2007-04-02 00:10:13
Einmal in der Woche kommt die Kurierbeilage „Kult“ ins Haus geflattert. Kult ist vor allem für ein jüngeres Publikum konzipiert. FM5 im Gespräch mit den Kult- Machern Roman Roznovsky und Michael Huber.
FM5: Kult ist sowohl im Internet zu Hause als auch im Print. Der Schreibstil der jeweiligen Medien unterscheidet sich sehr. Wie schafft ihr es den Spagat der verschiedenen Stile zu vereinen?
Roman: Grundsätzlich sind es einmal zwei Firmen. Mit einer Ausnahme schreibt das Printteam nicht fürs Netz. Die Sachen werden reingestellt und von der Online-Redaktion fürs Netz aufbereitet, Bildergalerien eingefügt. Das Weblog kommt von uns, d.h. von Michael Huber.
Michael: Ich habe Weblogs auf der Uni während meiner Diplomarbeit kennen gelernt, als der erste Hype in Amerika war. Zu dieser Zeit haben alle gesagt, dass das die neue Form des Journalismus wäre, was es allerdings nicht ist. Es bietet hingegen Möglichkeiten, die man sonst nicht hat, beispielsweise persönliche Perspektiven einzubringen. Als es darum ging Kult.at neu zu launchen, habe ich gesagt, dass ich gerne ein Weblog drinnen hätte, vor allem, um sich mit anderen Communities zu vernetzen und um eine persönliche Note rein zu bringen und damit die Leute etwas näher daran teilhaben zu lassen, was wir machen.
FM5: Manche Personen meinen, dass die Zukunft des Journalismus in diesen Weblogs läge. Der Journalist wird dadurch allerdings zu einem Moderator degradiert. Wie sind eure Erfahrungen damit? Der Kurier ist doch ein Vorreiter dafür.
Michael: Die Leute machen nicht wahnsinnig intensiv mit, außer ich poste beispielsweise nach einem großen Konzert gleich meine Gedanken dazu. Man stochert da oft in ein Bienennest hinein. Kult war aber auch immer als ein „One to Many Medium“ angelegt. Der Community-Aspekt war nie so zentral. Vielleicht kommt das auch daher.
FM5: Weblogs haben zahlreiche Vorteile, die allerdings nicht unbedingt journalistischen Kriterien genügen. Wie setzt der Journalist ein Weblog ein?
Michael: Vergangenen Herbst war das bei der Blogtalk-Konferenz ein großes Thema, ob Weglobs Journalismus sind. Die Meinungen diesbezüglich divergieren sehr. Die meisten meinen, dass Weblogs den journalistischen Kriterien nicht genügen. Es kommt meiner Meinung nach immer darauf an, wie man das Weblog einsetzt. Wenn du aus Bagdad ein journalistisches Weblog machst, dann kann das schon Journalismus sein. Weblog kann man auch als eine tägliche Kolumne sehen - es ist genauso ein journalistisches Meinungselement, aber eben nach Kriterien der Objektivität, die man bedenken muss.
FM5: Was glaubt ihr, was die Kult-Leser über den Kult denken?
Roman: Das wüssten wir auch gerne. Es ist gerade eine Studie in Auftrag, um herauszufinden, wo die Interessensgebiete der Leser liegen. Wir produzieren ja sehr viel aus dem Bauch heraus. Wenn man das einige Jahre lang macht, kann man teilweise recht gut einschätzen, was die Leute interessieren könnte.
Was sie über den Kult denken? Ich glaube, viele haben eine völlig falsche Vorstellung, wie bei einer Zeitung gearbeitet wird. Auch Promotionleute, also Personen, die aus dem Geschäft kommen, haben völlig wirre Vorstellungen wie so was abläuft. Die Leute überschätzen teilweise unsere Möglichkeiten. Wir kochen auch nur mit Wasser. Wir haben ein Telefon, einen Internet- und einen APA-Anschluss. Du siehst selbst, hier sitzen zwei Leute. Der Kult ist ein winziges Team von 2 bis 3,5 Leuten. Man darf die Ressourcen nicht überschätzen.
FM5: Wie kommt ihr zu euren Themen?
Michael: Wie viele andere Journalisten auch: Indem wir die Augen aufmachen. Sehr oft greifen wir Themen auf und entwickeln sie weiter. Der Input kommt von der täglichen Zeitungslektüre, übers Fortgehen bis zu den ganzen Aussendungen, die uns täglich erreichen. Wir versuchen aber uns die Agenda nicht von den Promotionagenturen aufdrängen zu lassen. Natürlich gibt es öfters Interview-Angebote, die man schwer ausschlagen kann. Flieg' hin und triff „den und den“. Wir versuchen aber so gut es geht uns nicht einspannen zu lassen.
