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musik

Von Opulenz und dem Scheppern der Kuhglocke

2007-04-02 00:11:30

Die Pet Shop Boys und das Produzentengespann von Death From Above veröffentlichten vor kurzem ein neues Album. Die einen laden zu Tee und Keksen, die anderen zur gepflegten Sause.

Die Pet Shop Boys und das Produzentengespann von Death From Above veröffentlichten vor kurzem ein neues Album. Die einen laden zu Tee und Keksen, die anderen zur gepflegten Sause.

Tee und Kekse
Bereits im Jahre 2005 bewiesen Lowe und Tennant mit der Filmmusik zu "Battleship Potemkin" ihren Hang zur Klassik. Dabei handelt es sich um einen Soundtrack zu Sergej Eisensteins großem Revolutionsmanifest. Mit diesem durchaus zu empfehlenden Ergebnis haben die Pet Shop Boys erneut unter Beweis gestellt, dass ihnen Üppigkeit in allen Facetten gut zu Gesicht steht. Auch auf ihrer letzten Veröffentlichung „Fundamental“ wurde ein Sound gehuldigt, der vor lauter Schmalz streckenweise dann doch etwas zu geil wurde. Aber so mögen es Neil Tennant und Chris Lowe nun mal gerne. Auf diesem Album wurden die Grenzen der bombastischen Klangästhetik fast erreicht – aber eben nur fast, und somit verpflichteten sie kurzerhand – weil man sich ja sonst nichts gönnt – ein ganzes Orchester, um mit ihnen ein paar Songs zu performen. Denn was könnte einen Sound noch pompöser in den Äther befördern, als eben dieses?

Gesagt, getan: Die Pet Shop Boys spielten am 08. Mai dieses Jahres im Memaid Theater unter der Obhut von keinem Geringeren als Trevor Horn ein Konzert mit dem BBC Concert Orchester. Dieses Spektakel liegt nun in Form eines Doppelalbums vor, wurde mit „Concrete“ betitelt und geizt natürlich keineswegs mit schwelgenden Streichern, glamourösen Melodien und überbordenden Pathos – Stargäste wie Rufus Wainwright oder Robbie Williams inklusive, eh klar. Zu hören sind Songs aus dem mannigfachen Schaffenswerk der beiden Boys: „It´s A Sin“, „West End Girls“ oder „You only tell me you love me when your drunk“. Aber auch Material vom aktuellen Album, wie etwa das von Rufus Wainwright herrlich intonierte „Casanova in Hell“ oder das bereits als Hit abgefeierte „The Sodom and Gomorrah show“. In Summe eine gelungene orchestrale Umsetzung der Songauswahl. Allzu viel Neues darf man sich nicht erwarten, jedoch kann man sich mit „Concrete“ die nun anstehenden „Tee und Keks“-Zeiten versüßen.

Schüttle die Kokosnüsse!
Bereits fünf Jahre bereichern die von New York aus die Welt erobernden James Murphy und Tim Goldsworthy die musikalische Szene mit diversen Remixen. Sie waren es dann auch, die für die Rückkehr der Kuhglocke in den Club sorgten. Denn kaum ein Song kommt im Hause Death From Above – kurz DFA – ohne dieses treibende, monoton dahinplätschernde und schrill scheppernde Percussioninstrument aus. Nach dem Remix-Album „Chapter One“ folgt nun der zweite Teil dieser Serie.

Gleich zu Beginn wird das von Glamour-Boy Tiga stammende „Far From Home“ mit etwas sauerstoffarmer Luft auf zehn Minuten aufgeblasen, dass diesem Track von Minute zu Minute der Verve ausgeht. Gegen Ende wird er dann endgültig unter einem psychedelischen Klangteppich begraben. Das darauf folgende „Shake Your Coconuts“ von den Junior Boys hingegen wirkt frisch und wunderbar verdreht. Die weiteren Stücke die durch den DFA-Wolf gedreht wurden stammen unter anderem von Nine Inch Nails („The Hand That Feeds“), den superlässigen Hot Chip („Colours“) oder der lasziven Alison Goldfrapp („Slide In“). Und auch für die Arschwackler wurde ein Track aufbereitet: „She Wants To Move“ von N.E.R.D, jene um den umtriebigen Produzenten Pharell Williams angesiedelte Band, die seit März 2005 de facto nicht mehr existiert.

Was „Chapter Two“ im Großen und Ganzen auszeichnet ist die Bandbreite der ausgewählten Songs. Diese funktioniert auf jeder Party, auch dann, wenn sich auf dieser die unterschiedlichsten musikalischen Charaktere tummeln. Mit anderen Worten: Ein Konsensalbum gegen jede lahmende Feier.

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AutorInnen

Marco Weise

Marco Weise

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