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Wo liegt Oslo?

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Eine gute Frage, die mir meine kanadische Mitbewohnerin stellte. Sie war davon überzeugt, mich auf meiner Reise in die norwegische Hauptstadt zu begleiten. Was dabei rauskam war ein mühseliger Ausflug zweier völlig unterschiedlicher Menschen.


Müde und fertig


sitze ich nun im gut beheizten Swebusexpress, der mich wieder zurück Richtung Karlstad bringt, eine Kleinstadt an deren Universität ich seit Anfang Januar studiere. Nur langsam taut mein durchgefrorener Körper wieder auf. In Oslo hatte es die letzten zwei Tage eisige 17 Grad unter dem Gefrierpunkt. Langsam lehne ich mich zurück, schließe die Augen und versuche etwas Schlaf zu bekommen, denn davon hatte ich letzte Nacht nicht besonders viel. Doch kurz vorm Einnicken vernehme ich diesen käsigen Gestank, der mir nur allzu gut in Erinnerung ist. Oh mein Gott, ich hatte sie schon fast vergessen, meine Mitbewohnerin und Reisebegleiterin war ja auch noch da. Direkt hinter mir und sie hat wieder mal ihre Ugg-Boots ausgezogen, die sie unglücklicherweise ohne Socken trägt.

Im Nachhinein


weiß man bekanntlich immer alles besser. Ich hätte es ahnen sollen, denn uns trennen Welten. Alleine ihre Frage "Where's that Oslo?", obwohl wir fast direkt an der norwegischen Grenze leben, hätte meine Alarmglocken schrillen lassen sollen. Als ich es ihr auf der Karte zeigte, meinte sie nur simpel: "I wanna go there and see as much as I can". Nie hätte ich ein derartiges Unverständnis und Desinteresse am Reisen und fremden Ländern vermutet.

Drei Stunden Busfahrt entlang einer wunderbaren Winterlandschaft verlaufen noch ohne Probleme. Die Sonne geht langsam neben uns auf und in der schneebedeckten Ebene tauchen vereinzelt, kleine rote Holzhäuschen auf. Oslo als Hauptstadt passt perfekt in dieses ruhige Ambiente, welches uns auf der Hinreise umgibt. Für eine Großstadt an einem Samstag sehr friedlich, nicht hektisch, die Bewohner helfen dir lächelnd bei jeder Frage weiter. Ich fühle mich genau richtig hier. Einziger Minuspunkt, meine hinter mir hertrottende Begleiterin, die in ihrer rosa Jogginghose friert und den zehn minütigen Fußmarsch zum Hotel verflucht.

Da alle Hostels ausgebucht sind, bleibt uns nichts anderes übrig als das "billigste" Hotel zu nehmen, in Oslo, einer der teuersten Städte weltweit ein schwieriges Unterfangen. Um 299 NOK, das sind ca. 36 Euro residieren wir in einem kleinen, zentralen Hotel mit Frühstück. Meine Begleiterin findet das Hotel zwar schrecklich, war dennoch froh in keinem Mehrbettzimmer zu nächtigen. Sie war bisher noch nie in einem Hostel und will diese Erfahrung so gut es geht vermeiden. Europa ist schließlich gefährlich und mit fremden Reisenden in einen Zimmer, da kann es nur Mord und Totschlag geben. Ihre Laune ist nicht nur wegen des Hotels getrübt, sondern auch weil ihr Laptop nicht mit von der Partie ist. Zwei Tage ohne Internet und Skypen mit der "Family" sind schließlich unmöglich.

Zum Schreien


ist mir bei unserer ersten Station im Edvard Munch Museet. Während ich den Stadtplan studiere und überlege, wie wir am besten hinkommen, starrt sie ins Leere und langweilt sich. Auf meine Frage, was sie den alles sehen möchte, kommt nur ein "I wanna go there, where you are going" zurück. Gut, wir sind im Munch Museum angelangt. Zu unserem Glück ist der Eintritt von Jänner bis März 2010 kostenlos. Erfreut über die Tatsache etwas Geld gespart zu haben, schlendere ich langsam umher und verliere  meine Begleiterin aus den Augen. Dadurch bleibt mir zwar ihr desinteressierter Blick erspart, dennoch können ich und ein paar andere Besucher sie aus dem nächsten Raum sehr gut hören. "Cute", "Oh I love this", "Awful", "Creapy" bringt mich zum Schaudern und sicher bin ich da nicht die Einzige. Den echten "Schrei" von Munch bekomme ich zwar nicht zu sehen, da dieser ja gestohlen wurde, mir selbst ist durch ihre lauten und peinlichen Kommentare sehr danach zumute. Gelangweilt wartet sie bereits am Ausgang und kann es kaum erwarten endlich essen zu gehen.

