2011-05-06 21:53:48
Dies ist eine profane Rezension des Albums Violeta Violeta Vol.1 des Kaizers Orchestra. Dies ist aber auch die Geschichte einer persönlichen Wiederentdeckung.
Violeta Violeta Vol.1 lese ich. Mehr oder weniger durch Zufall ist mir die neue CD des Kaizers Orchestra in die Hände gefallen.
Eine Band, die ich vor vielen Jahren (genau genommen vor knapp sieben) um 2 Uhr
nachts live bei Rock am Ring gehört habe. Damals noch eher als Geheimtipp gehandelt,
hat sich die norwegische Gruppe mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum
einen festen Fankreis erspielt, der in Wien immerhin den Gasometer füllen
kann.
Nostalgie pur!
Damals waren für mich vor allem die ungewöhnliche
Besetzung und die damit verbundene besondere Klangfarbe sowie der ständig
zwischen Melancholie und Leichtigkeit changierende Ausdruck der Musik Gründe, die
Band im Auge zu behalten. Ihre bereits erschienen Alben Ompa til du dør und Evig Pint wanderten schnell in mein CD-Regal und auch die Maestro-Platte von 2005 fand noch mein
Gehör. Dann geriet das Kaizers Orchestra aus meinem Blickfeld.
Nun, da ich die aktuelle Scheibe in meinen CD-Player lege,
bin ich gespannt wie gekochtes Gemüse (kleiner Gruß an Natalie Licard). In
welche Richtung haben sich die Norweger wohl entwickelt? Sind sie weiter bei
ihren besonderen Klangwelten geblieben oder haben sie sich wie so viele vielversprechende
Bands mit den Jahren immer mehr dem Mainstream verschrieben?
Erster Eindruck
Der erste Eindruck ist positiv. "Philemon Arthur & the
Dung" ist zwar kein Song, der einen vom Sessel haut, aber keinesfalls
enttäuschend. Doch schon bei "Diamant til kull" bin ich etwas irritiert. Das
hört sich doch an wie BAP mit ihrem
Frontmann Wolfgang Niedecken, der in seinem typisch kölschen Akzent singt. Aber
nein, nur eine kurze Sinnestäuschung. Dass es sich um das Kaizers Orchestra handelt, wird spätestens beim dritten Stück der
Platte deutlich. Eine Musik, die man keinem Genre richtig zuordnen und noch am
ehesten als Mischung zwischen Muse und der Anarchistischen Abendunterhaltung beschreiben kann.
Zweiter Eindruck
Auch im weiteren Verlauf der Platte lässt sich die Musik nur
schwer fassen. Glaubt man sich aufgrund eingängiger Klavierklänge im Fahrwasser
des Pops, drängt sich in Form von blubberndem Wasser Musique concrète
dazwischen oder eine penetrant klingende Kuhglocke sorgt für Irritationen.
Langeweile entsteht beim Hören jedenfalls nicht, auch wenn der semantische
Gehalt der norwegischen Texte wohl nur von wenigen erfasst werden kann. Aber
das ist aufgrund der musikalischen Vielfalt auch gar nicht notwendig. Wen es
aber doch interessiert: Auf der offiziellen deutschen Fanpage Save me Kaizers! gibt es Übersetzungen zu allen Veröffentlichungen der Band.
Gesamteindruck
Auch wenn auf Violeta
Violeta Vol.1 die wirklich herausragenden Stücke fehlen, so bietet die
Platte doch weit mehr, als man im fast unendlichen Meer von Veröffentlichungen
für gewöhnlich findet. Man darf also gespannt auf die bereits angekündigten
Vol.2 (voraussichtlich November 2011) und Vol.3 (voraussichtlich November 2012)
sein.
Nobody knows the trouble I've seen.
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