2007-04-02 00:10:40
Green Day beschlossen mit einer spektakulären Show das viertätige Schlamm- und Gatschfestival Nova Rock.
My Generation
Green Day haben ja einen Status erlangt, den nicht viele Bands haben: Sie sind Stars mehrerer Generationen. Nachdem meine Generation (Baujahr 1983, schon einige Rostschäden) bereits seinerzeit in der Hauptschule das populäre Album "Dookie" (1994) gehört hat, sind Green Day 2004 mit "American Idiot" auf den Wellen des Antiamerikanismus noch einmal groß rausgekommen (sie haben zwischenzeitlich weiterhin Musik gemacht und einige Alben veröffentlicht, jedoch ohne diese große mediale Aufmerksamkeit und diesem kommerziellen Erfolg). So kommt es, dass heute Vierzehnjährige glauben, die Punker seien Newcomer, und übersehen das durch die Kleidung eines Berufsjugendlichen kaschierte Alter Billie Joe Armstrongs von 33 Jahren.
Nichts außer Windräder
Nun sollten Green Day dieses Jahr auf das Nova Rock kommen, und da beschloss ich, dass ich mir das doch mal gern anschauen würde, obwohl Punk ja nicht unbedingt so das Meine ist. Teils aus nostalgischen Gründen, teils aber auch deshalb, weil ich einige Stücke von Green Day wirklich recht gut finde, beschloss ich also die Reise nach Nickelsdorf anzutreten. Eins muss ich sagen: So viel Nichts auf einem Haufen (außer unzähligen Windrädern) wie in diesem Teil der pannonischen Tiefebene hab ich selten gesehen. Keine Berge (nicht mal Hügel), fast keine Häuser und Straßen, und irgendwo neben einer Autobahn und einer Starkstromleitung steht mitten in der Pampa eine Bühne. Und davor ein Gatschfeld. Jedenfalls am ersten Tag, bis die Veranstalter sämtliches Stroh von den Bauern der Umgebung gekauft und damit den Boden ausgelegt haben, um dem Zuschauerraum den Flair eines Stalls zu geben (FM5 berichtete).
"Fuck George W. Bush!!!"
Am letzten Abend also, als das Festivalgelände bereits einer Müllhalde ähnelte, strömten die, die bis jetzt durchgehalten haben, zum letzten Gericht, Green Day. Diese zogen eine extrem professionelle, leider etwas peinliche Show ab: Pyroeffekte auf der Bühne wie sonst nur bei Metallica oder Rammstein, der Gitarrist und der Bassist wild von der einen zur anderen Seite der Bühne springend. Das Publikum hat der Chefbengel Billie Joe Armstrong mit regelmäßig eingeworfen "(Hello) Aaauuuuuustria!!!"- und "Fuck George W. Bush"-Gegröhle bald für sich gewonnen. Ein waghalsiges Experiment ist geglückt, als drei Fans auf die Bühne geholt und sie an Schlagzeug gesetzt bzw. ihnen die Gitarren umgehängt werden: Nachdem alle drei laut eigenen Angaben mindestens 4 Jahre Spielpraxis auf ihrem jeweiligen Instrument haben, spielten diese drei wie die Jungfrau zum Kinde gekommenen Musiker solide ein klassisches Drei-Akkorde-Punk-Schema in Endlosschleife und machten Green Day für kurze Zeit arbeitslos. Experiment geglückt, drei Jünger haben ihren Kindern einmal eine "unglaubliche" Geschichte zu erzählen.
Robbie Williams des Punk
Fast kein Hit wurde ausgelassen, auch ältere Nummern wurden gespielt (wie "Basket Case" und "She" von Dookie), und so konnten mitsamt den aktuellen Hymnen "American Idiot" und "Boulevard Of Broken Dreams" sämtliche Wünsche der Klientel zufrieden gestellt werden, was die Stimmung zum Überkochen brachte. Jeder Schritt auf der Bühne, jeder Song schien geplant, und so entstand leider nicht der Eindruck einer "punkigen" oder rotzigen Performance, Billie Joe wirkte fast schon ein bisschen wie ein Entertainer à la Robbie Williams. War nicht ein Grundgedanke der Punkbewegung "Professionalität ist was für Arschlöcher"?
Leider war es auch nicht erlaubt, Fotos vom Auftritt von Green Day zu machen. Deshalb gibt es hier auf dieser Seite andere Bilder vom letzten Tag.
Fotos: Rene Huemer
Ich würde nie einem Verein beitreten, der mich als Mitglied akzeptieren würde.
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