Sparen


lautet meine Mission für diese zwei Tage und so wenig Geld wie möglich in Oslo lassen. Da füllte ich tags zuvor meinen Rucksack brav mit Obst und Broten aus dem schwedischen Supermarkt und kann mir jetzt von meiner Begleiterin anhören lassen, dass sie lieber in ein Restaurant gehen will. Wie nicht anders erwartet marschieren wir zu Fridays, einer amerikanischen Restaurantkette, denn das kennt sie, da weiß sie was es zum Essen gibt. Ganz nach dem Motto "Was der Bauer nicht kennt, (fr)isst er nicht". Umgerechnet 28 Euro sind ihr das Hühnerfleisch mit Pommes und Bananenmilchshake wert, denn ihre "Mommy" meint, sie soll es sich gut gehen lassen in Oslo, wenn sie Geld braucht, ein Anruf genügt und schon wird es überwiesen. Dies wird mir von der verwöhnten Prinzessin nicht nur einmal unter die Nase gerieben. Dasselbe gilt auch für die Handyrechnung, alle paar Stunden kommt ein Anruf von daheim, ob es ihr gut geht, weil "Mommy" macht sich Sorgen.

Unsere anschließende Stadtbesichtigung bewältigen wir zu Fuß, da Oslos Zentrum sehr überschaubar ist und man nicht unnötig Geld für Busse ausgeben braucht. Großen Spaß schien ihr das nicht zu machen, da sie sich schnaufend und keuchend hinterherschleppt. Ihr murmelnden Worte, dass sie daheim überall mit dem Auto hinfährt, überhöre ich. Am Königlichen Schloss angekommen, verblüffe ich sie mit dem Faktum, dass es in Norwegen einen König gibt. Also nicht nur im Märchen, wie sie anscheinend vermutet hat. Die Wachablöse der königlichen Garde kann sie erstmals zum Fotografieren animieren, ihr Interesse beschränkt sich jedoch auf die "cute boys".

Das Ultimatum


stelle ich ihr am nächsten Tag. Übermüdet und mit tiefen Augenringen kaue ich an meinem Obst. Ihr Dornröschenschlaf und das sofort einsetzende Schnarchen raubte mir nachts neben dem Verstand auch noch das bisschen wohlverdienten Schlaf. Als sie mir ihren Hustenanfällen auch noch das Zimmer zum Beben brachte, sah ich in meinem Ipod die letzte Rettung. Vom Frühstück lässt sie so gut wie alles stehen und genehmigt sich lieber einen Guten-Morgen Burger. Mir bleibt nun nichts anderes mehr übrig als ihr vorzuschlagen, auf getrennten Wegen die restliche Zeit zu verbringen und uns erst abends wieder zu treffen. Andernfalls müsste sie mit mir auf die Halbinsel Bygdon und die will ich, im Gegensatz zu ihr, keinesfalls mit einem überteuerten Mini Cruise - Touristenboot ansteuern. Wahrscheinlich habe ich es den Minus 17 Grad zu verdanken, dass sie nun davon absieht mit mir herumzutouren und noch dazu in das Norske Folkmuseet, ein Freilichtmuseum, zu gehen. Ihre Entscheidung fällt auf McDonalds und Kino, ein wahrlich gelungenes Programm für eine Oslo-Reise.

Endlich frei


denke ich mir, wozu hätte das noch alles führen können. Nun kann ich in aller Ruhe durch die jahrhundertealten Hütten und Holzkirchen gehen, ohne Nörgeleien und nervigen Kommentaren ausgesetzt zu sein. Ganz so ruhig verläuft es dann doch nicht, da wie aus dem nichts ein paar Langläufer plötzlich frech neben mir vorbeiflitzen - mitten im Freilichtmuseum. Es werden immer mehr und schließlich teilt man mir mit, dass heute ein Langlauftag in Museum stattfindet und man sich überall auf zwei langen Brettern fortbewegen darf. Dass die Norweger begeisterte Langläufer sind, war mir zuvor auch schon in der Stadt aufgefallen. Auf den Gehsteigen marschierten sie mit ihren Skiern Richtung Park, wo man schon einige Gleichgesinnte "herumlaufen" sah. Auch an den Busstationen standen plötzlich mehr Skier als Leute. Amüsant zum Beobachten ist es auf jeden Fall. Im Freilichtmuseum kann ich auch noch in einer der Hütten einen Becher Kaffee abstauben. Die dortige Führerin scheint sich in den holzigen Bauten etwas einsam zu fühlen und lädt mich auf ein nettes Kaffeekränzchen ein.

