Regisseur, Produzent, Autor – Multitalent: Es gibt fast nichts, was David Schalko nicht schon probiert hätte. Der ausnahme Künstler gehört zu den Großen in der österreichischen Filmszene - FM5 hat ihn zu einem Interview gebeten.
Regisseur, Produzent, Autor – Multitalent: Es gibt fast nichts, was David Schalko nicht schon probiert hätte. Der nun in Wien lebende gebürtige Niederösterreicher gehört zu den Großen in der österreichischen Filmszene. Durch seine Formate für die Donnerstag Nacht im ORF konnte er zunehmend an Bekanntheit und Beliebtheit gewinnen.
FM5 hat den Ausnahme-Künstler zu einem Interview gebeten und unterhält sich mit ihm über österreichische Nationalkrankheiten, den neuen ORF und Langeweile.
FM5: Dein aktuelles Buch heißt „Frühstück in Helsinki“, der Protagonist Daniel erinnert manchmal etwas an dich. Wie viel David steckt in Daniel?
David Schalko: Viel und wenig. Es ist immer so, dass man sich Sachen aus dem Privatleben nimmt, also Anleihen, das macht jeder. Dann mischt man sie durch und dann fragen einen halt immer die Leute, oder auch Freunde „Sag mal, das bin doch ich, oder?“. Das stimmt aber so nicht, weil es immer auch jemand anderer ist und sich eine Person aus vielen Sachen zusammensetzt. In einer Figur stecken mehrere Personen oder Sachen, die man kennt.
„Frühstück in Helsinki“ ist insofern autobiografisch, als dass es von einem Sexkolumnisten handelt und in einem Umkreis spielt, den ich natürlich gut kenne, aber das bin nicht ich. Es ist kein Ich-Ich Buch.
Das Buch ist in gewisser Weise eine Satire auf Wien. Wie sieht das bei dir aus? Bist du Wien schon überdrüssig?
Nein, erstens ist das Buch schon älter, das ist ja schon fünf Jahre alt und ich fand das Thema ganz spannend. Wien ist so eine Stadt, wo alle dauernd darüber reden, dass sie weg wollen und niemand tut es. Und die Leute, die es tun sind dann nach zwei Jahren wieder da, weil sie draufkommen dass Wien ja eh ganz lässig ist. Das Ganze hat ja mehr mit einem selber zu tun, als mit Wien. Ich glaube es gibt keine Stadt auf der Welt, wo nicht ständig alle darüber reden wegzugehen.
Es gibt nun deine neue Serie im ORF: „Die 4 Da“. Letztens mit „Kärnten III“. Nach so einer Sendung, wartet man da auf eine Klage? Und ganz besonders, wenn es um jemanden geht, der dafür berühmt ist, dass er gerne klagt?
Inzwischen nicht mehr. Ich hab die Hoffnung irgendwie aufgeben. Erstaunlicherweise kam da bis jetzt ganz wenig, beziehungsweise eigentlich gar nichts. Man hört Gerüchte, dass sich irgendwer ärgert, aber das ist eh klar. Aber es ist auch schwierig so was zu klagen, weil das von der Rechtsabteilung von hinten bis vorne geprüft wird. Und das weiß der Haider eben auch, dass es nicht so einfach ist zu klagen.
Wäre so eine Sendung auch zu Zeiten Monika Lindners ausgestrahlt worden?
Ich glaube, dass das sozusagen auch aufbauend ist. Das hat weniger mit Linder zu tun, sondern eher damit, dass es die „Sendung ohne Namen“ oder „Dorfers Donnerstalk“ vorher gab. Im Prinzip sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, in einem demokratischen Land, wo es eine gewisse Kultur und Meinungsfreiheit gibt, politische Satire zuzulassen. In England würde darüber keiner diskutieren. Bei uns hab ich den Eindruck, dass man sich das oft erkämpfen muss, also eine gewisse Fernsehkultur.
Also ist das ein Schritt für Schritt Prozedere?
Ja und natürlich gibt es auch einen Programmdirektor der sich nicht scheut, so was zu machen. Der Lorenz ist halt jemand, dem das egal ist, ob da jetzt was kommt oder nicht.
Du arbeitest ja viel mit dem ORF zusammen. Hast du deine Arbeit betreffend Veränderungen seit dem „Machtwechsel“ festgestellt?
Naja, was hat sich verändert? Es ist natürlich anders jetzt, weil es andere Menschen sind, die über einem stehen. Es geht jetzt wieder etwas mehr darum, sich etwas zu trauen und etwas Neues auszuprobieren. Es ist jetzt eine starke Ermutigung da.
War es vorher eher niederdrückend?
Naja niederdrückend…. Ich hab ja eh ein gutes Leben gehabt. Ich habe immer machen können, was ich wollte. Aber ich glaube, dass allgemein mehr Mut da ist, Sachen auszuprobieren.
