2007-07-17 08:54:41
Einsam in Paris? Gerade in der Stadt der Liebe sehnen sich einsame Seelen nach Zweisamkeit.
Die WG als Ersatzfamilie
Je m'appelle CAMILLE (Audrey Tautou), tönt eine Stimme über die Kinoleinwand. Die Kamera wirft ein Close up auf Audrey Tautous Gesicht. Paris in der Gegenwart. 4 einsame Herzen schwirren im städtischen Universum umher: Camille, Franck (Guillaume Canet), Philibert (Laurent Stocker) und Paulette (Francoise Bertin). Um diese vier Persönlichkeiten dreht sich alles – ein Großstadtmärchen auf Französisch. Die Handlung ist nicht speziell auf Paris zugeschnitten, sie könnte überall auf der Welt stattfinden. Paris steht stellvertretend für alle Großstädte und einsame Herzen dieser Welt. Camille, Franck und Philibert wohnen alle im selben Wohnhaus. Jeder einzelne von ihnen ist mit seinem Leben unzufrieden, keiner nutzt seine Talente. Kaum einer kennt seine Nachbarn. Philibert, ein stotternder Adelssprössling, teilt sich mit Franck seine Belle Etage Wohnung. Franck ist Gourmetkoch und kümmert sich neben seinem Full Time Job als einziger in der Familie um seine Omi Paulette. Diese ist nach einem Oberschenkelbruch auf Hilfe angewiesen. Philibert lernt Camille eines Tages im Stiegenhaus kennen und freundet sich mit ihr an. Sie wohnt in einer sehr kleinen, zugigen Wohnung direkt unter dem Dach und verdient sich ihr täglich Brot als Putzfrau. Als sie an einer schweren Grippe erkrankt nimmt Philibert sie kurzerhand in seine Belle Etage Wohnung mit. Streit mit dem dritten im Bunde – Franck – ist vorprogrammiert.
Regie und Charaktere
Regisseur Claude Berri, ein alter Hase im Filmgeschäft, erweckte Anna Gavaldas internationalen Beststeller zum Leben. Ein sicheres Filmprojekt. Mit sehr vielen Nahaufnahmen von den Gesichtern der HauptdarstellerInnen bannt er Emotionen auf Celluloid. Audrey Tautous Gesicht stellt eine interessante Landschaft dar. Sie ist der Schneewittchentyp der Jetzt-Zeit: Blasser Porzellanteint, rosa Schmollmund, ebenholzfarbenes Haar und große dunkle Rehaugen. Zart und zerbrechlich mimt sie ihre Figur. Die scheinbar magersüchtige Camille steht dem bärigen und rebellischen Franck gegenüber. Langsame Schnitte geben dem Film das richtige Tempo an. Camille, Franck, Paulette und Philibert fehlen eine liebevolle Familie. Ersatzmodelle werden gesucht – Wohngemeinschaften neu arrangiert und wieder aufgelöst. Alle vier wollen der anonymen Kälte einer Großstadt entkommen. Sie sehnen sich nach Freundschaft, Zufriedenheit und Geborgenheit im Leben.
Fazit
Berri ist ein sensibler Film über individuelle Lebensentwürfe in der Großstadt gelungen, das Ende ist jedoch vorhersehbar. Die Umsetzung von Buch auf Film dürfte Anna Gavalda befriedigen. Die Story fließt sehr leichtfüßig dahin und man verlässt das Kino mit einem zufriedenen Grinsen. Ein Film, bei dem es einem warm ums Herz wird.
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