2012-01-02 13:32:31
Bestsellerautorin Sarah Kuttner befasst sich in ihrem neuesten Werk Wachstumsschmerz mit den Problemen des Erwachsenwerdens. Muss man wirklich nur wollen?
Karrierepläne
Wie haben Wir sind Helden schon so schön gesungen:
"Aber wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich gar nichts wollen, ich weiß aber, dass alle etwas wollen sollen"...
Genau dieses Problem hat Luise, da sie nicht weiß, was sie eigentlich so recht will. Sie ist Anfang 30 und schneidert hauptberuflich Anzüge für betagte Herren. Locker könnte die Protagonistin des Buches Kostüme für das Theater nähen oder sogar eine eigne Kollektion rausbringen, aber das möchte sie nicht. Ihr "Nebenbei-Job" als Werbegesicht/Schauspielerin fordert sie ebenso nicht wirklich und so träumt sie auch nicht davon berühmt zu werden.
Die Leute um Lu herum können das nicht verstehen, denn wer will schon auf der Stelle treten?
Ein gemeinsamer Wohnsitz
Das ist aber nicht das einzige Problem der Hauptfigur. Nach jahrelanger Beziehung beschließen
Luise und ihr Freund Flo, der Assistent Manager in einer Kletterhalle ist, nämlich zusammenzuziehen. Es ist schließlich höchste Eisenbahn. Andere haben das längst erledigt, sind im besten Fall sogar schon verheiratet oder haben Kinder. Anfangs würde ihr Freund, der seine Freiheiten in seinen eigenen vier Wänden doch immer sehr genossen hat, am liebsten einen Rückzieher machen, findet sich schlussendlich aber doch mit der Situation ab.
Nachdem das Paar die passende Wohnung gefunden hat und der Umzug vor der Tür steht, stellen sich auch bei Luise erste Bedenken ein. Dennoch wagen sie den Schritt in die gemeinsame Zukunft, ganz nach dem Motto - "Wird schon nicht so schlimm werden". Lu stellt sich das Zusammenleben eher wie in einer Wohngemeinschaft vor. Bald darauf fühlt sie sich eingeengt, - "zu viel Wir-Zeit"-, wie sie es bezeichnet und wird nicht nur einmal zickig. Um Streit zu vermeiden, schluckt Florian alles hinunter, was seine Freundin wiederum rasend macht. Mehrmalig fragt Luise ihre Schwester, Psychologie-Studentin, Jana um Rat. Trotz allem muss Lu feststellen, dass sie unzufrieden mit der Beziehung ist und Flo und sie sich immer mehr auseinander leben...
Fazit
Mit der Thematik ihres ersten Buches Mängelexemplar hat Sarah Kuttner den Nerv der Zeit getroffen und dem Leser erfrischende Ansichten präsentiert. Auch die Ansätze ihres zweiten Romans Wachstumsschmerz haben Potential; im Ganzen gesehen entpuppt sich das Buch allerdings als Lektüre für zwischendurch. Zwar fühlt man sich durch Kuttners spritzige Erzählweise dem Hauptcharakter schnell verbunden, der große Wendepunkt oder gar eine Erkenntnis bleiben allerdings aus. Schon klar, das richtige Rezept für die eigene Zukunft muss jeder selbst finden, jedoch bleibt die Frage, warum lässt man sich überhaupt in dieses "beruflicher Erfolg, heiraten, Kinder bekommen..."-Schema hinein quetschen?
Wachstumsschmerz
von Sarah Kuttner
erschienen bei Fischer Verlage, Frankfurt
Hardcover, 288 Seiten, 17,50€ (A)
ISBN: 978-3-10-042206-4
"I’m just a kid with a song in my head, with your face in my heart.
What could be better than this?" (Broadway Calls)
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