2011-05-13 13:53:45
In seinem Buch High Society – Eine Kulturgeschichte der Drogen begibt sich Mike Jay auf die Spuren bewusstseinsverändernder Substanzen und den gesellschaftlichen Folgen ihres Konsums.
"Keine Gesellschaft dieser Welt kommt ohne Drogen aus.", so
postuliert Mike Jay provokant zu Beginn seines Buches und belegt seine These in
der weiteren Folge. Ausführlich geht er auf die unterschiedlichen
Drogenkulturen der Jetztzeit ein – vom alltäglichen Koffeingebrauch in Form von
Tee und Kaffee über das Betel- und Khatkauen bis zum Kokain-, Cannabis- oder
Ecstasykonsum. Doch auch auf die grundlegende Rolle von Drogen in der
Geschichte bezieht er sich. So zeigt er nicht nur, dass bewusstseinsverändernde
Stoffe schon seit mindestens 300 Millionen Jahren als evolutionäres
Wechselspiel zwischen Flora und Fauna den Lauf der Welt mitbestimmen, sondern
auch, dass sie bereits 2000 Jahre vor Christus in religiösen Ritualen beim
Menschen Anwendung fanden.
Drogen als
Bestandteil menschlicher Natur
Schnell wird offensichtlich, dass es Mike Jays Bestrebung
ist, die Droge von ihrem verruchten Image zu befreien und als Bestandteil
menschlicher Natur darzustellen. In erster Linie geht es ihm dabei aufzuzeigen,
welche gewichtige Rolle Drogen in der zivilisatorischen Entwicklung spielen,
beziehungsweise gespielt haben. Aber auch die veränderte Sichtweise auf Drogen
in verschiedenen Kulturen und historischen Epochen steht in seinem Fokus.
Opium als
Allheilmittel
So legt Jay dar, dass die westliche Drogengeschichte in
erster Linie auch eine Geschichte der medizinischen Entwicklung ist. Bewusstseinsverändernde
Stoffe werden schon seit der Antike hauptsächlich von Ärzten eingesetzt. Dass
dabei Opium spätestens seit Paracelsus und seinem Wundermittel Laudanum als
medizinisches Allheilmittel gefeiert wird und bis ins 20. Jahrhundert frei und
in vielfältigen Variationen erhältlich ist, wirft ein ganz anderes Licht auf
die heutige repressive Drogenpolitik. Ganz zu schweigen von dem
berühmt-berüchtigten Hustenmittel Heroin.
Drogen als
Handelsware
Doch nicht nur als Medikament, auch als Handelsware finden
Drogen Verwendung. Vom aus Amerika importierten Tabak über die Opiumkriege
zwischen China und dem Britischen Königreich bis zur heutigen Rolle von Drogen
in der Weltwirtschaft spannt Mike Jay den Bogen. Schade ist dabei allerdings,
dass er einen sehr anglozentrischen Blickwinkel einnimmt. Eine Erklärung
hierfür bietet die Entstehung des Buches, die auf die kuratorische Betreuung
einer Ausstellung der Wellcome Collection in London zurückgeht.
Fazit
Alles in allem bietet Mike Jays Buch einen umfassenden und
wissenschaftlich fundierten Überblick über die Rolle von Drogen in der
Menschheitsgeschichte. Auch der leicht verständliche Schreibstil, die
vielfältigen Illustrationen sowie das thematisch geordnete und kommentierte
Literaturverzeichnis am Ende des Buches tragen zum positiven Gesamteindruck
bei. Wer sich für Drogen abseits der stereotypen medialen Berichterstattung
interessiert, dem kann dieses Buch nur ans Herz gelegt werden.
High Society – Eine
Kulturgeschichte der Drogen
von Mike Jay, übersetzt von Michael Haupt
erschienen im Primus
Verlag, 2011
gebunden, 192 Seiten mit ca. 150 Abbildungen, EUR 30,80
Nobody knows the trouble I've seen.
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