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edition exil

2008-05-25 01:30:53

Sehr geehrte frau schörkhuber:
Hier meine antworten auf ihre fragen:
Mit herzlichen grüßen
Christa stippinger
18.4.2008

Ihr Autor, Dimitré Dinev, rät in einem FM5-Gespräch mit Lukas Ertl davon ab, Manuskripte unaufgefordert an einen Verlag zu schicken: der Weg über Literaturwettbewerbe sei vorzuziehen, da den Verlagen in der Regel nicht genügend Zeit bliebe, alle eingesandten Texte sorgfältig zu lesen. Auf der Homepage der edition exil findet sich auch kein Hinweis, was bei einer unaufgeforderten Übermittlung von Manuskripten zu beachten sei. Ich vermute, dass Sie dennoch Manuskripte übermittelt bekommen: Ihr Verlag scheint auch in online Verzeichnissen österreichischer Verlage auf... Wie gehen Sie mit diesen um?

Ja, natürlich kommen immer wieder auch unaufgefordert manuskripte an uns.
Wir verweisen in diesem fall darauf, dass die edition exil ein sehr kleiner verlag ist, dass unser budget maximal 4-5 publikationen jährlich zulässt, und dass wir deshalb unser programm meist schon für die nächsten 2 jahre fixiert haben. wir empfehlen den autorInnen entweder andere verlage und verweisen auch auf die möäglichkeit, einen teil des manuskriptes (max. 20 seiten) bei unserem exil- literaturwettbewerb einzureichen. Sollte die jury sich für eine prämierung des textes aussprechen, ist eine spätere gesamtpublikation des textes eventuell möglich. (bzw. eher in den bereich des möglichen gerückt.)

Viele der Autorinnen und Autoren (aber nicht alle), die auf der Homepage angeführt werden, haben in den letzten zehn Jahren den von Ihnen ausgeschriebenen exil-Literaturpreis „Schreiben zwischen den Kulturen“ erhalten. Auch ein Großteil der auf Ihrer Homepage angeführten Veröffentlichungen umfasst entweder Werke von Preisträgerinnen und Preisträgern oder die jährlich erscheinenden, die jeweils prämierten Texte versammelnden  Anthologien... Hat sich die edition exil sozusagen rund um den Literaturpreis gebildet, oder ist der Preis Aspekt der schon länger bestehenden Edition?

Ja. Der exil-literaturpreis stand vor der verlagsgründung und diese ist eine folge der exil-schreibwerkstatt und der ergebnisse des 1. literaturwettbewerbes 1997. Seither laden wir besonders interessante preisträgerInnen zur zusammenarbeit in unsere exil-schreibwerkstatt ein. aus dem kreis dieser werkstatt-autorInnen, mit denen wir zahlreiche projekte entwickeln, oder begleiten, kommt auch der weitaus größte teil unserer publikationen.

Bei den Literaturpreisträgern und Preisträgerinnen handelt es sich, vermutlich, zumeist um strukturell junge Autorinnen und Autoren: auch Dimitré Dinev hat in der edition exil zu veröffentlichen begonnen, nachdem er mit dem exil-Literaturpreis ausgezeichnet worden ist... Wie gestaltet sich aus Ihrer Sicht der Weg von der punktuellen Auszeichnung zur längerfristigen Zusammenarbeit in Form eines Verlagsvertrages? Hätte jede Autorin, jeder Autor, der den Preis gewonnen hat, die Möglichkeit, seine Texte in der edition exil zu veröffentlichen?


Grundsätzlich hat jede/r autorIn die möglichkeit, uns texte vorzuschlagen. Natürlich gibt es projekte die uns besonders interessieren. Sei es aus formalen, sprachlichen oder inhaltlichen aspekten. Diese werden dann für einzelpublikationen in erwägung gezogen.


Die Muttersprachen Ihrer Autoren und Autorinnen sind wohl sehr unterschiedlich: dennoch sind, soviel ich weiß, alle in der edition exil erschienen Texte auf Deutsch verfasst worden... Ich könnte mir vorstellen, dass sich das Lektorat in dieser Hinsicht anders gestaltet als bei Verlagen, in denen hauptsächlich Autorinnen und Autoren mit deutsch als L1 veröffentlichen, dass es vielleicht mehr Sprach-Spiel-Raum gibt... Könnten Sie mir die bei der edition exil übliche Herangehensweise an zu veröffentlichende Texte skizzieren?


Das stillektorat übernehme ich als verlagsleiterin und herausgeberin der meisten bücher meist auch selbst. Ich arbeite einen text mehrmals durch. Erstelle dann eine 1. lektorierte fassung, indem ich alle von mir veränderten textpassagen markiere.Diese fassung schicke ich an die autorin/den autor. Diese/r lässt mich dann (entweder per email-oder in persönlichen besprechungen) wissen, mit welchen änderungsvorschlägen er/sie einverstanden ist, mit welchen nicht.
Danach kommt es zu einem diskussions- und argumentationsprozess. Oft gibt es auch textstellen, die ich (aufgrund der sprach-divergenz) nicht ganz verstehe, die der/die autorIn anders meinte als ich es im deutschen lese. Das wird dann ausgesprochen und danach eine 2. lektorierte fassung erstellt.Die arbeitet die autorin/der autor noch einmal durch, schickt sie mir, ich gebe mein feedback, und danach einigen wir uns auf die letztfassung.


Ich habe den Eindruck bekommen, dass sich die edition exil der Aufgabe verschrieben hat, sozusagen Randerscheinungen des etablierten und sich nach bestehenden Mustern reproduzierenden österreichischen Literaturbetriebes sichtbar zu machen („edition exil ist fremdland/ ist sprachneuland...“) ... Geht es auch darum, einer ‚österreichischen Migrationsliteratur’ (Anführungszeichen, da es sich, wie ich denke, um eine recht paradoxe und widersprüchliche Bezeichnung handelt: eine literaturgeschichtliche Zuweisung und also Einschränkung) Raum zu verschaffen? Wie schwierig gestaltet sich dies aus Ihrer Sicht? Und wie würden Sie in diesem Zusammenhang Ihr Verlagsprogramm beschreiben?



Ja. Die edition exil und die exil-literaturpreise widmen sich in erster linie der förderung der literatur von autorInnen mit migrationshintergrund. Aber:es gibt viele migrantInnen, die schreiben, aber nur wenige unter ihnen sind herausragende literatInnen. Sie wollen wir finden und unterstützen. Mit einigen: ich nenne hier nur dimitré dinev, alma hadzibeganovic, denis mikan und julya rabinowich ist uns dies bereits gelungen, die ergebnisse des exil-literaturpreis-jahrgänge sind vielversprechend.



(siehe dazu auch meinen artikel „sprachneuland“ im anhang und mein nachwort zu der anthologie „best of 10“ – (teile eines vortrages,  den ich im oktober 2007  an der universität genua bei einem symposium zum thema „osterweiterung der deutschsprachigen literatur“gehalten habe.)

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AutorInnen

Eva Schörkhuber

Eva Schörkhuber

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