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Wien - Brno - Wien

2007-11-11 18:53:00

  • collage brno
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Manchmal ist es einfach gut, mal rauszukommen. Raus aus der Wohnung, raus aus der Uni, raus aus der Stadt. Ein Unterfangen, welches angesichts einer sich rasend fortentwickelnden Herbst/Winter-Depression eine ungeahnte Überwindung kosten kann.

Aber! Das nicht rausgehen, ich würde es immer bereuen. Natürlich, so ist es mir von vornherein bewusst, würde ich auch den zweitägigen Ausflug nach Brno bereuen, man denke daran, was ich in der Zeit zu Hause sitzend nicht alles nicht für die Uni getan hätte.

Aber Stress beiseite: Ein Ausflug nach Brno schaut ungefähr so aus.

Der Wecker geht um 8:00 Uhr. Zwischen 8:00 und 9:00 Uhr gewinnt jedoch nochmals der Schlaf das endlose Duell gegen das Aufstehen. 9:00: Scheiße, aufstehen, packen. Wir haben es geschafft, kein Frühstück, kein Kaffee, dafür sind wir schon grantig. Dann schnell raus aus der Wohnung, wir wollen um 10:08 am Bahnsteig sein, Südbahnhof. Auf dem Weg zur Straßenbahn fällt es mir ein, der Pass. Nochmals zurück, Pass holen und rein in die Straßenbahn. Die Zwischenstation Schottentor besagt 9:45, mit der D schaffen wir das nie mehr!


Das Reisegepäck...

Auf dem Weg zum Taxi stolpern wir am Ring über ein süßes kleines Kätzchen. Oder aber eine dieser geistig kastrierten Hauskatzen, die einmal ausbüchsen um erstmals eine Amsel zu sehen und dann Angst vor ihr haben. Arme Viecher. Nachdem wir dieses Geschöpf in Richtung eines Hinterhofes gescheucht hatten und im Glauben, dass wir sozusagen dessen Retter sind, schnappen wir uns ein Taxi.

8,50 Euro für das Taxi zahlend erreichen wir den Südbahnhof um 10:06.

Vor dem Ticketschalter hat sich eine lange Schlange gebildet, unser Zug nach Brno ist in weite Ferne gerückt. Vielleicht schaffen wir es  im Zug zu lösen, denken wir und lassen uns vom Bankomaten noch ein paar Euro ausspucken. Zu welchem Bahnsteig müssen wir??? (Währenddessen am Bahnsteig 4: Der Zugschaffner vergewissert sich, dass alle Personen eingestiegen sind, er gibt dem Lokführer das Signal für die Weiterfahrt)

Dann gleichzeitig: eine sprintende gehetzte Person (Ich) erreicht Bahnsteig 4, der Pfeifton des Zugschaffners ertönt, wir sehen uns, mit einem Grinsen: „Das ist aber lieb, das sie extra auf uns gewartet haben!“ Juhu. Wir sitzen im Zug EC 172 Vindobona von Wien Südbahnhof nach Hamburg Altona. Die Türe geht zu. Im Speisewagen bestellen wir uns als erstes ein Frühstück (ein großes Bier gäbe es um 3,20 Euro) und denken darüber nach, ob wir nicht weiterfahren wollen. Nach Prag vielleicht, oder Berlin? Am liebsten würde ich gerne mal Hamburg sehen.


Frühstück im Zug

Der Zugschaffner löst uns das Ticket bis zur tschechischen Grenze: 11 Euro pro Person. Dazu eine österreichische und eine tschechische Passkontrolle (und ich hatte mir noch überlegt, ob man überhaupt einen Pass nach Tschechien braucht). Von Břeclav, der tschechischen Grenze, nach Brno zahlen wir nochmals 5,50 Euro pro Person.

Von nun an verspüren wir Ruhe und Genuss:

In Brno angekommen starten wir gleich in die Altstadt und machen ein bisschen Sightseeing.


Die City von Brno


Das Schloss


Die Kathedrale

Dann bewegen wir uns in Richtung Hotel. Eine Jugendherberge gibt es in Brno nur im Sommer. Das schöne Doppelzimmer im Hotel Austerlitz (an der Rezeption kann man Napoleon-Action-Figuren um 20 Euro kaufen!) der Kette Best Western (die ich nach Möglichkeit vermeiden würde, einfach weil ich Buchhandlungs-, Einkaufs-, FastFoord- etc. Ketten vermeide) kostet recht freundliche 38 Euro, das sind 19 Euro pro Nase und daher ein ganz akzeptabler Preis, ein Frühstücksbüffet ist inkludiert.

Davor „schmeißen“ wir uns allerdings noch in das Nachtleben von Brno: Auf der Suche nach einem Abendessen stellen wir schnell fest, dass der durchschnittliche Mensch aus Brno entweder McDonalds oder eine Pizzeria besucht. Daher verlegen wir unseren Plan von böhmischer Küche auf einen Caesars Salad und eine Pizza Romana. Der anschließende Besuch zweier kleiner Clubs (der eine heißt Perpetuum, den anderen gleich daneben habe ich vergessen)  beschert uns günstiges Bier (ca. 1 Euro) und eine intime weil alleinige kurze Tanzsession. Dann siegt die Müdigkeit.

Am nächsten Tag besuchen wir die Villa Tugendhat.

Diese wurde in den Jahren 1929-30 erbaut, was ziemlich wichtig ist, ansonsten würde man nicht verstehen können, warum dieses x-beliebige moderne Haus zum UNESCO Weltkulturerbe gehören würde. Der seiner Zeit weit vorauseilende Architekt Ludwig Mies van der Rohe hat für die Familie Tugendhat ein sehr elegantes, funktionales und technisches Juwel geschaffen, welches von Fritz und Grete Tugendhat jedoch nur wenige Jahre bewohnt wurde.


Die Villa!

1937 mussten die Tugendhats vor den Nazis flüchten, anschließend wurde das Haus von Willy Messerschmitt, bekannt durch die gleichnamigen von den Nazis eingesetzen Flugzeuge, bewohnt. Das Haus erlebte in kurzer Zeit eine geballte Ladung an Geschichte: Die tschechischen Behörden verwandelten die Villa nach dem zweiten Weltkrieg in eine Krankenhausabteilung und richteten darüber hinaus ein Turnhalle ein.

Heute befindet sich das Haus im Besitz der Stadt Brno. Aufgrund des schlechten Zustands wird es im Jahr 2008 saniert.

Wir sanierten unsere müden Körper mit einem Mittagessen,...

...einem Nachmittagsspaziergang und einer Weinverkostung und brachen in aller Ruhe zum Bahnhof Brno auf.


Treiben am Bahnhof Brno

Abfahrt 16:17 Uhr, regulärer Preis für die Fahrt Brno – Wien 11 Euro. Zusätzliches Gepäck: ein Karton Staropramen. Der Zug kam aus Hamburg und dürfte derselbe gewesen sein. Dazwischen lagen viele angenehme Stunden und die Gewissheit, dass man zu einer kleinen Reise nie nein sagen sollte.

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