2009-06-02 10:16:04
FM5 traf den fabelhaften William Fitzsimmons in München zum Gespräch.
Deine neue Live EP wird im Juni – leider vorerst nur in Amerika – veröffentlicht. Kannst du uns erzählen wie es dazu gekommen ist und was man als Hörer erwarten kann?
Ah, sie ist sehr langweilig (lacht). Nein, nein ich sollte so etwas nicht sagen. Es ist eine Präsentation der Songs wie sie geschrieben worden sind. Primär heißt das ich mit einer Gitarre oder einem Klavier. Im Gegensatz zur Albumproduktion. Hierbei wurden viele verschiedene Instrumente verwendet. Die Songs sind auf der EP sehr simpel. Ich bin stolz auf das Album, aber ich mag auch die Möglichkeit haben die Songs so zu präsentieren, wie sie entstanden sind. Etwas rauer und Akustik.
Wo siehst du die Unterschiede zwischen deinem alten Album Goodnight und dem neuen The Sparrow and the Crow?
Das ist eine gute Frage. Eine Menge vom Inhalt und der Themen sind gleich. Sie basieren beide auf dem Ende von Beziehungen und Scheidung. Ich denke der Sound macht den Unterschied. The Sparrow wurde in einem besseren Studio aufgenommen und klingt aus diesem Grund auch um einiges besser. Ich habe Goodnight zu Hause aufgenommen in einem kleinen Raum mit sehr billigem Equipment. Und ich denke – naja das klingt nun etwas eingebildet – dass ich etwas besser beim Songwriting geworden bin.
Früher habe ich fünf bis sieben minütige Songs geschrieben. Das ist oftmals zu lang. Ich wollte sehen ob ich gleich viel sagen kann mit weniger Worten. Ich weiß nicht wie lang das The Sparrow Album ist, aber es ist auf jeden Fall kürzer. Goodnight war etwa 70 Minuten lang, was meiner Meinung nach einfach zu lang für ein Album ist.
Du hast mit anderen Artists zusammengearbeitet – darunter auch Ingrid Michaelson – wie war die Arbeit mit ihr?
Oh sie ist wundervoll. Wir waren schon Freunde bevor es bei uns mit der Musik losging. Wir fanden uns auf Myspace und sie schrieb mir eine Nachricht. Wir wurden Freunde und sprachen über Musik und darüber zusammen etwas zu machen. Sie kam um mit mir aufzunehmen und sie ist etwas auf der Hälfte vom Goodnight Album zu hören. Wir hatten eine super Zeit und tourten zusammen. Sie ist eine der besten Sängerinnen. Sie kann in fünf Minuten zwei Songs schreiben die brillant sind. Du kannst mir eine Woche Zeit geben und ich wäre mir nicht sicher ob ich eine Idee hätte, die so gut ist. Sie ist wirklich talentiert und es ist super zu sehen, dass sie populärer wird. Ich habe mit mehreren Artists gearbeitet und ich mag besonders die Frauenstimmen. Sie lassen deine Songs um einiges besser klingen.
Zurück zu deinen Anfängen. Wann hast du die Idee gehabt Musiker zu werden?
Das sind wirklich gute Fragen. Musik war immer ein Teil meines Lebens. Meine Eltern waren Musiker. Wir hatten eine Menge Instrumente im Haus. Ich hatte nie daran gedacht, dass ich eines Tages Musiker bin. Ich wusste ich würde immer spielen. Aber ich dachte nie, dass es mein Beruf werden würde. Das war nie die Richtung in die ich gegangen bin. Ich wollte Therapeut werden und mit mental Kranken zusammenarbeiten. Ich weiß nicht ob es einen einschlagenden Moment gab, aber eine Menge Leute fingen an mir auf Myspace zu schreiben und erzählten mir, dass sie die Songs wirklich mochten, sie bedeuteten ihnen etwas und berührten sie.
Hat die Arbeit als Therapeut deine Musik beeinflusst?
