2007-04-02 00:15:35
Eine winzige Hand hält den Mund einer jungen afrikanischen Mutter. Die Hand klein und runzlig, der Blick der Mutter verzweifelt. Das ist das Siegerbild des diesjährigen World Press Photo 06 vom kanadischen Fotografen Finbarr O'Reilly.
Westlicht widmet sich noch bis 22. Oktober dem Thema Bildjournalismus und zeigt die 200 besten Pressebilder des Jahres 2005. Neben spektakulären Naturaufnahmen oder dynamischen Sportbildern macht die Ausstellung aber vor allem auf schockierende und tragische Ereignisse hauptsächlich in den ärmeren Teilen der Welt aufmerksam.
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Macht der Bilder
"Bilder sind schnelle Schüsse ins Gehirn", sagt der Werbeforscher Kroeber-Riel. Um ein Bild aufzunehmen sind nur ein paar Sekunden notwendig. Die Macht der Bilder ist damit nicht nur in der Werbung, sondern auch im Journalismus unbestreitbar. Gerade bei bedeutenden Ereignissen können die Emotionen und Geschehnisse oft schwer treffend beschrieben werden. Das Bild wird damit zu einer unerlässlichen Mittelungsquelle, das den Text ergänzt, aber auch für sich, als eigene Informationsquelle, stehen kann.
Bilder können Informationen viel schneller, aber auch anders transportieren. Sie können bewegen, aufrütteln, Gefühle und Meinungen verstärken aber auch abschwächen. Die Geschehnisse bekommen ein Gesicht, sind nicht mehr nur ein abstraktes Faktum in einer Zeitung. Sie können auch dafür sorgen, dass manche Ereignisse nie vergessen werden. Fotos wirken oft ehrlicher, wirklicher und wahrer als geschriebene Worte, weil sie das Gezeigte erfahrbarer machen, müssen es aber nicht unbedingt sein. Die Gefahren der Manipulation sowie die Inszenierbarkeit von Bildern steht im Raum. Gerade durch die Digitalisierung und die neuen Möglichkeiten der Bildbearbeitung verliert die Fotografie des Öfteren an Glaubwürdigkeit. Eine kritische Betrachtung von Pressebildern ist damit unerlässlich.
Viele Zeitungen leben geradezu von ihren Bildern - man denke vor allem an Boulevard-Zeitungen wie die „Bild“. Auch im Qualitätsjournalismus liefern Pressefotos jedoch einen wichtigen Beitrag zur Berichterstattung.
Ästhetik
Unsere Vorstellung von einem Pressefotografen ist meist jene eines hektischen Menschen. Möglichst schell, am besten als Erster, muss ein Schnappschuss gelingen und es bleibt keine Zeit, sich um Bildkomposition, die Lichtsetzung oder den Hintergrund zu kümmern. Die Ausstellung der World Press Photo 06 zeigt jedoch eine unglaubliche Schönheit und Faszination. So sagt der World Press Photo 06- Juryvorsitzende James Colton (USA) beispielsweise über die Wirkung des Siegerfotos: „Dieses Foto hat mich verfolgt, seit ich es vor einigen Wochen zum ersten Mal gesehen habe. Auch nach tausenden anderen Bildern ist es mir bis zuletzt nicht aus dem Kopf gegangen. Es birgt alles: Schönheit, Schrecken und Verzweiflung.“
World Press Photo 06
Seit 1955 findet der jährliche Wettbewerb um die besten Pressefotos statt. Die internationale Jury, die aus 13 Mitgliedern besteht und jährlich wechselt, beurteilt Einsendungen von FotografInnen, Agenturen, Zeitungen und Magazinen aus aller Welt. In den 10 Themenkategorien Reportagen, Harte Fakten, Natur, Sport Feature, Sport Action, Kunst und Kultur, Portraits, Alltagsleben, Aktuelle Themen und Menschen in den Schlagzeilen wurden die besten drei Arbeiten jeweils für die Sparte Einzelfoto oder Fotoserie ausgezeichnet. Die Ausstellung zeigt 200 Arbeiten des weltweit größten Wettbewerbs für Bildjournalismus.
Der Gesamtsieger des Jahres 2005 ist der kanadische Fotograf Finbarr O'Reilly mit einem Bild von einer Mutter mit ihrem hungernden Kind nach einer schlimmen Dürreperiode in Niger. „Das wahrscheinlich Erfreulichste an dem Preis ist die Tatsache, dass er an ein Foto aus Afrika geht. […] Hoffentlich trägt er dazu bei, dass die Ereignisse auf diesem Kontinent mehr Aufmerksamkeit bekommen.“, sagt O'Reilly über die Auszeichnung.
Noch bis 22. Oktober sind die Werke in der Galerie WestLicht in Wien zu sehen.
Sorge dich nicht um das was kommen mag, weine nicht um das was vergeht, aber sorge, dich nicht selbst zu verlieren, und weine, wenn du dahintreibst im Strome der Zeit, ohne den Himmel in dir zu tragen. (Friedrich Schleiermacher)
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