2007-04-02 00:10:43
Eine Geschichte über die vermeintliche Liebe.
Das war sie, die Joas von vielen Gesprächen bekannte, mit Sprüchen wie: „Freiheit muss man sich erkaufen!“ verzierte, vielen Löchern versehene und einen nicht gerade willkommen heißende Mauer. Sie türmte sich direkt vor Joas auf, der in diesem Moment lieber zu Hause in seinem Zimmer sitzen würde und auf seiner Gitarre, die ja für ihn mehr als nur ein in die Gesellschaft integriertes Objekt war, die Saiten zupfen würde. „Das sind die dunklen Seiten eines Lebens, das man von Gott geschenkt bekam“, dachte er sich, als er vor der imposanten Mauer stand. Er, der normalerweise nur so strotzte vor Selbstbewusstsein. Fragen stellend und vor der Mauer herumtrottend, die kalte, eisige Dezemberluft einatmend, wartete er auf den Konsens, dass er nun endlich hineingehen darf. „Hinein in den Mistkübel der Welt, wo man froh sein kann, wenn man wieder draußen ist, in der Freiheit!“ Das verbale Zeichen des im Gesicht einen Schmiss tragenden Gefängniswärters ließ aber nicht lange auf sich warten. Joas öffnete die ihm nur aus dem Fernsehen bekannte Tür mit den Gitterstäben, die sich Haupttor nannte. Ein schlechtes, nahezu unheimliches, wenn nicht die Luftröhre zusammenschnürendes, sein Gehirn beinahe ausschaltendes und sein Bewusstsein auf eine harte Probe stellendes Gefühl überkam ihn, schlug ihm die Faust in’ s Gesicht. Im Gefängnis drinnen wimmelte es nur so von Wärtern. Alle mit dem selben eisernen Blick; das Antlitz wirkte felsenartig. Der Wärter, der Joas das Tor geöffnet hatte, erkundigte sich an der Informationsstelle nach der Zelle, die Joas zu betreten im Sinn hatte. „367“, sagte er mit kalter trockener Stimme zu Joas. Aber der Wärter habe es jetzt „sehr eilig und müsse dringend weg“; das bedeutete, dass sich Joas also auf den Weg machen musste und sich in diesem Dschungel von Gefängnis alleine zurechtfinden musste. Während er sich also auf den Weg zum Ziel Zelle machte bzw. ausmalte und ihn verfolgt, dachte es nach. Über seine Freundin, die nun in Zelle 367 sitzt und über ihre Fehler nachdenkt. Denn Fehler gab es genug. Da waren diese Drogen, von denen sie Joas erst mitteilte, dass sie sie nahm, als es schon zu spät war. Oder das nicht notwendige Bedrohen mit ihrem Messer. Auch brach sie einer Freundin fast das Nasenbein, als se um ein, wie üblich bei Mädchen, Problem ging. Das noch nicht genug, provozierte sie die Staatsgewalt des Öfteren. Und trotzdem, nach all dem, was passiert war, fühlte sich Joas ihr hingezogen, er spürte eine Bindung zu ihr. Joas musste sie wieder sehen, das stand fest. Joas, der fünfzehnjährige Gitarrenspieler, der seine Freundin und nicht nur die, mit seinem virtuosen Gitarrenspiel verzauberte. Joas, der sich für Sport n null interessierte, der gerne in’ s Kino ging, der aber auch für einen Spaziergang zu haben war, er musste sie wieder sehen. In’ s Kino gingen sie ja oft gemeinsam, auch liebte sie seine Gitarre, und obwohl sie viel und oft schöne Bilder zeichnete, die für ihn nichts wert waren, steckte in ihnen etwas Gemeinsames. Dies galt es zu erforschen. In seine Gedanken vertieft, merkte er erst nach einer Weile, dass er schon vor Zelle 367 stand. Er blickte hinauf, wo über der Zelltür das bronzene Schild mit den eingravierten zahlen 367 zu erkennen war. Ein Gefängniswärter stand nebst der Tür und sperrte sie auf. Dies erzeuge in Joas einen scheußlichen Ton. „10 Minuten Besuchszeit!“, meinte der Wärter zu Joas. Der nahm das mit einem dankenden „OK“ an. Der Wärter schloss die Tür zu und ließ Joas und seine Freundin, die auf den Namen Bärbel hörte, in der Zelle. Mit offenen Armen empfang Bärbel Joas. Sie küssten sich, sehr lange. Bärbel begann mit dem Gespräch: „Hast du mich vermisst?“ „Und ob“, war die von Bärbel erwartende Antwort Joas’. Joas sah sich um in der Zelle. Ein kleines bett, wenn man es so bezeichnen mag, eine Schüssel voll mit Wasser du ein dunkelgraues mit weißen Streifen gemustertes Sträflingsgewand war alles, was man ihr gönnte. „Noch 5 Minuten!“, tönte es vom Wärter. Jetzt drängte es Joas. Er wollte es nicht so enden lassen, doch er konnte nicht anders. Mit der linken Hand Bärbel’ s Arm packend und mit der Rechten das Messer aus seiner Hosentasche greifend, stach er auf sie ein. Es wahr mehr ein intuitiv herbei geschalteter Reflex denn Wollen., denn er wusste nicht, was in ihm vorging. Es war eine art Sucht nach ihr, doch er konnte sich nicht beherrschen und stach ein auf sie. Alles kam ihm jetzt sehr, sehr langsam vor. Das Messer machte auch nicht vor ihm halt. Er erstach sich. Mitten in der Zelle zusammen mit Julia. Das Blut beider wurde vergossen. Dass sie starben, das war das Gemeinsame der beiden.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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