Ja, absolut. Ich denke, dass ist der Grund warum ich über die etwas düsteren Themen spreche. Ich saß sehr viel mit Menschen zusammen – so wie hier – und sprach mit ihnen über wirklich schlimme Dinge, die sie durchmachten. Ich sehe die Musik nicht als Unterhaltung sondern ich möchte, dass die Hörer eine Art Schlag fühlen, sie sollen berührt werden. Das ist wie Therapie. Ich sehe mich selbst eher als Therapeut, der Gitarre spielt und nicht als Musiker oder Songwriter. Ich möchte das Ganze nicht wegen dem Geld machen – naja Geld ist nett (lacht), wir brauchen es ja auch um Essen zu kaufen und einen Platz zum schlafen zu haben.
In wieweit hat dein familiärer Hintergrund deine Musik beeinflusst?
Mein ganzes Leben war dominiert von Geräuschen. Meine Eltern waren blind, aus diesem Grund war Musik alles was wir hatten. Wir kommunizierten durch Musik miteinander. Anstelle von einem gemeinsamen Essen im Restaurant blieben wir zu Hause und machten gemeinsam Musik. Naja wir aßen natürlich auch (lacht). Aber es kam immer mehr darauf an Dinge zu hören als sie zu sehen. Das war eine Art Geschenk das sie mir gaben.
Heutzutage kauft niemand mehr CDs, aber es gibt einen sehr schnell wachsenden Musikmarkt im Internet.
Benutzt du ihn und was hältst du davon?
Naja, einige Leute kaufen noch CDs aber es wurde um einiges weniger. Das stimmt. Ich nutze beides. Ich liebe es in kleine Independent Stores zu gehen und mich einfach umzusehen, denn es gibt eine Menge Musik, die ich nicht kenne. Aber ich liebe iTunes auch. Vor allem wenn ich unterwegs bin. Ich denke auch, dass beides noch existieren kann. Ich denke nicht, dass CDs aussterben. Solange Menschen Musik supporten ist es in Ordnung, denn die Künstler werden auf beiden Wegen bezahlt.
Das ist wieder eine sehr gute Frage.
Was sind deine Lieblingskünstler, abgesehen von deinem Idol Nick Drake?
Ich liebe Bon Iver. Er ist der Wahnsinn. Neben ihm sehe ich aus wie ein Idiot. Ich höre auch viel alte Musik. Ich bin mit Folk Musik aufgewachsen, das hat meine Mutter viel gehört. Von Joni Mitchell bis Bob Dylan und James Taylor. Ich höre Elliot Smith, Sufjan Stevens und Iron & Wine – meinen Bartkollegen. Aber ich gehe nicht zu weit von Folk Musik. Ich weiß nicht warum, aber es klingt einfach besser als alles andere für mich.
Welche CDs hörst du zur Zeit am liebsten? Vielleicht das neue Bob Dylan?
Oh ich habe das noch nicht gehört. Ich habe zwar jede Review in den Magazinen gelesen und es klingt als ob es super wäre. Ich höre derzeit The Low Anthem. Eine unglaubliche amerikanische Band. Ich liebe außerdem Live CDs zum Beispiel José Gonzales und Damien Rice. Ich mag die Live CDs weil sie ehrlich sind. Du hörst keine Tricks aus dem Studio.
Kennst du deutsche oder österreichische Künstler?
Kraftwerk. Ich höre ein bisschen Peter Fox. Es ist sehr poppig aber ich mag es. Ich habe aber noch nicht viel Musik von hier gehört. Das ist sehr komisch, denn die Leute hier sind sehr freundlich gegenüber amerikanischer Musik. Aber in Amerika hört man sehr wenig von den Musikern aus Deutschland oder Österreich.
Wie lange siehst du dich noch in der Position des Musikers?
Ich liebe es Musik zu machen aber manchmal vermisse ich die Therapie. Es war mein Traum Therapeut zu sein. Aber wie Chris Martin sagte: „Ich habe den besten Job der Welt“. Ich liebe es zu reisen. Vielleicht gehe ich irgendwann zurück zur Therapie. Mal sehen.
Letzte Frage: Du bist berühmt für deinen Bart! Hast du Bartwuchstipps?
Das Beste ist: Rasier dich nicht! (lacht). Das ist alles. Naja der Fehler den viele Männer machen, und es ist sehr lächerlich dass ich darüber nachdenke, ist, dass sich zu früh zu rasieren. Sie geben dem Bart etwa eine Woche oder zwei. Du musst es einfach gehen lassen - für Monate. Und du musst ihn waschen! Sonst stinkt er wie Scheisse. (lacht)
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