2009-05-26 15:52:58
Jim Jarmuschs Film Limits of Control begleitet einen Mann ohne Namen auf eine Reise durch das verdörrende Spanien.
Was wissen wir über den geheimnisvollen Fremden? Er ist Amerikaner, sein Auftreten im Anzug wirkt professionell und doch ein wenig furchteinflößend. Er spricht kein Spanisch, wie wir von seinen Antagonisten erfahren. An sich sind es keine Gegenspieler, sondern eher Unterstützer seiner faszinierenden Figur. Jim Jarmusch gibt in Limits of Control seinem Protagonisten selbst den Namen "geheimnisvoller Fremder".
Große Namen in Zurückhaltung
Jarmuschs Fremder (Isaach De Bankolè) wird zum modernen Odysseus. Dessen zehnjährige Reise handelt der Fremde zwar in wenigen Tagen ab, trifft aber dennoch auf einige Charaktere, die direkt aus Homers Odyssee entsprungen scheinen. So wird Tilda Swinton als Blondine zur Zauberin Kirke, Paz de la Huerta als Nackte zur Nymphe Kalypso. Sein Auftrag bekommt während der Odyssee den Status einer Nebenhandlung. Wichtiger erscheinen die wortkargen zwischenmenschlichen Szenen, unterstützt durch die ausdrucksstarken Bilder von Christopher Doyle.
Vor willigen Stars kann sich Jim Jarmusch auch in seinem zehnten Film nicht retten. Neben Swinton bekommen Bill Murray, Gael García Bernal und John Hurt kleine Auftritte, in denen sie durchwegs souverän agieren. Mehr als ein paar Worte und eine Streichholzschachtel werden nicht gewechselt.
I used my imagination
Starre, sich wiederholende Szenen begleiten das Leben des geheimnisvollen Fremden. Tai Chi auf der Herrentoilette, das abendliche Hören von Schubert, oder das Bestellen von zwei Espressi in zwei Tassen werden stets wiederholt. Der Protagonist besucht immer wieder dasselbe Museum, um ein einziges Bild zu betrachten. Die Wahl der Bilder variiert, findet sich jedoch im weiteren Verlauf in Figuren wieder.
Namen nennt Jarmusch keine. Musikinstrumente, Haarfarben, Nationalitäten und Moleküle sind es, die bewusst agieren. Aus dem ursprünglich 25 Seiten langen Skript wurde ein Film, dessen Titel bewusst vom gleichnamigen Essay von William S. Burroughs abgeleitet wurde. Sprache wird bei Burroughs zum Kontrollmechanismus. Jarmusch verzichtet fast 40 Jahre später auf verbale Kommunikation und erlaubt dadurch den Zusehenden einen individuellen Blick zu entwickeln.
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We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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