Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

fokus

Zurück ins Biedermeier?

2007-09-09 14:48:30

  • drone helikopter überwachung
  • Ars Electronica
  • Electronica Makrolab, Ars,
  • Ars Electronica nica
  • Ars Electronica

Das Motto der diesjährigen Ars Electronica in Linz hat einiges Unbehagen darüber ausgelöst, inwiefern der „gläserne Mensch“ bereits Realität geworden ist.

Die Feierlichkeiten (die anders als im Programm angegeben wenig überraschend nicht zu einem „Abend für die Künstlerinnen und Künstler“ wurde, sondern zu einem „Abend für die Sponsoren und Unterstützer“) zum Prix Ars Electronica im Brucknerhaus begannen mit den Worten: „Die Ars Electronica 2007 macht, was sie jedes Jahr macht, sie stellt Fragen.“

Alle gestellten Fragen und Veranstaltungen zusammen (etwa der Aufbau einer Stadt in der Stadt, in Anlehnung an das Onlinespiel Second Life als Second City bezeichnet, Vorstellungen von mobilen Videoüberwachungssystemen, ein Symposium zum Motto der Ars Electronica u.v.m.) scheinen die Mosaiksteine für eine erschreckende Theorie zu bilden: Wir haben die Kontrolle darüber verloren, selbst entscheiden zu können, wie viel wir von uns preisgeben möchten und wir sind dabei noch mehr davon zu verlieren.

Die Sache mit dem Frosch

Es scheint als hätten wir akzeptiert, dass wir die Kontrolle über unsere Privatheit (die wir nie völlig kontrolliert haben und die es im jeweiligen Kontext zu definieren gilt) vollständig verloren haben. Die Gesellschaft verhält sich wie ein Frosch im Wasser, welches langsam erhitzt wird. Der Frosch bemerkt die allmähliche Temperaturveränderung gar nicht und wird sterben, sobald das Wasser zu heiß ist. Ein Frosch, der jedoch aus seinem gemütlichen kalten Wasser in heißes Wasser springt merkt, dass das heiße Wasser nicht gut für ihn ist und wird sich schnellstens aus dem Wasser bewegen.

Das heißt nicht, dass wir zurück in ein neues Zeitalter des Biedermeiers gehen müssen. Die weiteren Wege des Frosches sind sozusagen unergründlich. Aber die Menschen sind aufgefordert sich als Designer einer Welt zu betätigen, die für sie angenehme Lebensbedingungen bereithält.

Pro und Anti

Das Design einer hochtechnologischen Überwachungsgesellschaft geht in zwei Richtungen. Die erste Richtung ist sehr erfolgreich: Es ist die Pro-Richtung und reicht von unsichtbaren Satelliten, über akzeptierte „Kundenkarten“ bis hin zu Web 2.0. Ihre Strategien sind unsichtbar, und laufen entweder leise und unbemerkt ab, wie bei Überwachungssatelliten oder bedienen sich der unendlichen Lust der Menschen nach Selbstinszenierung und Voyeurismus.

Die zweite Richtung ist weniger Erfolgreich aber mindestens ebenso vielfältig: Die Anti-Richtung. Sie versucht die Überwachung in das Bewusstsein der Menschen zu rufen, pocht auf das Recht auf Privatsphäre und glaubt nicht, dass Überwachungskameras einerseits die Kriminalität senken und andererseits am Verhalten der Öffentlichkeit „die sich nicht fürchten muss, weil sie nichts zu verbergen hat“ nichts ändert. Diese Richtung versucht sich etwa in der Überwachung der Überwacher (z.B. mittels kleiner Videohelikopter die Polizeieinsätze bei Demonstrationen überwachen) oder auch mit spielerischen Mitteln, indem typische Avatare aus dem Web 2.0 Zeitalter in das „reale“ Leben übertragen werden und dadurch einer Diskussion preisgegeben werden.

Die ArsElectronica in Linz kann noch bis 11.9.2007 besichtigt werden.

 

Foto1: Zeigt eine Videoüberwachungsdrone des Chaos Computer Clubs Berlin.

Foto2: Zeigt das reale Bild aus der virtuellen World of Warcraft Welt, in welcher alle Spieler ihren Nickname in grünen Lettern auf dem Kopf stehen haben. 

Foto3: Zeigt das Forschungsprojekt Makrolab des slowenischen Medienkünstlers Marko Peljhan. Es handelt sich um eine Forschungsstation die mit zahlreichen Sensoren, Abhörgeräten u.v.m. ausgestattet ist.

Foto4: Zeigt die Golden Nicas die im Rahmen des Prix Ars Electronica vergeben wurden.

Printer Icon



AutorInnen



Kein Bock auf Nazis Festival 13.4. Arena


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop