Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

musik

You´re listening to a piece of history: Das Odditorium der Dandy Warhols

2007-04-02 00:12:03

„Die zwei, drei Chartshits haben wir im Kasten, jetzt kiffen wir uns mal ordentlich ein und schauen, was dabei herauskommt“, so ähnlich stelle ich mir die Vorgehensweise der vier Dandys bei ihrem neuen Album "Odditorium Or Warlords Of Mars" vor.

The Dandy Warhols waren ja immer schon für Überraschungen jeglicher Art gut und lassen ihr neues Album „Odditorium Or Warlords Of Mars“ gleich mal mit einem rein gesprochenen Titel beginnen, eine Art ausgedehnte Radio-Anmoderation, die mit den Worten „I´m Pete Curtis, and you´re listening to a piece of history“ endet...und die Musik durchstarten lässt. Mit „Love Is The New Feel Awful“, dem eigentlichen Albumopener klären die Dandy Warhols auf, womit wir es diesmal zu tun haben, denn deren Marschrichtung variiert von Album zu Album. Der kräftige Einsatz von Trompeten erinnert jedenfalls wieder mehr an den Stil des Meisterwerks „13 Tales From Urban Bohemia“, als an die eher kühle Soundästhetik des letzten Albums „Welcome To The Monkey House“. Dabei geht die Band aber noch ein Stück weiter „zurück“, zumindest zeitlich bezogen, lassen den 70er Jahren kräftig Einzug gewähren und pfeifen dabei auf jegliche Hitsinglestrukturen (mit einiger weniger Ausnahmen) und aktuelle Sounds, wie der neuneinhalb minütige Eröffnungstitel oder die – es geht noch mehr – fast 12 (!) Minuten dauernde Schlussnummer demonstrieren. Hier werden Songstrukturen aufgebaut, wieder zerstört, es wird in laaangen Instrumentalimprovisationen geschwelgt, und irgendwann kehrt man wieder zum eigentlichen Song zurück. Analog zu ihren Liveshows gilt das Motto: gemacht wird, was Spaß macht.
 
 
 Dandy-Frontman Courtney Taylor-Taylor entdeckt seine weibliche Seite
 Foto: (c) www.dandywarhols.com 
 
„Die zwei, drei Chartshits haben wir im Kasten, jetzt kiffen wir uns mal ordentlich ein und schauen, was dabei herauskommt“, so ähnlich stelle ich mir die Vorgehensweise der vier Dandys bei diesem Album vor. Ein mutiger Schritt, den die meisten Bands im profitgeilen, auf Chartshits orientierten Musikbusiness wohl nicht wagen würden.
 
Soundmäßig ist das Ganze tief in den End-70ern verwurzelt, zwischen Stones, Velvet Underground und Blues Brothers, garniert mit einem Schuss Manchester-Rave. Oberdandy Courtney Taylor-Taylor singt häufig mit heiserer, gehauchter Falsett-Stimme, daneben schrummelt die Akustikgitarre, psychedelische E-Gitarren flirren umher und der geradlinige Beat des korkenziehergelockten Drummers Brent DeBoer erdet das Sammelsurium der Klänge. Man wähnt sich im puren Rock´n Roll in Sicherheit, als mit „The New Country“ plötzlich ohne Vorwarnung  ein waschechter und glücklicherweise kurz gehaltener Countrysong ertönt. Na ja, so lange der Spaßfaktor bleibt und die Songperlen bereits hinter der nächsten Ecke lauern.
 
 
Taylor-Taylor im Backstagebereich des Flex (Oktober 2003)
Foto: (c) Stephan Brückler
 
Kommen wir also abschließend zu den erwähnten Ausnahmen und dem „Dandy Warhols Hitrezept“, das da lautet: man nehme eine sich ständig wiederholende 2 bis 4er-Akkordfolge, geradlinig-tanzbaren Rhythmus, einen Haufen „Yeah“, „Woah“ und „Huhuu“-Shouts, Mitsingchöre im Refrain, und fertig sind Hits wie „Bohemian Like You“ – klingt sicherlich einfacher, als es ist, aber der Effekt ist verblüffend. In dem Falle heißen diese Nummern „Smoke It“, die so klingt wie sie heißt und Zia McCabe gesanglich featured, „Holding Me Up“, die in herrlich besoffen klingenden Bargesängen endet, und – der Höhepunkt – „Down Like Disco“, die mit verzerrter Mundharmonika und unmöglich nicht mitsingbarem Refrain punktet.
 
Der einzige Ruhepol, die Nummer „There Is Only This Time“ wäre der ideale Ausklang für das beschwingte Album, leider folgt diesem aber noch ein elend langes, stinklangweiliges Schlussstück, das besser außerhalb der massiven Tore des Albumcovermotivs geblieben wäre.
 
 
Livetipp: Wer bisher noch nie in den Genuss eines Dandy Warhols-Konzerts gekommen ist, hat am 17.Oktober in der Arena zu Wien die Gelegenheit dazu, wärmste Empfehlung!

Printer Icon



AutorInnen



Kein Bock auf Nazis Festival 13.4. Arena


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop