2010-02-14 22:16:18
Am 13. Februar feierte die Gespenstersonate in Anwesenheit des Komponisten Aribert Reimann in der Wiener Kammeroper eine beachtenswerte Premiere.
Zugegeben, leichte Kost war es nicht, die da geboten wurde; doch
die hatte wohl auch niemand erwartet. Wie sonst wäre es zu erklären, dass der
Applaus in der ausverkauften Wiener Kammeroper einfach nicht abebben wollte.
Erst nachdem der Komponist Aribert Reimann zum dritten Mal auf die Bühne
gekommen war und sich nochmals ausgiebig beim Gesangsensemble und den
Orchestermusikern bedankt hatte, war das Publikum dazu bereit, den Saal zu
verlassen und sich damit wieder zurück in die Realität zu begeben.
Grenzgang zwischen
Fiktion und Realität
Auf der Bühne wurde diese nämlich gerade eineinhalb Stunden
lang immer wieder in Frage gestellt. Gefangen zwischen Gespenstern, Vampiren
und einer absurden Handlung lässt sich August Strindbergs Textvorlage aus dem
Jahr 1908 für das Publikum nur schwer nachvollziehen. Gesellschaftsrealismus
und traumhafte Symbolik wechseln sich hier beständig ab. Letztlich entscheidend
ist aber auch weniger der Inhalt als der Gehalt des Stücks. Dies hat auch der
Komponist der Oper verstanden. Reimann versucht nicht, sich mit seiner Musik am
Text entlangzuhangeln, sondern beschäftigt sich kompositorisch mit dessen
Gesamtheit und damit auch mit dem Kernthema des Stücks: der Frage nach der Schuld
und deren Verarbeitung.
Ensemble großartig,
Regie bieder
Einen ähnlichen konzeptuellen Ansatz hätte man sich auch bei
der Umsetzung auf der Bühne gewünscht. Letztlich beschränken sich Inszenierung (Peter
Pawlik) und Ausstattung (Cordelia Matthes) aber darauf, die ablaufende Handlung
zu bebildern. Von der Mumienmaske über die Plastikhyazinthe bis zur gläsernen
Trennwand werden lediglich die metaphorischen Sprachkonstrukte der textlichen
Vorlage in die Bühnenrealität übertragen. Positiv bleibt aber zu bemerken, dass
die Regie sich inszenatorisch im Großen und Ganzen zurückhält und so dem Stück,
aber auch den Musikern die Möglichkeit zur Entfaltung bietet. Sowohl das
12-köpfige Orchester (musikalische Leitung: Daniel Hoyem-Cavazza) als auch die
Sängerinnen und Sänger auf der Bühne überzeugen auf ganzer Linie. Vor allem die
schauspielerische Leistung des Ensembles kann nicht zu gering geschätzt werden.
Herausragend: Hans Gröning als Direktor Hummel.
Reimann hoch zwei
Insgesamt gesehen ist die Aufführung also unbedingt
empfehlenswert. Und wenn die Wiener Staatsoper am 28. Februar Aribert Reimanns Medea uraufführt, wird sie sich an der Gespenstersonate in der Wiener Kammeroper messen lassen müssen. Man darf gespannt sein.
Weitere
Aufführungstermine: 16., 18., 20., 23., 25. und 27. Februar
Nobody knows the trouble I've seen.
Newsfeed von Florian Zeuner abonnieren