2007-04-05 19:57:27
Die Popindustrie schafft ihre eignen Imagebilder, um ihre Produkte besser zu verkaufen. Inwieweit dies unsere Gesellschaft beeinflusst, damit setzt sich das Buch 'Image und Popkultur' auseinander.
Inwiefern Popkultur und insbesondere ihr Produkt Musik unsere Gesellschaft beeinflusst, damit hat sich Dr. Christian Sebastian Moser in seiner Dissertation Image und Popkultur auseinandergesetzt, die nun im Münchner Verlag Fatal erschienen ist. Wer nun eine trockene theoretisch-wissenschaftliche Aufarbeitung des Phänomens ‚Pop’ erwartet, der irrt. Image und Popkultur ist ein interessanter Streifzug durch die Popgeschichte, wenngleich man sich nicht an Kleinigkeiten stoßen darf.
Die Frage nach einer Definition von Populärkultur, ihrem Wesen und Inhalt bildet den Ausgangspunkt von Image und Popkultur. Ausgehend von Theodor W. Adornos Theorie der Kulturindustrie, derzufolge Kultur zur Ausverkaufsware verkommen ist, werden verschiedene, durchaus interessante britische Theoretiker vorgestellt. Anschließend geht es um das eigentliche Thema: Die Images, die von der Musikindustrie geschaffen werden, prägten und prägen ganze Generationen. Mainstream verliert bei Mosers Ausführungen seinen negativen Beigeschmack. ‚Alternative’ und ‚Independent’ sind keine Gegenströmungen mehr, sondern längst Teil der Populärkultur. Grund für die Allgegenwärtigkeit von Pop sind für Moser die neuen digitalen Produktions- und Rezeptionsmöglichkeiten von Musik, die den nur Wenigen zugänglichen ‚Underground’ rasant verschwinden lässt.
Von Politisierung und Kommerzialisierung
Wie sich die Digitalisierung und Kommerzialisierung der einzelnen Musikgenres vollzogen hat und welchen gesellschaftspolitischen Einfluss die einzelnen Genres besitzen, bildet das Herzstück von Image und Popkultur. Neben Rock, Hip Hop und Tanzmusik werden die Genres Girls- & Boygroups, Schlager und R&B dargestellt, wenngleich die Ausführungen hier etwas mager ausfallen. Moser bietet zwar einen außerordentlich guten Überblick über die theoretische Musikgeschichte der letzten Generationen, versteift sich aber immer wieder auf einige wenige Klassiker der Musikgeschichte. Dadurch werden vor allem politische Crossoverbands der 1990er Jahre wie Rage Against The Machine, welche die politische Funktion von Musik in ihren Grundzügen mitgeprägt haben, stark vernachlässigt.
Neuer Beitrag zur Pop-Diskussion
Leider ebenfalls spärlich fällt Mosers eigene wissenschaftliche Datenerhebung aus. Nach der Analyse mehrer eigens ausgewählte Musikklassiker und unzähligen Interviews kann der Leser leider keinerlei neuen Schlussfolgerungen erwarten. Lediglich eine Beschreibung bildet das Ende von Mosers Image und Popkultur, ohne einen Aufschluss des tatsächlichen gesellschaftlichen Einfluss der behandelten Populärmusiker darzulegen.
Lässt man die Tatsache außer Acht, das Grunge wieder einmal als ernstzunehmende musikalische Klassifizierungsmodell dargestellt wird, ist Image und Popkultur eine spannende und aufschlussreiche Lektüre über das Phänomen Pop. Moser liefert einerseits neue Inputs für Pop-Kenner und andererseits eine fundierte Basis für Pop-Einsteiger.
Image und Popkultur
von Christian Sebastian Moser
Verlag: edition fatal, Reihe: Kultur-Kritik
260 Seiten, Preis: € 21,-
ISBN: 978-3-935147-16-3