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Yes! Another Television Story!

2008-02-28 21:08:13

  • television, tv, wuhu

Mila Superstar vs. New York. Warum Fernsehen früher besser war. Ein Märchen. Ein Lagebericht.

THEN…

Es war einmal ein kleines Mädchen aus der niederösterreichischen Provinz. Zugegeben, sie war vielleicht etwas verschlossener als andere, aber ihren bis dato nur spärlich positiv ausgefallenen Erfahrungen zufolge konnte sie auf so etwas wie „Freundschaft“ getrost verzichten. Immer wieder geriet sie dabei an die Falschen. So waren darunter meist egomanische, verzogene – und obwohl sie selbst eines war und ist, muss es an dieser Stelle gesagt werden – Einzelkinder, die das gutgläubige Mädchen allzu gerne als ihre persönliche Leibeigene betrachteten. Während hingegen das Fernsehen - als die für sie einzige bewährte soziale Konstante - ohne zu fordern stets nach der Schule auf sie wartete.

Mit den Jahren waren die bevorzugten Sendungen vielleicht nicht immer die gleichen geblieben, die prächtigen Stunden mit den Glücksbärchis und Pizza Poltergeist von der Rätselburg würde sie jedoch niemals missen wollen. Dieser 12 Jahre lange, überdurchschnittliche TV-Konsum hatte unweigerlich seine Spuren hinterlassen. Das Mädchen war das Paradebeispiel der so genannten Fernsehgeneration geworden: passiv-intelligent sowie aktiv sozial isoliert (wenn auch oft gewollt).

NOW…

Heute hat das kleine, ehemals fernsehabhängige Mädchen erstaunlicherweise gar keinen Fernseher mehr und sieht auch ihre TV-Vergangenheit weniger romantisierend als vielmehr betont kritisch. Sie würde vielleicht sogar soweit gehen, zu behaupten, dass das TV heutzutage keine brauchbare Wissensquelle mehr darstellt. Vorbei sind die Zeiten der lehrreichen Stunden mit Bugs Bunny, Darkwing Duck und Andreas Türck. Dies musste unsere, für ein Leben ausreichend tele-visionierte und sozialisierte Protagonistin nun teils schmerzhaft, teils herzhaft feststellen, als sie durch eine plötzliche, grippebedingte Auszeit (wie so oft in vorlesungsfreien Tagen) gezwungen war, eine Woche lang vor dem TV zu verbringen. An dieser Stelle möchte sie nicht behaupten, während des siebentägigen Intensivstudiums des Massenmediums gar nichts gelernt zu haben. Das Bewerten der Qualität ihrer Erkenntnisse soll aber infolge –ungewohnterweise - den werten Lesern selbst überlassen werden:

Schnüffelnde, polygame Kuschelhasenjuristen führen vorhersehbare, bisexuelle Romanzen

So durfte sie dank Das Perfekte Dinner, Room Raiders und Schlüsselreiz erfahren, dass es - auch wenn Eltern und sämtliche Bildungsanstalten das Wahren von geistigem und materiellem Eigentum noch und nöcher predigen – völlig okay ist, in anderer Leute Kram zu schnüffeln, wie Schnuffel - der Kuschel Kuschel - es bestimmt auch macht, nachdem er uns in bester Klingelton-Manier singenderweise wissen lässt, dass die oft für tot befundene Romantik offiziell zurück ist. Goethe war gestern. Schnuffel ist die Zukunft.

Genau so wenig vorhersehbar wie die uns unaufhörlich weiter bevorstehenden und immer tatsächlich noch schrecklicher werdenden Klingeltonwerbungen ist die schon oft und immer wieder gerne von der Autorin geächtete Serie Grey’s Anatomy. Im Weiteren als das gemäßigtere Reich und Schön bezeichnet. Niemand hätte ja ahnen können, dass die ewig schmachtende und zerfließende Miss M. ihren Doktor kriegt. Dabei wäre doch, so hat unsere unter Medikamenteneinfluss stehende Seherin durch Lernen am Modell herausgefunden, eine polygame Lebensweise heutzutage auch voll okay, wie Staffel 1 und 2 von Flavor of Love jüngst und Hugh Hefner in The Girls of the Playboy Mansion längst, bestätigen können.

Viel schwerer ist da schon das Leben einer allein erziehenden Richterin so wie in Für alle Fälle Amy. Ohne Mann, Moneten und Mansion muss Richterin Grey tagtäglich toughe Entscheidungen treffen und für diese  auch  noch Verantwortung mit allen Konsequenzen übernehmen. Wie leicht hingegen das Leben sein kann, zeigt diese vermeintliche Lesbe aus GZSZ, die vor kurzem mit der Ehefrau des Bruders ihres Freundes eine Affäre hatte, aber nun wieder bekehrt mit eben jenem, gehörnten Freund super happily ever after back together ist.

Wieder im TV-enthaltsamen Leben zurück, kommt unsere Heldin nicht drum herum, diesen Privat-TV-Wahnsinn etwas zu vermissen. Vor allem verzehrt sie sich regelrecht nach einem speziellen Erlebnis: Nach dem simultanen Genuss von hausgemachtem Essen und auf dem Bildschirm in Schubladen gaffenden und fremde Schuhe anprobierenden Menschen, welche nach getanem Schnüffeln den Gastgebern die unter Schweißperlen aufwendig bereitete dreigängige Mahlzeit wegfressen, um den Abend anschließend bestenfalls mit knauserigen 7 von 10 möglichen Punkten zu bewerten.

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AutorInnen

Nadine Obermüller

Nadine Obermüller

On est toujours jaloux du métro des autres. C.G.

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Kommentare




 

05.03.2008
Dan [info]

großartiger Text!
;)
aber ich denke heutzutage kann man sich noch "gute" Formate rauspicken aus dem TV-Sortiment...

[antworten]




 

07.03.2008
cpausch [info]

.!

"...super happily ever after back together ist."

großartiger text.
danke dafür. =]

[antworten]




 

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