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Whiteout

2008-02-14 16:23:01

  • Whiteout Comics Oni Greg Rucka
  • Cross Comics Cult
  • Whiteout Comics Oni Greg Rucka
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  • Whiteout Comics Oni Kate Beckinsale
  • Whiteout Comics Greg Rucka

Carrie Stretko darf einen Mordfall aufklären. Schön und gut, würde ihr nicht die tückische Umgebung der Antarktis einen kalten Strich durch die Rechnung machen.

Comics sind für Kinder und Jugendliche, nichts für Erwachsene.
Seit einiger Zeit steht dieser Satz im Raum.
Die meist bunt aussehenden Bilder genießen keinen besonders guten Ruf, vor allem in deutschsprachigen Ländern.
In Ländern wie z.B. Belgien werden Comics hingegen als Kunstform angesehen und besitzen einen ganz anderen Stellenwert, und auch in Amerika gehören sie längst zur Popkultur und bringen inzwischen auch die Kinokassen zum florieren, denn immer mehr Filme basieren darauf.

Die Kreativ-Abteilung von FM5 wird sich ab jetzt verstärkt dieser Art der Unterhaltung widmen.
Begonnen wird mit dem Programm des deutschen Verlags Cross Cult, der sich Stoffen annimmt, die nicht unbedingt etwas mit den üblich glorreichen Helden in Strumpfhosen zu tun haben.
Eher unter dem Mainstream-Navigator gibt es inzwischen einiges im breit gefächerten Sortiment des Verlags zu begutachten, und besonders die hochwertige Optik und die erlesene Haptik der dicken, etwas kleineren Bände (A5 Format statt dem üblichen Heftformat) müssen an dieser Stelle hervorgehoben werden.

Ins kalte Herz der Finsternis


Den Anfang mach der arktische Thriller Whiteout von Autor Greg Rucka und Zeichner Steve Lieber.
Benannt nach einem Phänomen aus der Polar-Fachsprache, wenn Boden, Schnee und Umgebung zu einer unüberschaubar undurchsichtigen Melange miteinander verschmelzen, hat dieser Comic mehr Suspensepotenzial zu bieten als so manche Folge von CSI und den vielen, langweiligen Imitationen, die im Fernsehen zu sehen sind.
Wer von uns kann schon behaupten diesen Rahmenbedingungen jemals ausgesetzt gewesen zu sein, die Kälte am Nordpol gespürt zu haben, den eiskalten Wind, die Einsamkeit, die langen Nächte, die Angst?
Ermittlerin Carrie Stretko hat es sich nicht unbedingt aussuchen dürfen. Wegen eines Zwischenfalls darf sie als einziger Marshall in der kältesten Region der Welt für Recht und Ordnung sorgen.

Gemeinsam einsam


Nachdem eine Leiche mitten im Schnee vor einer Forschungsstation gefunden wurde, deren Gesicht wüst zertrümmert ist und nebenbei noch mysteriöse Eingrabungslöcher neben dem Tatort zu finden sind, nimmt sie die Ermittlungen auf.
Ein Fall inmitten einer Umgebung, die einen nur deprimieren kann. Die Sonne wird bald für einige Monate vom Horizont verschwinden und die Eislandschaft in tiefe Nacht tauchen, was die Situation nicht gerade erleichtert. Selbst die Uhr tickt unausweichlich im Nacken.
Spuren gibt es indes wenige. Wer könnte es gewesen sein? Einer der Mitarbeiter der Station? Angestellte, Piloten? Was ist das Motiv, und wer ist überhaupt der Tote, dessen Antlitz nicht mehr zu erkennen ist?

Anfangs weiß der Leser genau so viel bzw. wenig wie Carrie Stretko. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr erfahren wir die wahren Hintergründe für den brutalen Mord.
Ein spannungsgeladenes Szenario, dass an viele Thriller-Filme erinnert, wo der Zuschauer ebenfalls mehr weiß als die sich in Gefahr befindenden Charaktere.
Auch in Whiteout ahnt der Leser Dinge, bekommt mit, wie Beweise vertuscht werden, sieht unbekannte Personen spionieren oder an Fenstern lauschen, ohne das Stretko davon eine Ahnung hat.
So gerne man auch eingreifen würde, es ist unmöglich.

Greg Rucka bleibt bei seiner Erzählung spartanisch, versucht erst gar nicht den Figuren viele Wörter in den Mund zu legen, sondern konzentriert sich auf das Voranschreiten der Handlung. Steve Lieber bietet mit seinen texturreichen, flächenartigen Zeichnungen in s/w eine gekonnte Untermalung dafür.

Eierstöcke aus Stahl

Für Gefühle und Emotionen bleibt wenig Platz, denn so weit das Eis das Territorium umgibt, wie das Auge sehen kann, so sehr sind auch die Mitarbeiter der Station in sich gekehrt. Nur Sarkasmus und trockener Humor, aber auch homoerotisches Knistern zwischen Carrie und der britischen Agentin Lily Sharpe, die ihr hilfreich zur Seite steht, sorgen für etwas Feuer und Leidenschaft auf Sparflamme.
Des Weiteren stellt man sich die Frage inwieweit das Individuum in solch einem Gebiet überleben kann, ohne körperlich und vor allem seelisch zu erkranken.
Whiteout bietet ausbalancierte, abgeklärt temperierte Spannung mit sich natürlich verhaltenden Charakteren, die man sofort ins Herz schließt, weil sie eben so unangepasst sind.

Bleibt zu hoffen, dass Regisseur Dominic Sena und Hauptdarstellerin Kate Beckinsale diese lakonisch und schnörkellos aufbereitete Geschichte zufriedenstellend auf die große Leinwand projizieren können.

Eine Comic-Fortsetzung, Whiteout: Melt, wartet bereits in den Startlöchern.

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AutorInnen

Daniel Gilic

Daniel Gilic

"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)

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