FM5: Ihr mischt ja bei der Musik beispielsweise die „kleinen“ Themen mit den so genannten Mainstreamthemen. Brauchen die „kleinen“ Themen die großen, um überhaupt an die Öffentlichkeit zu gelangen?
Michael: Wir sind natürlich ein Massenblatt und kein Nischenprodukt, das nur auf einer Indie-Schiene dahinfährt. Es ist auch nicht so, dass im so genannten Mainstream nichts Interessantes passiert. Wir versuchen vorbehaltlos heranzugehen. Wenn in der Hitparade aber was auf Platz 1 ist, oder zu einem Konzert 60.000 Menschen zieht, dann ist das ein Thema von Relevanz, denn es mobilisiert und bewegt die Leute. Ich versuche dann für mich schon ein wenig zu ergründen, warum das so ist.
Roman: Schnappi das kleine Krokodil werden wir aber nicht machen!
Michael: Ja, genau. Auf der einen Seite sind wir ein Massenblatt, aber Menschen mit offenen Augen und Geschmack, der schon mitspielen darf. Tendenziell gehen unsere Vorlieben nicht in Richtung Mainstream.
Wir haben am Anfang, als der Kult gestartet ist, nicht genau gewusst, wie wir das unter einen Hut bringen sollen, weil wir im Hinterkopf hatten, dass wir credible und cool sein müssen, was absolute Mainstreamthemen ausschließen würde. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass wir einfach beides nebeneinander machen. Jennifer Lopez neben den Falschen Freunden, warum nicht. Ob wir dadurch cool werden? [denkt nach]
Roman: Das kann man auch gar nicht. Ich komme beispielsweise aus der Metal Szene. Selbst so eine extreme Musikrichtung wie die Metalszene ist derartig aufgesplittet, dass der „True-Metaler“ die Sachen vom „Gothic-Rocker“ oder „Black Metaler“ völlig unterschiedlich beurteilen würde, was „Coolness“ angeht. Auf solche Sachen gehen wir gar nicht mehr ein. Wir sind halt der Kult – und dort ist das eben durchmischt.
FM5: Wenn der Kult unabhängig wäre, also nicht zum Kurier gehören würde, könnte er überleben?
Roman: Ist eine gute Frage. Wir denken jetzt schon so, als ob wir ein eigenes Magazin machen. Die Überlegungen sind teilweise durchaus die gleichen, wie bei einem Magazin, das sich eigenständig verkaufen muss. Aber es wäre unmöglich. Der Kult besteht aus 5 redaktionellen Seiten. In diesem Umfang könnte man ihn gar nicht verkaufen. Da müsste man die Mannschaft und den Umfang ausdehnen.
Michael: Der Kult ist ja ein Satellit des Kuriers. Ganz ohne das Mutterschiff würde es nicht gehen, aber dazu wurde er auch nie entworfen.
FM5: Wie würdet ihr den Kult in drei Sätzen beschreiben – und was ist der größte Vorzug vom Kult?
Roman: Wir grenzen niemanden aus. Wir sind keine Geschmackspolizei im Vergleich zu anderen Medien.
Michael: Wir betreiben aus meiner Sicht schon Journalismus und nicht nur Konsumenteninformation, wenn natürlich sehr viel Konsumenteninformation da ist.
Roman: Ein gewisser Servicecharakter muss natürlich da sein, aber man kann nicht nur Service machen, weil sonst sind wir bei E-Media.
FM5: Wie ist es zum Namen „Kult“ gekommen?
Michael: Das war eigentlich vor unserer Zeit. Es gab verschiedenste Vorschläge. Das Ganze wurde von einem Marktforschungsinstitut abgetestet. Ich persönlich hatte am Anfang Vorbehalte, aber einen besseren Vorschlag konnte ich auch nicht bringen. Mittlerweile stört es mich nicht mehr. Kult ist zu einer gewissen Marke geworden.
Roman: Wir sind mit unserem Image zufrieden. Wie uns die Leser sehen, ist schon alleine deswegen schwierig zu beantworten, weil es durch die breite Leserschaft des Kuriers verschiedene Gruppen gibt, die uns durchaus unterschiedlich beurteilen werden. Gewisse Eltern werden den Kult lesen, um besser verstehen zu können, was ihre Kinder so treiben, und der Maturant wird durch den Kult zum Lesen vom Kurier angeregt, wie alle hoffen.
FM5: Was soll der FM5-Leser über den Kult wissen?
Michael: Er ist toll und muss gelesen werden. Ich würde mir wünschen, dass die Leute relativ vorurteilslos an den Kult herangehen, der durchaus sagt, was er mag und was er nicht mag.
Roman: Jeden Sonntag Zeitung stehlen…
Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...
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