2008-07-14 22:39:27
„Bad Painting good art“ im MUMOK zeigt noch bis zum 12.Oktober eine Facette der modernen Malerei, die mehr hält, als ihr Name verspricht.
Attribute wie gut und schlecht lassen sich leicht finden in der Malerei. Vielleicht ist es gerade dieser Aspekt, der den VertreterInnen des Bad Painting zum Kreieren ihrer Werke verhalf. Denn die Kunst um der Kunst Willen existiert im 20. Jahrhundert nicht mehr.
Bereits 1920 traten mit Francis Picabia und Giorgio de Chricio die ersten Bad Painter aus der linearen Malerei ihrer Zeit aus und rebellierten von Innen heraus. Ihnen schloss sich in späterer Folge sogar René Magritte an. Diese Bad Paintings waren dominiert von Stilmischungen, die sich gegen den herrschenden Fortschrittsglauben der Avantgarde richteten.
Bad Painting
Was in ihrer Zeit Aufsehen erregte, lässt die heutigen Kunstgenießenden eher kalt. Wenn Asger Jorn die Bilder, die er auf dem Flohmarkt erstand, übermalte und sie Modifications nannte, kritisierte er den passiven Kulturkonsum. Heute sehen wir auf Jorns Gemälden bloß hübsche Gestalten, die wie in L’Avantgarde se rend pas mit einem Schnurrbart verschönert wurden.
Georg Baselitz versuchte in den 1960er Jahren mit Mist, Schlamm und dem farblichen Gegensatzpaar Schwarz und Weiß Bilder zu machen, die „mit Aggression und mit heftigem Widerspruch“ dem künstlerischen Schönheitsideal widersprachen.
Die Richtung des Bad Painting ist nicht eindeutig definierbar. Zu viele Künstler aus unterschiedlichen Epochen waren und sind Teil von ihr. Den Höhepunkt stellen die 1980er Jahre mit Werken von Albert Oehlen, Martin Kippenberger und Werner Büttner dar. Die Postmoderne schuf mit ihren dekonstruktiven Ansätzen die richtige Grundlage zur künstlerischen Revolte. Die Maler begannen die gute Malerei zu hinterfragen und wandten sich gleichzeitig von allen Konventionen ab.
Good Art?
Die Ausstellung Bad Painting – good art umfasst Arbeiten von 20 Künstlern. Dem Titel gerecht, wird anschaulich gezeigt, dass mehr hinter einem Bild steckt als die Abschreibung bad oder das lobende good.
Die Kunst existiert nicht nur um ihrer selbst Willen. Dennoch erfährt man relativ wenig über das Bad Painting selbst. Eine Zeittafel erläutert kurz und bündig jedes Jahrzehnt, in dem Bad Painter tätig waren. Den Bildern selbst wird nichts hinzugefügt.
Provokation und Rebellion werden kaum erzeugt. Das erregte Aufsehen – wie es das MUMOK selbst verspricht – findet sich eher in der Punk-Ausstellung eine Halle weiter wieder. Ob Bad Painting gleich good art ist, davon sollte man sich selbst ein Bild machen. Am besten bis zum 12. Oktober 2008 im MUMOK.
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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