2010-08-19 20:02:22
Kann Göteborgs Innenstadt drei Bühnen im Park Slottsskogen, neun randvolle Clubs in der Nacht und 25.000 Besucher für drei Tage Musikfestival überleben? Und vor allem: Sind alle Schwedinnen wirklich so hübsch?
They're all so beautiful!
Way Out West. Vom Neusiedlersee aus gesehen eigentlich im hohen Norden, gingen uns beim Besuch eines der schönsten Musikfestivals Europas rund um die Sternschnuppennächte im August mehrere Lichter auf. Die meisten davon waren blond. Besser gesagt durchgezählte fünfzig Prozent der Menschen im Göteborger Stadtpark Slottsskogen (auf Deutsch: „Burggarten“). Und dabei war neben dem Way Out West gleich noch ein zweites Festival im Gange: Das städtische Straßenfest Kulturkalaset. Göteborg glich daher für die drei Festivaltage einer einzigen Sommerparty. Und ja: Der Wettergott meinte es – abgesehen von einem Regenschauer am Donnerstagabend – auch gut.
Boots, muddy boots?
Weshalb fährt man nach Schweden auf ein Musikfestival, wenn doch zuhause auch so viel abgeht? Das Way Out West ist vielmehr Bildungsurlaub. Erkundungsurlaub für die Augen und Ohren.
Den Sehnerven schmeichelte nicht nur die biologisch schon ansprechende Erscheinung der Schwedinnen und Schweden, sondern vor allem das erfrischende Styling derselben. Europas Hippster Central! Schnauzbärte, Hüte und große Brillen, Fake-Tattoos, New Wave Haarschnitte und Gummistiefeln mit Schnürsenkeln. In der Bilderstrecke WayOutCrowd haben wir versucht, ein paar Eindrücke für euch festzuhalten.
Das schöne daran, ist das schöne darin
Durch die geniale Lage von Way Out West im Stadtpark Slottsskogen, waren weder Campingkocher, noch beschissene Zelte oder Dixi Klos ein Thema. Schattenplätze unter den Bäumen, Ententeiche und schöne Sanitäranlagen hingegen schon. Slottsskogen ist mit 137 Hektar groß genug, um ein Vielfaches des Festivalpublikums zu fassen, und so gab es kaum Dränglereien am Gelände. Ganz im Gegensatz glich das Areal einem einzigen großen Sommernachtstraum: Viele kleine Chill-Out Areas unter den Bäumen oder diverse Zeltdiscos brachten noch zusätzlich kleinere Acts, wie den blinden Sänger Citizen K, auf die Bühnen. Und einige von Firmen gesponserte Lounges warteten auf mit Kanelbullar, Kaffee, DJs und Perlenarmbändern zum Selberfädeln – und das ohne einen dabei mit Werbung weg zu ballern.
So zog Way Out West neben den herkömmlichen betrunkenen Gatschhüpfern vor allem viele Göteborger an, die einfach ein außergewöhnliches Wochenende bei guter Musik verleben wollten. Sogar Celebrities, wie der True Blood Star Alexander Skarsgård oder die Schauspielerinnen Kate Bosworth und Kirsten Dunst wurden im VIP-Bereich gesichtet.
Bitte kommen Sie nüchtern
Da in Schweden der Kauf von Alkohol erst ab dem 18. Lebensjahr erlaubt ist, wurden Alkohol und Zigaretten nur in abgezäunten „Biergärten“ angeboten. Die Preise wurden dabei mit fünf Euro im Gelände und drei Euro in der Stadt für ein großes Bier den Gerüchten über das hohe schwedische Alkoholpreisniveau nicht gerecht. Angeblich hatten allerdings Jugendliche 2004 die Sache wohl anders gesehen und die alkoholhaltige Flüssigseife in den Toiletten mit RedBull gemischt und getrunken. Doch das ist eine andere Geschichte...
The Northern Stars
Neben schwedischen Bands wie Lykke Li, Shout Out Louds und Jens Lekman hatten sich viele internationale Größen zum Stelldichein gefunden: M.I.A., The XX, The National, LCD Sound System, Chemical Brothers, Jonsi, Mumford & sons, Wu-Tang Clan, Broken Bells um nur einige zu nennen.
Unser persönliches Highlight war allerdings am Samstagabend der Ricky Martin Schwedens: Håkan Hellström. Vor dessen Bühne hatten sich etwa achtzig Prozent der Festivalbesucher eingefunden und so manch blondes Gift wurde in Håkans Tracht – einem Matrosenanzug –gesichtet, ganz abgesehen von zahlreichen „Håkan forever“-Fake Tattoos. Wir haben leider seine schwedischen Texte nicht verstanden, nehmen aber an, dass sie schier unglaublich genial sind, da seine musikalische Darbietung uns leider gar nicht überzeugen konnte.
Eine Besonderheit des Way Out West war, dass im Satellitenprinzip in neun Clubs der Stadt ab Mitternacht noch DJ's und kleinere Bands spielten, unter anderem jj, Caribou, Junip, The Low Anthem, tUnE-yards, Slow Club, Sleigh Bells oder Laura Marling. Das Pendeln zwischen den Konzerten in der Nacht stellte sich allerdings als schwierig heraus. Bei 25.000 täglichen Gästen wunderte es uns nicht, dass sämtliche Kapazitäten der Clubs gesprengt wurden und man Warteschlangen beim Einlass in Kauf nehmen musste.
Hejhejhej: Takk!
Wir nehmen an, der schöne Slottsskogen ist mittlerweile von den zahlreichen hübschen blonden Helferinnen wieder sauber aufgeräumt worden. Die Wildsvin-Dönerbude und der Fake-Tatoo Stand haben sicher auch guten Umsatz gemacht. Und wir sind schwer beeindruckt mit wenigen übrigen Schwedischen Kronen wieder way out south geflogen.
friendly founder. oö>wien>dublin>wien ... so far.
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