La vie en rose. C ´est la vie de Marie Antoinette. Zumindest in Sofia Coppolas neustem Film "Marie Antoinette".
Zuckersüße Langweile
„Ich habe Angst, mich zu langweilen“. Diese Worte legte Stefan Zweig Marie Antoinette in seinem Roman „Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters“ in den Mund. Langeweile ist eine der größten Besorgnisse der heutigen Jugend. Dass es jungen Menschen - sofern sie aus dem Königshaus stammten - vor drei Jahrhunderten nicht anders ging, das zeigt Sofia Coppolas Film „Marie Antoinette“.
Pastellfarbene Roben und üppige Hochsteckperücken bestimmen den Alltag an Coppolas französischem Hof. Marie Antoinette ist ein Teenager, als sie den Hof ihrer Mutter - Kaiserin Maria Theresia - verlassen muss, stirbt als Mutter zweier Kinder während der Französischen Revolution. Die Jahre dazwischen bereitet Sofia Coppola in einem wunderbaren Traum in Rosa auf.
Au revoir, maman
Eine ehrgeizige Mutter wollte all ihre Kinder gut verheiraten - im 18. Jahrhundert war das nicht unüblich. Doch Maria Theresia lag nicht das Wohl ihrer Kinder am Herzen, sondern das Wohl ihres Reiches. So mussten all ihre 14 überlebenden Kinder etwas zur Reichserweiterung beitragen. Im 15. Lebensjahr war Maria Antonia von Österreich an der Reihe, von nun an Marie Antoinette genannt.
Maria Theresia (Marianne Faithfull) verabschiedet ihre Tochter (Kirsten Dunst) mit wenigen kühlen Worten. An der Grenze muss das Mädchen auch noch sein Schoßhündchen abgeben, denn in Frankreich sind nur französische Hunde erwünscht. Ein trauriger Start in ein neues Leben. Doch es kommt noch schlimmer. Ludwig XVI. hat kein Interesse an seiner Gemahlin. Besonders die Hochzeitsnacht lässt lange auf sich warten.
Jetset im 18. Jahrhundert
Um sich die Zeit zu vertreiben, stürzt sich die Angetraute des Thronfolgers in ein dekadentes Leben. Rauschende Parties, Theaterbesuche, Konfekt und Pyramiden aus Champagnergläsern versüßen Marie Antoinettes Alltag. Bis sich der Gemahl doch entschließt seinen ehelichen Pflichten nachzukommen. Die Geburt des ersten Kindes zügelt das Leben und die Affäre der Thronfolgerin.
Dennoch blieb sie eine der größten Modeikonen ihrer Zeit. Kirsten Dunst stellt ein zerbrechliches Mädchen dar, das den Traum vieler leben darf. Sie ist die Weggefährtin des französischen Thronfolgers. Im Laufe der Zeit verwandelt sie sich in eine selbstsichere Frau, die ihre Verspieltheit nie ganz ablegt. Die Geburt eines Neffen schafft es zwar sie zu verletzen, doch anmerken lässt sich die Königin Frankreichs nichts. Die Geburt ihrer Tochter trübt sie nicht, denn Marie Antoinette sieht sie als „ihr Eigen“ an, welches ihr niemand nehmen kann.
Sofia Coppolas Konzept
Musik und Optik spielen eine große Rolle in Coppolas Filmen. Bei „Marie Antoinette“ werden diese Mittel eingesetzt, um den Weg der jungen Grazie zu untermalen. Sequenzweise überwiegen Einstellungen im Zeitraffer mit beruhigender Musik. Als könnte man die Gedanken Marie Antoinettes lesen.
Doch es gibt auch Szenen, in denen das Gegenteil vorherrscht. Schnell aufeinander folgende Schnitte bei Partysequenzen, Musik von „The Strokes“ und „The Cure“, die das wilde Leben der Dauphine dokumentieren.
Die Regisseurin wagt sich an ein heikles Thema. Nur wenige Frauen in der Weltgeschichte, sind so verschrien wie Marie Antoinette. Das (un)wahre Zitat mit dem Kuchen als Ersatz für Brot, genau wie ihr verschwenderischer Lebensstil trugen zu ihrem schlechten Image bei. Als Vorlage für Coppolas Film diente Antonia Frasers Roman „Marie- Antoinette. The Journey“, es gilt als eines der Lieblingsbücher der Regisseurin.
Fazit
Der Film sorgte bereits bei den Filmfestspielen in Cannes dieses Jahr für großen Wirbel. Neben Applaus hagelte es auch schlechte Kritiken für Coppola. Mit einer auserlesenen Besetzungsliste punktet die Regisseurin jedoch beim Publikum.
Marianne Faithfull - es ist einer ihrer wenigen Filmauftritte - spielt Maria Theresia. Interessantes Detail: Faithfulls Mutter stammt aus der österreich-ungarischen Monarchie. Leider ist sie nur selten zu sehen und begnügt sich mit Off-Ton-Einspielungen, als eindrucksvolle Regentin.
Kirsten Dunst begeisterte bereits als Lux Lisbon in Coppolas „The Virgin Suicides“. Auch die männlichen Darsteller wie Steve Coogan als Marie Antoinettes Liebhaber, Jason Schwartzmann als Ludwig XVI. und Danny Huston als ihr Bruder setzen ihre Rollen gekonnt in Szene.
Sofia Coppola eröffnet eine andere Sichtweise auf Marie Antoinettes Blütezeit. Ihr umstrittenes Wagnis scheint geglückt. Obwohl der Film nichts Neues über das Leben der österreichischen Französin erzählt, so ist er doch unterhaltend und vorallem ein optisches Spektakel.
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