2007-12-02 16:56:12
Die „stillste Zeit“ des Jahres ist da. Wenn sich die zivilisierte Menschheit darauf einstellt, kann nichts Gutes dabei herauskommen.
Oh Gott, es musste ja kommen: Vorweihnachtszeit. Wie heimlich legt sich eine Decke über die Menschheit und regt zu kollektiver Ruhe an. Für nihilistisch-hedonistisch gesinnte Geister kann die „stillste Jahreszeit“, diese Zeit der Verdammnis, nur eines bedeuten: Befindlichkeitsterror! Rund um den tristen Umstand, dass der Dezember jener Monat ist, in dem nicht einmal ansatzweise so etwas wie ein (produktives) Bewegungsmoment erkennbar ist, wird der Mensch hier auch noch mit banalen Floskeln eingebettet.
Und obwohl der 24. Dezember himself der schönste Tag im Leben eines juvenilen Taugenichts ist – wann sonst bekommt man Geld, ohne etwas dafür leisten zu müssen? –, sind die Tage davor der reinste Horror.
Gewiss, sich über Weihnachten oder die damit verbundenen Riten zu ärgern, ist mindestens genauso lächerlich wie es ungefragt gutzuheißen. Dennoch oder also kann ich an dieser Stelle einen Blutrausch riskieren: Dieses ach so pathetische Verhalten, notorisches Keksebacken, sich über alles liebende Familien und deren Adventkranzsitzungsandacht vier Mal im Advent, vor dem „Heiligen Fest“ – da würgt es mich.
Wunderliche Zeit
Noch einmal, in aller Deutlichkeit: Ich liebe den Heiligen Abend mit all seinen Köstlichkeiten namens Fisch, Geschenke und heiteres Stimmungsbild; Zuwider ist mir nur die Zeit vor diesem „Fest aller Feste“ (und die nachweihnachtlichen Feiertage ebenfalls). Ich bin nämlich ein Mensch, der Plattitüden per se nicht ausstehen kann, außerdem hasse ich diese feuchtfröhliche Allerleistimmung, gar nicht zu sprechen von Sätzen wie: „Heute ist Adventsonntag, da dürfen wir uns nicht streiten.“
Auch ein Aspekt, der sehr verwundert: Frau und Herr Österreicher stört die „Veramerikanisierung“ der heimischen Weihnachtszeit, also das Ersetzen des Christkindes durch den Weihnachtsmann zum Beispiel. Nun gut, aber was halten wir da in den Händen? Ein Cola etwa…? Es kann also nicht alles so schlecht sein, was von „drüben“ kommt.
Zeit für Gefühle
Und drei Mal, meine sehr verehrten Leser und Leserinnen, dürfen Sie raten, warum ausgerechnet in dieser hehrsten aller hehren Zeiten das Spendentelefon genauso glüht wie der Wein am Stand um die Ecke. Vielleicht ist aber gerade dieser Effekt der „Nächstenliebe“ der positivste in dieser gefühlsreichen Zeit.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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