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Von der Kunst, Kunst zu machen

2011-12-06 16:32:10

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Reflexionen über die Filme The Future von Miranda July und Underwater Love – A Pink Musical von Shinji Imaoka.

Im Dezember laufen in Österreichs Kinos zwei in jeglicher Hinsicht ungewöhnliche Filme an, die auf den ersten Blick nur wenig miteinander gemein haben. Auf der einen Seite ein von japanischen Softpornos geprägter Musicalfilm über ein Gurken fressendes Fabelwesen und auf der anderen Seite ein US-amerikanischer Independentfilm, in dem eine Katze den Niedergang einer Beziehung kommentiert. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass sich diese Filme in mancherlei Hinsicht ähneln. So bringt in beiden Fällen eine überraschende Figurenneukonstellation eine scheinbar gefestigte Beziehung ins Wanken. Eine weitere Parallele ergibt sich aus der Verwendung von fantastischen Elementen, um die Handlung voranzutreiben und neuartige narrative Erzählformen für das Genre "Film" zu entwickeln. Beiden Filmen ist anzumerken, dass sie sich gerne unter dem Label Kunst deklarieren wollen. Sie stellen ihre Andersartigkeit gegenüber dem typischen Hollywood-Mainstream-Film in Aufbau, Dramaturgie und Machart offen zur Schau. Doch, ob der Verstoß gegen Konventionen ausreicht, um Kunst zu produzieren, darf durchaus in Frage gestellt werden.

Sex sells

Underwater Love versucht durch das Zusammenbringen verschiedener filmischer Formen etwas Neues zu erschaffen. Als Basis für die ganze Geschichte dient der Pinkfilm, ein japanisches Genre des Softerotikfilms mit traditionell niedrigem Budget. Ein weiteres Vorbild ist ohne Frage auch Lars von Triers Dancer in the Dark und seine gewagte thematische Verfremdung des Musicalgenres. Als dritte Säule nutzt Imaoka die japanische Mythologie. In seinem Film spielt ein Kappa, ein grünhäutiges, froschähnliches Fabelwesen, eine Hauptrolle. Die Handlung von Underwater Love ist schnell erzählt und eigentlich nebensächlich. Asuka (Sawa Masaki) arbeitet in einer Fischfabrik und steht kurz davor ihren Chef zu heiraten. Da trifft sie an einem See unvermittelt auf ihre einstige Jugendliebe Aoki (Yoshiro Umezawa). Der ist vor vielen Jahren ertrunken und kehrt nun als Kappa zu ihr zurück. Jetzt muss sie sich zwischen zwei Männern entscheiden.

Wichtiger als die Geschichte ist mit der trashigen Umsetzung die Machart des Films. So wird etwa der Kappa bewusst nur mit billigsten Accessoires ausgestattet. Alles sieht selbst gebastelt und improvisiert aus. Auch die übrigen Figuren wirken klischeehaft und übertrieben. Damit wird letztendlich versucht, die Materialität des Films auszustellen. Nichts ist real, aber jeder darf das wissen. Es scheint fast so, als wollten die Macher hier mit Nachdruck darauf hinarbeiten, eine Art Kultfilm erstehen zu lassen. Ob dies gelingt, ist aber durchaus fraglich. Obwohl der Film bestens unterhält, hat eigentlich nur die wunderbar passende Musik von Stereo Total wirklich Potential. Die Minimalelektronikpopper fügen sich erstaunlich gut in die Minimalbudgetproduktion ein.

Miau Mio

Mit einem Fabelwesen kann Miranda Julys Film The Future zwar nicht aufwarten, doch enthält er auch so genügend Absonderlichkeiten. Mit einer Katze als Erzählerin gelingt ein ungemein spannender Perspektivenwechsel, wie man ihn sonst nur noch selten in der einstigen Illusionsfabrik Kino erlebt. Leider verpufft dieser kluge Schachzug fast gänzlich ungenutzt. July ist so sehr damit beschäftigt, einen intelligenten und kunstbeflissenen Film zu drehen, dass sie das Publikum schon früh einigermaßen ratlos am Wegesrand zurücklässt. Anfangs mutet noch alles recht ansprechend an. Die Mittdreißiger Sophie (Miranda July) und Jason (Hamish Linklater) sind in der Midlife-Crisis. Sie hassen ihre Jobs, surfen mit ihren coolen Apple-Laptops sinnlos im Internet und verlieren dabei zunehmend den Kontakt zueinander. Eine Katze soll da Veränderung ins Leben bringen. Noch ist zwar ihre Pfote gebrochen, doch in vier Wochen kann sie aus dem Tierheim abgeholt werden. Diesen Monat wollen die beiden nutzen, um sich noch einmal richtig selbst zu verwirklichen, bevor sie aufgrund der Verantwortung für das Kätzchen, keine Gelegenheit mehr dazu haben werden.

Von da an nimmt das Unheil seinen Lauf. Nicht nur für die beiden Protagonisten, sondern auch für die Zuschauer, die verzweifelt versuchen, der Handlung zu folgen. Jason trifft zufällig auf den Pensionisten Joe (Joe Putterlik), dessen Frau vor kurzem verstorben ist. Mit der Zeit wird klar, dass Joe Jasons Alter Ego ist und ihm Hinweise auf die Entwicklung seines zukünftigen Lebens geben will. Er entpuppt sich später auch als Stimme des Mann im Mond, mit dessen Hilfe Jason die Zeit anhält. Allerdings bleibt sie nur für ihn stehen, Sophies Leben geht unterdessen weiter. Sie bandelt mit einem anderen Mann (David Warshofsky) an, zieht bei ihm und seiner kleinen Tochter (Isabella Acres) ein und erlebt dort allerlei Sonderbares. So schaufelt sich die Tochter beispielsweise ein Grab und lässt sich dann darin zum Schlafen einbuddeln. Am Ende treffen Sophie und Jason wieder aufeinander, sind aber genauso unglücklich wie zuvor. Der Film stellt sich letztlich als inneres Kreisen um ein leeres Zentrum dar. Vielleicht spiegelt das die heutige Generation 30+ präzise wider, vielleicht handelt es sich bei The Future aber auch einfach um den gescheiterten Versuch, große Kunst zu produzieren.

KINOSTART Underwater Love: 16. Dezember
KINOSTART The Future: 30. Dezember

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