2008-03-03 19:21:11
Jason Reitmans Juno erzählt die Geschichte eines 16jährigen Mädchens, das mit seiner Schwangerschaft eindeutig dem prüden US-amerikanischen Ideal der Homecomingqueen widerspricht.
Mit einem Sessel hat alles begonnen. Dass sich dieser Abschnitt von Juno McGuffs Leben auch mit einem Sessel ändern wird, das weiß sie noch nicht. Dass der alte, abgenutzte Fauteuil durch einen nagelneuen Schaukelstuhl ersetzt wird, ist auch noch nicht absehbar.
Nachdem Juno (Ellen Page) den Schwangerschaftstest zum dritten Mal wiederholt und Unmengen von Orangesaft in sich hinein geschüttet hat, weiß sie es: Der One-Night Stand mit ihrem Schulfreund Paulie Bleeker (Michael Cera) hat seine Wurzeln geschlagen. Doch was macht eine 16jährige mit einem Kind?
Was Fingernägel alles bewirken können
Zuerst versucht das Mädchen die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Mit 16 Jahren Mutter zu werden, geht schließlich gar nicht, schon gar nicht in den USA. Doch als die asiatische Schulkollegin, die einsam vor der Abtreibungsklinik protestiert, ihr mitteilt, dass der Fötus schon Fingernägel hat, ist es um Juno geschehen.
Das Kind darf leben. In der Zeitschrift Pennysaver sucht Juno die passenden Eltern für das Baby. In dem Ehepaar Vanessa (Jennifer Garner) und Mark Loring (Jason Bateman) scheint sie die richtigen gefunden zu haben. Typische Vorstadtbewohner in den Mittdreißigern, er ist sogar Musiker. Doch Juno hat noch sieben Monate vor sich, bis dieser Abschnitt ihres Lebens zu Ende geht.
Ein Hoch auf die Autorin
Jason Reitmans Juno wartet nicht mit einer typisch monotonen Teenagerschwangerschaft, verpackt in einer melodramatischen Handlung, auf. Durch witzige Dialoge und äußerst beschwingende Musik - auf dem Soundtrack sind neben der Indie-Band Belle and Sebastian auch The Kinks und The Velvet Underground zu hören - schafft der Film eine angenehme Atmosphäre. Nicht ohne Grund wurde Diablo Cody mit einem Academy Award für das beste Drehbuch belohnt.
Ein großes Lob gilt auch den Darstellern in Reitmanns Film. Ellen Page gelingt es eine 16jährige, die ihr Leben alleine meistert, darzustellen. Für sie gibt es eindeutig weltbewegendere Dinge als eine ungewollte neunmonatige Schwangerschaft. Doch auch J.K. Simmons und Allison Janney, die Junos Eltern spielen, mimen überzeugend ein nicht ganz typisches Kleinstadtelternpaar. Auf die Schwangerschaft der Tochter wird nüchtern reagiert, dennoch wäre es ihnen lieber gewesen, sie wäre wegen Besitzes von harten Drogen aus der Schule geworfen worden.
Fazit
Auch wenn die Situation noch so traurig erscheint, in Juno gibt es kaum Grund zum Weinen. Köstliche Szenen, wie Junos Wunsch nach einem Spinal Tap (halb fiktive Heavy Metall Band) anstatt einer Spinal Anesthesia (PDA), überwiegen im Film. Mit einer erlesenen Besetzung, einem durchwegs originellen Drehbuch und einem positiv stimmenden Soundtrack wartet Jason Reitman mit einem Film auf, der auf jeden Fall eines kann: nämlich begeistern.
Filmstart in Österreich: 21. März 2008
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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