2007-04-02 00:10:56
Und wieder beschenkt uns der deutsche Schriftsteller Oliver Uschmann mit einem lesenswerten Buch: „Voll beschäftigt“. Es ist auch wieder ein „Hartmut-und-ich-Roman“ geworden.
„Ich stehe bei den Veteranen vor der Theke und warte auf meine Pommes Spezial. Das Fett brutzelt, die Luft ist schwül. Es ist nicht gesund, wenn man in einem schiefen, schlecht sitzenden Haus gegenüber der besten Pommesbude Bochums wohnt. Aber es macht glücklich.“ Und: „Wir essen unsere Pommes und zappen hin und her. Wir sehen von Laien gespielte Privatdetektive, von Laien gespielte Richter, von Laien gespielte Polizisten und von Laien gespielte Ärzte. Bei den Berufspolitikern bleiben wir hängen, weil sie besser spielen können.“ Köstlich! Da will uns wieder jemand das öde Leben, auch Alltag genannt, mit einer lustigen, in einem 315 Seiten umfassenden Buch verpackten Geschichte versüßen. Dieser Jemand heißt Oliver Uschmann, Jahrgang 1977(!), geboren in Wesel, hat als Kulturveranstalter, Werbetexter und Packer gearbeitet, Kurzgeschichten veröffentlicht und verschiedene Literaturpreise gewonnen. Und mit dem Vorgängerroman „Hartmut und ich“ (wir erinnern uns: http://www.fm5.at/artikel.php?id=956) bereits einen Hammer-Roman hervorgebracht. Außerdem schwenkt er seine goldene Feder auch noch für die zwei Magazine „Visions“ und „Galore“ und ist als Dozent tätig. Wahrlich viel also für einen erst 29-Jährigen. Sein neuer Roman „Voll beschäftigt“ ist soeben erschienen und gelungen.
„Der unglaubliche Roman einer unglaublichen Wir-AG“
Hartmut, Susanne, ich und meine, das heißt seine „Yannick“ wohnen noch immer in einer Bochumer WG. Hartmut ist noch immer das kreative Zentralorgan, Susanne noch immer seine Freundin und Yannick immer noch Ich `s Katze; außerdem ist Ich noch immer Single, was sich im Laufe des Romans – so viel sei verraten - deutlich ändern wird. So fristen sie also ihr Dasein mit Playstation spielen, küssen und reden, bis – wem sonst? – Hartmut eine Idee kommt: er will Leute bewusst dequalifizieren, d. h. er will arbeitslose Altphilologie-Studenten und andere Intellektuelle wie Akademiker zu „niederen“ Jobs verhelfen, um somit dem Schicksal eines Arbeitslosen zu entgehen. Wie das aussieht, kann sich der Leser wohl schon vorher ausmalen: „Du musst dich von dem Gedanken verabschieden, dass Konversation was mit Denken zu tun hat“ schreit Ich zum Beispiel einmal zu seinem ersten Klienten Sebastian, ein Ex-Musikwissenschafts- und Altphilologiestudent, den er mit Hartmut, neben unzähligen Anderen, „umschulen“ muss. Was bedeutet: Sebastian darf nicht mehr Homers „Ilias“ lesen. Er muss Playstation spielen. Er muss laute Metal-Musik hören, viel Bier trinken und grölen. So funktioniert das auch bei den anderen Kunden, die bei der Klingel, auf der „Institut für Dequalifikation –Ihr Weg zur neuen Arbeit. Mit Jobgarantie“ draufsteht, anläuten müssen. Als er eines Tages 3Sat schauen will, weil dort gerade die Übertragung des „Klagenfurter Literaturwettbewerbes“, an dem Hartmut – auch so eine geniale Idee, Herr Uschmann! – teilnimmt, stattfindet, ergibt sich folgende Szene: „Ich wedele mit den Händen, legen den Kopf zurück und mache Brummgeräusche wie Peter Scholl-Latour: „Papperlapapp. Hartmut ist doch nur ein Vorwand! Wenn ich nicht aufpasse, ziehst du dir den ganzen Abend 3Sat rein, und am Ende kommt noch ein Konzert von Mahler!“ Das hätte ich nicht erwähnen sollen. Sebastian kriegt feuchte Augen. „Mahler…“, flüstert er. Ich drehe mich zum Kühlschrank, hole zwei Bier heraus und werfe ihm eins zu: „Hier! Trinken!“ „Aber wir haben doch noch vor der Schicht!“ „Sauf jetzt!“, sage ich und öffne meine Flasche. Wir stoßen an, er nimmt einen Schluck. „Und jetzt grölen“, sage ich. „Was grölen?“ „Irgendwas. Hosen. Onkelz. Rammstein. Du musst 3Sat aus dem Kopf kriegen.“
Uschmann kreiert in seinem neuen Buch so schöne Sätze wie „ Ich könnte nach dem Weg fragen, aber ich tue es nicht. Männer fragen nicht“ oder „Doch Hartmut ist das egal. Hartmut fragt sich nicht, ob man bereits genug zu tun hat. Hartmut tut, was ein Hartmut tun muss.“ Da überrascht es dann weiters nicht, wenn „Ärzte“-Schlagzeuger Bela B. sein Buch so kommentiert: „Nach dem Genuss dieses Buches bin ich kurz davor, ins Ruhrgebiet zu ziehen. Ich wusste bisher nicht, dass dort so weise Menschen leben.“
Das Buch wird also brav neben „Hartmut und ich“ ins Bücherregal gestellt und man darf auf das nächste (Lese-) Abenteuer, das uns Uschmann bescheren wird, gespannt sein…
Das Buch „Voll beschäftigt“ von Oliver Uschmann ist im Fischer Verlag erschienen.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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