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Worte leben

2007-11-30 16:07:04

  • Markus Koehle
  • mieze medusa und Diana Koehle
  • slam Gendlin beim

Wenn Literaten auf der Bühne stehen und sie ihre Texte nicht mehr trocken-traurig ablesen sondern feucht-fröhlich Worte performen, ist Poetry-Slam angesagt. Was bisher in Österreich geschah und was noch zu erwarten ist

Nach dem erfolgreichsten Poetry Slam der österreichischen Slam-Geschichte, dem Ö-Slam (fm5 hat berichtet), boomt dieses Literaturgenre und gewinnt stetig an Publikum und Vortragenden. Die Idee, dass nicht abgelesen wird, sondern der Text auf der Bühne live performt wird und ihm somit mehr Leben eingehaucht wird, ist nicht neu, sondern stammt vom Amerikaner Marc Kelly Smith, der in den 80er Jahren den Poetry Slam begründete.

Poetry Slam in Österreich


Nachdem dieses Konzept über den Atlantik nach Europa gekommen war, gelangte es auch Ende der 90er nach Wien wo unregelmäßige Slams im Bermuda Dreieck, Café Stein und die einzig regelmäßigen im Schikaneder und im ORF Kulturcafe stattfanden.

2002 schien es, als wäre es aus mit dem Slammen in Österreich – doch so schnell lässt sich ein Poetry Slam nicht ausschalten. Denn als eines Tages eine junge Dame, die gerade erst nach Wien gezogen war und aufgrund der Miete, die sie für ihre neue Wohnung zu bezahlen hatte, komplett pleite war, wurde sie beim Schwarzfahren erwischt, als sie auf dem Weg zu einem Slam war. Wie sie das Geld fürs Schwarzfahren bezahlen sollte wusste sie nicht, geschweige denn, wie sie jetzt noch gute Laune für die Literaturveranstaltung aufbringen sollte. Doch ein paar Bier später gelang dieser jungen Dame der Sieg und der Hauptpreis ging sich genau für die Rechnung der Wiener Linien aus. An diesem Abend wusste Mieze Medusa: Slam zahlt sich aus.

Auch Freund Markus Köhle hielt einiges von der Idee des Poetry Slams. Und so waren zwei neue Slamveranstaltungen geboren. 2002 ging es im Innsbrucker Bierstindl mit den ersten Slams los, die sich bis heute gehalten haben und immer noch monatlich stattfinden. Organisiert von Köhle, der mittlerweile eine Koryphäe in der österreichischen Slam – Szene ist, ist dieser Slam ein Fixpunkt in der Szene, der sich nicht mehr wegdenken lässt.

2004 fasste in Wien eine Gemeinschaft mit dem Namen textstrom Fuß, die sich bis heute hielt und monatlich einen Poetry Slam veranstaltet. Der Name textstrom ist mittlerweile auch in Deutschland und der Schweiz gängig und die Moderatorinnen Mieze Medusa und Diana Köhle machen aus dem textstrom Poetry Slam ein Event, dass man sich auch ohne Interesse an Poesie ansehen möchte, denn good cop und bad cop leisten hochkarätiges Entertainment.

Angefangen haben die textstrom Slams im hinterzimmer des Cafe Europa bis sie im Juni 2005 letztendlich im rhiz angekommen waren und dort geblieben sind. Mittlerweile kann man von Dornbirn über Feldkirch, Innsbruck, Graz, Linz, St. Pölten, Wien bis hin zu Mattersburg Poetry Slams finden, die in unregelmäßigen bis regelmäßigen Abständen stattfinden.

Poetry Slam Cup - International

Poetry Slam boomt in Österreich und daher bekommen auch ausländische Slammer immer mehr Interesse für den Österreichischen Slam. Um den Österreichern deutschen und schweizerischen Slam zu zeigen, veranstaltet Alex Gendlin, Wiener Slam – Champion, Poetry Slam Cups, wo er je zwei Deutsche und zwei Schweizer einlädt, die dann gegen die Österreicher antreten. Alex Gendlin hat dieses Jahr Österreich beim German International Poetry Slam vertreten und ist aktiv in der Slamszene.

„Was die Mieze und die Diana da seit Jahren machen ist wirklich zu bewundern. Aber langsam muss es auch mehr Slam in Österreich geben. Der rhiz Slam ist sicher nicht wegzudenken. Es ist gut, wenn man in Österreich sieht, wie die Teilnehmer anderer Länder sind. Klar, sie haben einen zeitlichen Vorsprung, aber ich bin mir sicher, dass es in ein paar Jahren vom qualitativen Standpunkt in Österreich auch so aussehen kann", sagt Gendlin.

Gendlin organisiert am 13. Dezember im Wiener Museumsquartier den zweiten Poetry Slam Cup und hat dort unter anderem den deutschsprachigen Meister Marc-Uwe Kling eingeladen, der im Oktober in Berlin als erster Slammer in der Geschichte seinen Titel als Meister verteidigen konnte. Neben dem Oberslammer sind auch Felix Römer (D), der in der internationalen Szene längst kein Unbekannter mehr ist, Lara Stoll (CH), die heuer ihren Titel als U20 – Siegerin abgeben musste und Marguerite Meyer (CH) eingeladen. Die Österreichischen Teilnehmer sind Markus Köhle, Karsten Rühl und der, in letzter Zeit in der Slamszene verschollen aber nun wieder „am Start" seiende MC von Hörspielcrew und B Seiten Sound, Peter Jeidler. Weiters wird ein Überraschungsgast aus Österreich auftreten. Dass bei diesem Slam ein Eintritt von 10€ verlangt wird ist eine Maßnahme, die versucht den Slam als ernstzunehmende Veranstaltung darzustellen.

Die Zukunft


Alles in Allem ist Slam längst schon keine undergroundmäßige Kleinkunst mehr sondern eher ein kulturelles Ereignis für Jung und Alt. Die Szene boomt und das Prinzip, dass jeder, der will, mitmachen kann, ist sympathisch und bei jedem Willkommen. „Im Endeffekt merkt man, dass die, die es wirklich wollen, immer besser werden und dann auch erfolgreich bleiben“, so Gendlin. Der erfolgreiche Ö-Slam wird nächstes Jahr wieder statt finden. Der Poetry Slam Cup etabliert sich allmählich und Anfang nächsten Jahres wird in Österreich zum ersten Mal ein U20-Slam stattfinden, denn die Slamszene muss auch für ihre Zukunft sorgen. Insofern ist Slam ein Trend für Intellektuelle geworden, der stetig wächst und erfolgreicher wird.

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AutorInnen

Yasmine Hafedh

Yasmine Hafedh

Meine Wenigkeit darf sich zur österreichischen "untergrund - literaturszene" zählen. Man kann mich auf allen möglichen Slams, Lesungen und vorallem in Wiens Nachtleben bei jeglichen Auflegereien oder Konzerten finden. Neben den eigenen Auftritten bei Poetry-Slams und Lesungen schreibe ich außerdem für die österreichische Musikplattform ink.music bin Redakteurin und Kolumnistin bei der Wiener Literaturzeitschrift "...&radieschen" und schreib jetzt auch für fm5. Aja, ich mag Zigaretten mit Kaffee.

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