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Von der Schizophrenie der Gefühle

2007-04-02 00:12:30

Meine erste Ausstellung. Angst und Freude. Beides zugleich. Über das Wechselbad der Gefühle und warum die Angst dann doch nicht siegt.

Nervosität - von dem Moment an, als ich erfahren habe, dass ich jetzt definitiv meine erste richtige Ausstellung machen kann. Und mit richtiger Ausstellung meine ich, dass ich nicht einfach nur für irgendeine Veranstaltung ein paar meiner Bilder aufhänge, um den Raum zu verschönern. Nein, Menschen kommen um meine Bilder zu sehen. Und zwar primär nur darum. Wow! Das sitzt.

Leicht schizophrene Gefühle machen sich breit. Einerseits fühlt man diese riesengroße Freude in sich und andererseits eine irrsinnige Angst.

Was, wenn meine Bilder den Menschen nicht gefallen? Was, wenn ich eigentlich nur ein furchtbarer Stümper bin, der mit jedem Volkshochschul-Möchtegern-Künstler zu vergleichen ist? Was, wenn niemand kommt und vor allem was, wenn mich jemand in aller Öffentlichkeit in Grund und Boden kritisiert?

Kritik kann ich vertragen, aber nicht von jedermann und in jeder Form.

Den ersten Schritt in die Öffentlichkeit wagen

Trotzdem: wer nichts wagt, der nichts gewinnt, und so setze ich mich und meine „Kunst“ doch der kalten, herzlosen Härte der Öffentlichkeit aus – mache mich verwundbar, und das wie es wahrscheinlich nur wenigen klar ist.

Meine Bilder sind ein wichtiger Teil von mir. Sie spiegeln mein Leben, meine Gefühlswelten, mein Befinden wider. Bilder öffentlich zu präsentieren gleicht beinahe dem Traum, den wohl jeder schon mal hatte, in dem man nackt durch die Stadt läuft.

Der Tag der Ausstellung rückt näher und ich muss für mich wichtige Entscheidungen treffen. Welches Thema ist für meine Ausstellung geeignet, welche Bilder wähle ich aus, wen lade ich ein, wie lade ich ein und das aller aller schwerste: verkaufe ich meine Bilder und um welchen Preis verkaufe ich sie? Von welchen Stücken kann ich mich eher trennen, von welchen (fast) gar nicht? Halte ich eine Rede, was erzähle ich den Menschen über meine Werke, wie beantworte ich welche Fragen? Bei weitem ist das nicht alles, was mir durch den Kopf geht und trotzdem: Die Freude, nun endlich meine Bilder auszustellen, ist größer als jede Panikattacke die sich in mir aufbäumt.

Eine Stunde vor dem offiziellen Beginn macht sich richtiges Lampenfieber breit

Und dann kommt der große Abend. Und die Nervosität und Glückseeligkeit zugleich scheinen auf dem Zenit zu sein. Die ersten Leute trudeln ein. Ich bin gespannt, wer denn nun alles kommt und wie Bekannte, Freunde, aber auch Fremde reagieren. Ich muss eine Rede halten, die Ausstellung quasi „eröffnen“, das wird von mir erwartet. Da ich im Redenschwingen noch nie sonderlich gut war, halte ich mich kurz, versuche so natürlich wie möglich zu sein und sage einfach das was mir gerade einfällt. Nun machen sich die Besucher auf und versammeln sich vor den Bildern. Ich beobachte wer wie lang vor welcher Leinwand steht, beantworte ein paar Fragen, mache Smalltalk aber auch interessante, persönliche Unterhaltung.

Um die 50 Besucher sind da, darunter auch Überraschungsgäste, die extra 200 Kilometer angereist sind, um mich und meine Ausstellung zu begutachten.

Eine Gefühlswelt bricht über mich ein, wie sie sich nicht mit Worten beschreiben lässt – dazu müsste ich schon ein Bild malen.

Ein großartiges, von Stolz erfülltes Gefühl.
WOW.



Die Ausstellung ist noch bis 30. November 2006 im Tunnel (Florianigasse 39, 1080 Wien) zu betrachten.


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AutorInnen

Caroline Kaltenreiner

Caroline Kaltenreiner

...Ich wollte immer eine Prinzessin sein, leider war nur mehr der Part der bösen Hexe frei....

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