2007-04-02 00:10:51
Die deutsche Band Schrottgrenze wühlt auf ihrem neuen Album heftig in der Gefühlskiste. Schließlich naht der Frühling und der weckt bekanntlich gewisse Gefühle, denen auf „Château Schrottgrenze“ gefrönt wird.
Jahreszeiten werden oft als Metaphern für bestimmte Gefühle verwendet. Meistens von Musikjournalisten, die immer wieder bei Festivalberichten die Wetterlage gefinkelt in ihre Artikel einbauen. So gilt der Winter als depressive, schwere, aber auch subtil-romantische Zeit. Der Sommer lädt dazu ein, ihn als „Blütezeit des Lebens“ zu bezeichnen, den man dazu nutzt, sich in die Wiese zu legen und der besten Freundin Blumen schenkt. Im Herbst kommt man nicht herum, eher auf die ruhigeren Aspekte des Lebens zu achten. War da noch was?
Aufkeimende Frühlingsgefühle
Natürlich ist es unfair, ein Album einer bestimmten Jahreszeit zuzuordnen (Stichwort: Musiksaisonale Vereinnahmung). Denn erstens empfindet es jeder für sich selbst und zweitens kann man Alben – zumindest teilweise – zu jeder Jahreszeit hören und sich an den wohltuenden Klängen erfreuen. Jedoch erscheint es gerade bei dem neuen, fünften Album der deutschen ehemaligen Punk-Band, jetzt aber in sanfteren Gefilden wandernde Band Schrotgrenze als offensichtlich, den Klängen im zurzeit aufbrechenden Frühling zu lauschen. Man bedenke: Es ist doch die erste Jahreszeit nach dem Winter, jener tristen, ja depressiven Zeit, in der sich nichts nach vorne bewegt. Die Tage werden länger, die Röcke kürzer, kurzum: Alles wird besser!

Der Einblick in so manche Studenten-WG... Foto: www.monkeymusic.at
Emotionen weckendes Album
Schrottgrenze setzen sich im zwölften Jahr ihrer Existenz – nach eher banalen Alben – mit ihrem neuen Album „Château Schrottgrenze“ selbst die Krone auf. Mit einem nicht gerade unbekannten Produzenten namens Tobias Levin, der schon Meisterwerke von ebenfalls renommierten Bands wie Tocotronic, Kante und Surrogat unterstützte, und einem Mixer Michael Ilbert brachte die Band rund um den vormals Schlagzeug, jetzt Gitarre spielenden Sänger Alex Tsitsigias, Timo Sauer (Gitarre), Herr Pohn (Bass) und Caddy (Schlagzeug) ein total romantisches, alle Eisschollen (Achtung: „Alaska“) des tristen Winters aufbrechendes Album zustande. Zum Beispiel das Eröfnungslied „Nichts ist einsamer als das“: „Keine Fahnen winken dich nachhaus`, wie du es dir gewünscht hast, niemand sagt das Bedeutentes, alles singen, dass du Angst hast, vor dem was du sagst, vor dem was du willst, vor dem was du sein musst, vor dem was du willst, kein Trauma, kein Applaus, kein Rausch für dich, laminiert, dein Make-Up ist zerronnen und verschmiert…“. Der Refrain wird von einer so zarten, wunderschönen Stimme getragen, dass man – auch angesichts der wärmer werdenden Wetterlage – wie Schokolade schmelzt. Aber auch in anderen Songs wird dem Erwachen der Gefühle und Hormone gefrönt wie nur was: Abgesehen von der ganzen CD sind die Lied „Am gleichen Meer“, „Fotolabor“ und „Alaska“ hervorzuheben. Doch wie gesagt: Das komplette Album ist ein opulentes geworden. Ein Grund dafür könnte die Erklärung Tsitsigias sein: „Im Prinzip ist "Château Schrottgrenze" unsere Version eines Self-Titled-Albums. Die Platte beinhaltet selbstredend Einsichten in unser derzeitiges emotionales Innenleben („Mann am Punkt“, „Seit ich alles von Dir weiß“, „Schrottgrenze“), als auch erstmals um das Vortasten in surreale und traumhafte Settings („Fotolabor“, „Eine Stadt aus Klebstoff“’, „Wie ein Geist, bloß immer da“). Auf vorangegangenen Alben haben wir uns sehr intensiv an rein autobiographischen Umständen und vor allem an unseren eigenen Ängsten abgearbeitet. Meine Recherchen für die neu-en Texte bestanden hingegen vielmehr daraus, gerade die Bereiche und Positionen zu erkunden, die uns vormals entweder irrelevant erschienen oder gar ver borgen bzw. "ungeheuer" waren.“ Positiv muss hier auffallen, dass es einer Band manchmal nicht schadet, wenn sie sich musikalisch und/oder textlich ändert. Auch wenn der Schnee noch in Reichweite ist, sollte klar sein: Lasst den Gefühlen freien Lauf! , denn: Der Frühling kommt bestimmt!
Das neue Album „Château Schrottgrenze“ ist am 31. März bei Motor Music erschienen und wird beim österreichischen Vertrieb Monkey erhältlich sein.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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