Hast du dir das erkämpfen müssen, dass du machen darfst, was du willst?
Ja schon. Aber dadurch, dass es immer um eine spätere Uhrzeit ging, war das auch viel einfacher. Um 20.15 Uhr ist das immer schwieriger. Und ich glaub, dass der Lorenz und der Wrabez jetzt mal darauf aus sind, den ORF inhaltlich neu zu positionieren, was auch gut ist. Was man im Zusammenhang mit dem Lorenz nie hört ist „das können wir nicht machen, das ist zu arg“ oder „das geht nicht, das ist nicht breit genug“. Diese Argumentation ist nicht da und ist kreativ-fördernd. Was aber genau passieren wird, sieht man erst in zwei Jahren. Im Moment ist alles noch Ankündigungspolitik.
Zur „Sendung Ohne Namen“. Da war anfangs der Informationsfluss viel geballter. Nun kann man dem Ganzen schon viel besser folgen.
Ich glaube, dass das eher damit zu tun hat, dass man sich an das Tempo gewöhnt hat. Wenn man sich die alten Sendungen ansieht, sind die in Wahrheit viel langsamer als die Sendungen, die jetzt sind. Ende April läuft die letzte Folge von der Sendung ohne Namen und da zeigen sie auch die erste Folge noch mal. Da wird man dann sehen, wie langsam die war und wie schnell die Letzte ist.
Für diese Staffel die Letzte Folge oder generell?
Nein, die allerletzte.
Von Kritikern hört man immer wieder mal, dass du zu viele Sachen anreißt, dich besser auf ein Gebiet konzentrieren solltest. Wie stehst du dem gegenüber?
Ich finde interessant, dass das ausgerechnet von Journalisten kommt, die selber soviel machen.
Ich sag ja auch von Kritikern und nicht Journalisten.
Ich hatte noch kein Problem damit, dass ich viel mach. Wenn man mich lässt, dann mach ich das auch, weil ich es einfach gerne mach. Außerdem schaut es auch immer nach mehr aus, als es ist. Man macht ja nicht jede Folge selber, wenn man das Ganze konzipiert. Außerdem mach ich jetzt eh weniger und es hat sich zufällig ergeben, dass ich so viel mach. Ich hab auch nichts dagegen, dass andere Leute Fernsehsendungen machen, ganz im Gegenteil.
Ich glaub nicht, dass die Qualitätsschwankungen, die dann immer als Vorwurf kommen, dass das eine gut, und das andere schlechter ist mit dem Vielmachen zu tun haben. Das liegt in der Natur der Sache, dass wenn man etwas neu ausprobiert, manche Sachen funktionieren und manche nicht. Es ist halt einfach so, dass man da manchmal scheitert. Und das hätte auch die erste Geschichte sein können. Bei der „Sendung ohne Namen“ war die Chance des Scheiterns genau so groß wie bei „Kupetzki“ und so weiter.
Ist der Faktor „Langeweile“ auch ein Grund, dass du so viele Sachen aufgreifst?
Ja wahrscheinlich. Ich finde das wahnsinnig langweilig, wenn man fünf Jahre dasselbe macht, nur weil es funktioniert.
Ich hätte es ja gut gefunden, wenn auch andere Produzenten für die "Donnerstag Nacht" zum Zug kommen. Nur ist erstaunlicherweise in den letzten Jahren sehr wenig am Tisch gelegen. Das ist die typisch Österreichische Krankheit. Alle jammern und sagen „warum muss das immer der eine Typ machen“ aber niemand kommt und probiert was Neues aus. Da ist gähnende Leere. Der typisch österreichische Jammerstaat. Zuerst alles schlecht reden und wenn man jemanden lange genug schlecht geredet hat, dann kann man ihn auch wieder gut finden.
Es ist in Österreich auch so, dass in dem Bereich immer die Selben Leute miteinander arbeiten.
Ja das ist weil es nicht so viele gibt. Es sind nicht viele Menschen gut vor der Kamera und es gibt keine Auswahl von hunderten Leuten.
Es liegt also nicht daran, dass man es gewöhnt ist, mit diesen Leuten zusammen zu arbeiten?
Das kommt schon auch noch dazu. Wenn sich die Leute dann endlich mal gefunden haben, gewöhnen sie sich auch aneinander. Es entstehen natürlich auch Freundschaften, aber das ist eher sekundär. Ich habe wirklich schon versucht, neue Leute zu finden, tu das auch immer noch. Es ist aber wahnsinnig schwer. Wenn es viele gäbe, würde das österreichische Fernsehen ganz anders ausschauen.
Im Herbst kommt dein neues Buch heraus. Auf was dürfen wir uns freuen?
Das sag ich jetzt natürlich nicht, das ist noch ein kleines Geheimnis.
Fotos: Caroline Kaltenreiner