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musik

Von den Wasserkriegen

2007-04-02 00:10:48

Der in England lebende Journalist und Musiker Robert Rotifer stellt auf seinem neuen Exponat "Before the water wars" Fragen, die in naher Zukunft in den Mittelpunkt des Weltgeschehens rücken werden.

Robert Rotifer ist ein Arbeitstier, eine zu Mensch gewordene Schreibmaschine. Das wissen nicht nur die vielen Homepage-Besucher des österreichischen Radiosenders FM4, die ihre Freude über die Existenz eines Pop-Musik absorbierenden Mannes in zahlreichen Postings kundtun, sondern auch jene (aufmerksamen) Leser diverser Magazine, Zeitungen und Zeitschriften (now!, Falter, IQstyle, Profil, malmoe, Berliner Zeitung, Indie Go, Schweizer Regionalpresse) zu schätzen. Die Gestaltung der Sendung Heartbeat, die er, mit Eva Umbauer im Zeiwochenrythmus abwechselnd, am Montag für den zuvor erwähnten Radiosender moderiert, ebenso Beiträge für die Ö1-Sendungen Leporello, Diagonal und Kulturjournal dürfen seinem Curriculum Vitae mehr oder minder ergänzt werden. Das Wort Stress nimmt er – ein paar Erwartungen entgegen – jedoch gerne in den Mund: „Stress ist immer besser als Langeweile. Ich finde, ich hab ein erfülltes Leben, und ich bereue, wie viel Zeit ich mit achtzehn bis einundzwanzig dumm verbummelt hab."

Stadtflucht
Das Leben, das er meint, findet in England statt. Genauer gesagt, in Canterbury, einem netten Universitätsstädtchen südöstlich von London, wo er seit ca. einem Jahr mit seiner Frau Judith und seinen Kindern Emma und Oskar lebt. Das war nicht immer so: Im Jahre 1997 machte sich Robert den Traum zur Realität und zog nach London. Er wollte „einmal einen Strich unter Wien ziehen" und außerdem holte ihn nicht gerade eine Satisfaktion heim. 7 Jahre später kaufte er sich samt seiner Familie ein Haus in Canterbury. Begründungen gibt es viele. „Wenn du die Straße runter gehst und in einer Telefonzelle raucht einer Crack, willst du das nicht unbedingt deinem Kind erklären müssen", ist eine davon. Ganz nebenbei, so möchte man meinen, ist er auch noch mit der Band Rotifer musikalisch tätig, was nicht gerade zu einem Zeitgewinn beiträgt. Doch eingebrockt hat er sich das alles ohnehin selbst; und würde es ihm, den Idealisten von Natur, eines Tages keinen Spaß mehr bereiten, würde er sich das alles nicht unbedingt antun.

Shambles Grove

"Eigentlich wollte ich das offen lassen: Es ist der Donaukanal, von der Rotundenbrücke aus gesehen", erklärt Rotifer den Standort seiner selbstgemalten, wunderschönen Covergestaltung.

Mit jener Band Rotifer, deren Diskografieliste im Jahre 1996 mit der auf Klein Records erschienen Doppel-Vinyl-Single „The fun is over now" begann, veröffentlicht er dieser Tage sein neues Album „Before the water wars", das mit Kritik an der globalen Energiepolitik zurecht nicht sparsam umgeht. Auf die Frage bezüglich des Albumtitels, dessen Metapher für den „offenbar unausweichlich bevorstehenden globalen Kampf um knapp werdende Ressourcen aller Arten" steht, meint Rotifer: „Die Gaskrise, die wir jetzt gerade mitverfolgen, ist nur eines von vielen Vorzeichen auf kommende Konflikte, und die Klimaveränderung wird ihren Teil dazu beitragen. Wenn man Kinder hat, macht man sich um so was Sorgen."

„The way we drink might give you a clue"
Der für das Album gewählte Titel ist sozusagen als Richtungspfeil zu verstehen, schließlich meint er synthetisch die „Vermengung von Energiekrisen, globaler Erwärmung und Machtpolitik", so Rotifer. Soundtechnisch ist das Album ein gutes geworden; da ist zum Beispiel eine Eingangsballade ("Now that I'm here") zu finden, die die Wichtigkeit eines der fünf Welt-Elemente - Wasser – unterstreicht und zugleich einen sorgfältigeren Umgang damit einfordert („Yes the water is for me and you/But the way that we drink might give you a clue/I have mine a squashable woman-shaped bottle of blue/It's the water that runs through us all"). Da ist aber auch eine nett anmutende Nummer ("Schengenländer Die!"), dessen Inhalt eine Abrechnung wohl eher ironischen Ursprungs ist – eine späte akustische Rache an das europäische Festland, das seinen Bürgern, im Gegensatz zu England,  nicht mehr mit Grenzkontrollen an der Leine hält? Das Lied besitzt außerdem zwei Endzeiler, die ein Schmunzeln hervorrufen: „And if Wilhelm Reich shot a nuclear bomb through the clouds you might just spott he sunshine/But most of the time he just talks to himself to the end of the tape." Welchem Songwriter gelang eine subtilere Anspielung an den in Wien studierenden Psyochanalytiker und Begründer der sogenannten Körperpsychotherapien? Das Londoner Bark Studio, in dem die Band Rotifer das Album binnen zwei Tagen - was wieder einmal alles (und nichts?) zum Thema „Stress" aussagt – unter der Aufsicht von Brian O'Shaughnessy live einspielte, kann wohl auch nicht genug gehuldigt werden: In der letzten Zeit wurden dort zum Beispiel die Alben von den ebenso erwähnenswerten Flotation Toy Warning und The Clientele sowie der legendäre Track „Loaded" von Primal Scream aufgenommen.

Ob er noch mal in die britische Metropole zurückzieht? Anzunehmen ist es nicht, denn er liebt die Stadt zwar immer noch, aber es „tut gut, sich nicht von London demütigen lassen zu müssen." Außerdem bietet ein Haus am Land ja nicht nur Ruhe, sondern auch Platz für größere Musikinstrumente wie ein Klavier, das jetzt irgendwo da draußen in Canterbury nur mehr auf Rotifers Hände wartet…

Das neue Album "Before the water wars" von Rotfer ist ab 20. Jänner bei Wohnzimmer Records und in den gut sortierten Plattenläden erhällich.

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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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