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Was tun wenn's brennt?

2009-10-28 02:15:29

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Hinterherkrähen wird ihm niemand. Johannes Hahn verlässt sein Wissenschaftsministerium gen Brüssel und lässt "brennende" Universitäten zurück. Zeit für einen bilanzierenden Kommentar.

Wir schreiben den 27. Oktober 2009. Ein wichtiger Tag in der Geschichte Österreichs. Nur drei Tage nachdem 300 Soldaten auf dem Wiener Heldenplatz einen Weltrekord im Mambotanzen aufgestellt haben (Frauen waren übrigens auch zugegen), nominiert die Regierung um SPÖ Kanzler Werner Faymann und ÖVP Vizekanzler Josef Pröll den bisherigen Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) zum EU-Kommissar, einem der wichtigsten Posten auf EU-Ebene. Dass dieser Nominierung ein kabarettistisches Tauziehen um die Kandidatenkür vorausgegangen ist, soll hier nicht weiter ausgeführt werden; entscheidend ist eher die Tatsache, dass sich am Ende eine halbgare Kompromisslösung durchgesetzt hat, die wohl keinen anderen Namen als Verlegenheit trägt.

Fahrerflucht nach Europa

Verlegenheit ist aber nicht Johannes Hahns Sache . Mit voller Kraft steuert er nach Europa und lässt den Scherbenhaufen in seinem Wissenschaftsministerium sicher gerne zurück. Dass der Kapitän Hahn als erster das sinkende Schiff einer verfehlten Universitäts- und Bildungspolitik verlässt, muss zweifellos als eine gewisse Ironie des Schicksals betrachtet werden. Mitten in einem der größten Studentenproteste der vergangenen Jahre – alle größeren Universitäten Österreichs sind besetzt – kann sich der Verantwortliche mit einem Kameralächeln aus der Affäre ziehen. Ausbaden müssen das andere. Einerseits die Studenten, die die Folgen der Hahn’schen Konzeptlosigkeit am eigenen Leib erfahren, andererseits aber auch die schon jetzt zu bemitleidende Person, die sein Ministeramt übernehmen und sich wahrscheinlich noch auf Jahre mit den Fehlern des Vorgängers herumschlagen muss (von wollen kann hier sicher nicht die Rede sein).

Der CERN Fauxpas

In Zukunft könnten die Leidtragenden aber nicht nur aus Österreich (oder aus Deutschland – schließlich sind die Universitäten angeblich von Studierenden dieser Provenienz übervölkert), sondern auch aus ganz Europa kommen. Denn es ist nicht gänzlich unwahrscheinlich, dass Johannes Hahn das prestigeträchtige Forschungsressort übernehmen darf. Ein Treppenwitz, wenn man bedenkt, dass Hahn noch im Mai dieses Jahres den Ausstieg Österreichs aus dem CERN-Projekt durchboxen wollte. Glücklicherweise wurde dies verhindert, doch zeigt sich hierbei die Kurzsichtigkeit des zukünftigen EU-Kommissars in Sachen Wissenschaft und Forschung überdeutlich.

"Der Hahn gehört gerupft!"

Gerupft ist dieser Hahn noch lange nicht, egal wie oft dieser Spruch von verärgerten Studenten in den kommenden Tagen noch skandiert werden wird. Denn wer nicht einmal dadurch Schaden nimmt, dass ein renommierter Professor der Universität Wien seine Doktorarbeit nachträglich als wissenschaftlich abschreckendes Beispiel bezeichnet, der hat noch eine ganz große Karriere vor sich. Wer weiß wohin er in ein paar Jahren von der EU weggelobt wird.

Parallele: Deutschland

Wer jetzt aber glaubt, dass so eine Art Politik zu machen nur in Österreich beheimatet ist, der braucht nur auf das bereits erwähnte deutsche Nachbarland zu schauen. Hier wurde der als glücklos und überflüssig betrachtete Ministerpräsident Baden-Württembergs Günther Oettinger (CDU) von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kurzerhand zum EU-Kommissar „entsorgt“, wie es der bisherige deutsche EU-Kommissar Günter Verheugen (SPD) ausdrückte. Kommissionspräsident Barroso wurde bezüglich dieser Personalie nicht einmal konsultiert.

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