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musik

You Need To Be Nicer - Die Cardigans live in Wien

2007-04-02 00:12:09

Die erfolgreiche schwedische Poptruppe Cardigans gastierte in der ausverkauften Arena Wien.

Sie selbst konnten sich gar nicht mehr dran erinnern. Erst als einer der Journalisten beim Interview sie danach fragte, fiel ihnen wieder ein, dass sie schon einmal die Arena Wien beehrt haben. Allerdings unter völlig anderen Rahmenbedingungen. Vor rund 10 Jahren stellten die Cardigans den Voract der Foo Fighters bei einem sommerlich-heißen Open Air. Ihr damaliger Sound war leichter, unbeschwerter Pop und Nina Persson repräsentierte noch die zuckersüße, naive und schüchterne hellblonde Maid aus dem Norden.

10 Jahre später, selber Schauplatz, allerdings Indoor, während draußen der Regen ans Fenster prasselt. Gegenüber von uns reflektieren eine zunächst reserviert wirkende Nina Persson und Gitarrist/Songwriter Peter Svensson über das letzte Jahrzehnt Cardigans, und versichern, dass sie jetzt, obwohl sie von den Plattenverkäufen her nicht mehr an den weltweiten Erfolg von „Lovefool“ herankommen, eine viel glücklichere Band seien.

Peter Svensson: “Around those years ´97, ´98, ´99 we were just an unhhappy band. And I think we are so much happier today and we´re enjoying everything so much more. And I also think, we never really asked for that type of success, therefore it´s not the end of the world that we don´t sell as many records today. Again, we´re much happier today.”
Nina Persson: “I think we´re more focused and able to do music that lives longer with us, we´ve learned to make music that we all actually love a little bit more.”

Der Bandsound hat sich seit der Gründung im Jahr 1992 deutlich verändert. Die unbeschwerte Feelgood-Atmosphäre der ersten Alben wich zunächst einem synthie-dominierten Hochglanzsound (“Gran Turismo”), bevor die Band mit “Long Gone Before Daylight” mit einem organischen und rohen Sound zurückkehrte, wie er auch das aktuelle Album „Super Extra Gravity“ prägt.

Persson: “We´ve been working quite hard the last few years, playing a lot live, we experienced, that we actually play well together, so we wanted to use that as the main production idea to base things more on the way we play, more than having grand ideas.” Was sich auch auf die aktuelle Tour-Setlist auswirkt, so Persson weiter: “Songs that we did pre Gran Turismo wouldn´t really fit in naturally in the set, both because of the haze we wanna keep through the set - we wanna keep it quiet, straight and hard - and the older songs would sort of ruin our vision of this tour. And we have so much material that we like so much on the 3 last records, so at least we think, that it´s totally enough for a very good show. And the thing is that for years we had for instance not been playing songs like Lovefool and it´s marvelous, how people are not really missing it either.”
Svensson: „I think you have to add as well that if you listen to the material that we put out between this 10, 15 years, all the records are very different and I think if you compare it to many other bands we really allowed ourselves to move on. And I think it´s important that what we do live is also reflected by this, that we wanna move forward.“

Wechseln wir vom Interviewraum in die 2 Etagen tiefer gelegene große Halle der Arena, wo sich Voract Florian Horwath bereits mit gewohnt verstimmtem Gesang wacker schlägt. Der Österreicher punktet aber mit Sympathie und guter Liveband und kann für seine Schlußnummer sogar den Cardigans Bassisten Magnus Sveningsson gewinnen.

Ein wenig später machen dann Cardigans ihre „Drohung“ war und beschränken ihr Set streng auf die letzten 3 Alben - „Lovefool“ verblieb also in der schwedischen Heimat. Natürlich ist Nina Persson, wie eingangs erwähnt, immer noch zuckersüß, aber die naive Blondine ist sie schon lange nicht mehr. In enge Jeans und schwarzes Korsett gezwängt, sorgt sie beim männlichen Publikum zweifellos nach wie vor für lustvolle Blicke. Und wer dagegen immun ist, unterliegt spätestens dem Charme ihrer bezaubernden, glasklaren Stimme. Jedoch ist Frau Persson klug genug, sich nicht auf ihrem Sexappeal auszuruhen, sondern tritt sehr bestimmt und selbstbewusst auf, was sich auch in ihren bissiger gewordenen Texten niederschlägt, wie schon der Titel der Singleauskoppelung „I Need Some Fine Wine And You, You Need To Be Nicer“ zeigt. Ihre Texte ergänzen sich ideal mit Peter Svensson´s Songs, was die beiden sozusagen zum Kern der Cardigans macht - auch optisch auf der Bühne stehen die beiden im Mittelpunkt. Während Bengt Lagerberg, dessen Drumset mit teils LKW-Räder-großen Becken ausgestattet ist, und Keyboarder/Zweitgitarrist Lasse Johansson fleißig auf dem Podest im Hintergrund werken und der stämmige Bassist augenzwinkernd mit dem Publikum flirtet, sind es vor allem die ekstatischen Gitarrensoli-Auszucker des Schlips tragenden, dandyhaften Peter Svensson, die begeistern.

Besonders spannend wirkt der Kontrast zwischen Rocksongs wie „My Favorite Game“, die die voll gestopfte Halle zum Toben bringen, und ganz stillen, zerbrechlichen Momenten wie „And Then You Kissed Me“. Mit einer zu Tränen rührenden Darbietung von „Communication“ und einer rote Rosen ins Publikum werfenden Nina Persson beenden die Schweden ihr - leider etwas kurz geratenes - Set.

All jene, die die Cardigans bisher auf eine fade und seichte Easy-Listening-Truppe reduzierten, wurden an diesem Konzertabend eines besseren belehrt. Die Cardigans stehen heute für erdigen, anspruchsvollen Pop mit Hitcharakter, ganz ohne Nervfaktor - und das findet man dieser Tage selten.

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