und her balanciert. Die Oma lebt an der finnischen Grenze zu Russland. Damals, 1945 wurde sie aus ihrem Heimatort vertrieben. Der liegt jetzt in Russland und schon lange hat sich dort kein Finne mehr hingewagt. Doch das erfährt man nur nebenbei, nie wird etwas direkt ausgesprochen.
Zeit.
Was den beiden fehlt ist Zeit. Nur vier Tage im Jahr sind sie zusammen, so schnell kann man Geschichten aus solchen Tagen nicht hervorlocken. Gerade als sich das junge Mädchen am Stefanitag schon wieder auf den Weg zum Bus macht, beginnt die Oma zu reflektieren und zu erzählen. Doch es ist zu spät und wahrscheinlich wird es auch im nächsten Jahr nicht anders sein.
plus null komma fünf windstill wird im Mai noch ein paar wenige Male im Vestibül/Burgtheater gezeigt.
...und ich wär' hier so gerne zu hause,
denn die Erde ist mein Lieblingsplanet.
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