Faszinierend


sind das Vikingskiphuset und das Frammuseet. Mein Besuch bei den Wikingern ist aber leider nur von kurzer Dauer, da plötzlich der Feuermelder losgeht und alle Besucher wie die Kühe hinausgetrieben werden. Also mache ich mich auf ins Fram-Museum, dass sich mit der Fram, einem bekannten norwegischen Polarexpeditionsschiff befasst. Das Originalschiff kann man im Inneren des pyramidenförmigen Gebäudes bestaunen und begehen. Die Texte und Bilder, die sich mit dem Nordpol beschäftigen und die ohnehin äußerst kühle Raumluft lassen meine Körpertemperatur deutlich sinken. Durch die Kälte schon etwas verwirrt, hätte ich mir nur all zu gern einen Robben- oder Bärenfell-Ganzkörperanzug gekauft. Schließlich hat so ein Anzug schon anno dazumal Roald Amundsen bei seinem Wettlauf zum Südpol gewärmt, warum also nicht auch mich. Mein Verstand ist jedoch noch nicht eingefroren, also raffe ich mich auf, knipse noch ein paar Fotos vom Hafen und stapfe Richtung Bus. Nun ist nicht nur meine Geldtasche leer sondern auch meine Energie, die sich langsam verabschiedet. 

Glücklich und zufrieden


den letzten Tag ausgiebig und sinnvoll genützt zu haben, komme ich in der Hotellobby an. Wie erwartet blicke ich in ein Gesicht, das bis zum Boden hängt. Ihr Kinobesuch um 30 Euro hat sich anscheinend doch nicht so gelohnt und womöglich hat sie sich mit dem Burger den Magen verdorben. "Is the busstation in a walking distance?" Meine Antwort sollte lauten: "Ja und hoffentlich verliere ich dich irgendwo auf dem Weg dorthin!" Trotz meines "Speedwalking" Richtung Swebusexpress gelingt es mir nicht, sie an einer finsteren Ecke abzuhängen. Gelohnt hat sich das schnelle Gehen jedenfalls nicht, denn dafür habe ich nun hier im Bus ihre verschwitzen Käsefüße im Nacken.

 

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Kommentare




 

10.02.2010
Juraj

schade

du hast nicht die interessanten Amerikaner getroffen. Es gibt sie viele in Europa, wenn so so überlege waren viele von den besten Menschen die ich in den letzten 2 Jahren auf Reisen getroffen hab Amerikaner. Aber netter Artikel,war in Oslo nur paar Stunden, sicherlich Wert mehr zu bleiben

[antworten]




 

10.02.2010
Juraj

schade

du hast nicht die interessanten Amerikaner getroffen. Es gibt sie viele in Europa, wenn so so überlege waren viele von den besten Menschen die ich in den letzten 2 Jahren auf Reisen getroffen hab Amerikaner. Aber netter Artikel,war in Oslo nur paar Stunden, sicherlich Wert mehr zu bleiben

[antworten]




 

11.02.2010
sandraL [info]

keine sorge

natürlich habe ich schon viele nette und interessante Amerikaner getroffen :) Mit einigen bin ich auch sehr gut befreundet. Leider habe ich diesmal mit meiner Reisebegleitung etwas anstrengende Erfahrungen gemacht, aber mir ist schon bewusst, dass nicht alle Amerikaner so sind :D Und in Oslo sollte man auf jeden Fall länger als ein paar Stunden bleiben, das ist es sicher Wert!

[antworten]




 

11.02.2010
sandraL [info]

keine sorge

natürlich habe ich schon viele nette und interessante Amerikaner getroffen :) Mit einigen bin ich auch sehr gut befreundet. Leider habe ich diesmal mit meiner Reisebegleitung etwas anstrengende Erfahrungen gemacht, aber mir ist schon bewusst, dass nicht alle Amerikaner so sind :D Und in Oslo sollte man auf jeden Fall länger als ein paar Stunden bleiben, das ist es sicher Wert!

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