2008-06-04 21:28:05
Wenn einer eine Reise tut, so heißt es im Volksmund, dann kann er was erzählen. Dass dies auch im Falle der Berliner Philharmoniker so ist, zeigt Regisseur Thomas Grube in seinem neuesten Film Trip to Asia.
Beijing, Seoul, Shanghai, Hong Kong, Taipei und Tokyo – so hießen
die Stationen der ersten Asientournee der Berliner Philharmoniker, auf deren
Konzertprogramm Richard Strauss’ Heldenleben, Beethovens Eroica und Thomas Adès’
Asyla zu finden war. Was bis hierhin wie eine veraltete Pressemitteilung erscheint,
ist nichts anderes, als die Grundlage für einen der besten Dokumentarfilme, der
je über ein Orchester gedreht wurde.
Die Suche nach dem Einklang
Dem Film gelingt es nämlich nicht nur einen tiefen Einblick
in das Innenleben eines der weltbesten Orchester zu geben, sondern findet auch Zugang
ins Private einzelner Musiker, wodurch dem Zuschauer offenbart wird, dass die
Liebe zur Musik oftmals das einzige Verbindende zwischen den 126 Mitgliedern
ist. Umso erstaunlicher, dass sich so grundverschiedene Menschen im Augenblick
des Musizierens zu einem homogenen Klangkörper verbinden können, der auf der
Suche nach dem Einklang - also der völligen Verschmelzung von Einzeltönen - alles
andere zurückstellt.
Die Tradition bin ich selbst
Mit viel Gespür schafft es Grube Interviews, Proben- und
Konzertsituationen sowie die fremde Welt der asiatischen Metropolen zu einer
spannenden, stringenten Geschichte zusammenzuschneiden. Dabei werden Themen, wie
die Tradition des Orchesters, Leidenschaft beim Musizieren und die Einsamkeit
des Hotelzimmers, mit dem tatsächlichen Tourneeleben in Verbindung gebracht. Da
sieht man, wie das Orchester analog zu weltbekannten Popstars von 30.000 Fans belagert
wird, wie ein Bratschist den Tag mit seinem Instrument im Bett verbringt oder
wie aus einem Koffer plötzlich die Einzelteile zweier Fahrräder erscheinen, mit
denen später die Stadt erkundet wird.
Ich bin glücklich ein Junkie zu sein
Zwischen Individuum und Kollektiv erspürt Thomas Grube die
entscheidenden Emotionen eines Orchesters und schafft es - wie bereits im
Vorgängerfilm Rhythm is it! - ein intimes aber niemals voyeuristisches
Portrait einer gesellschaftlichen Gruppe zu präsentieren. Einfühlsam schmiegt
sich auch die Filmmusik Simon Stockhausens in die filmische Struktur ein. Die
Klangkompositionen, die auf Originalgeräuschen der Konzertreise basieren, geben
den Bildern eine zusätzliche Authentizität, ermöglichen aber auch eine subjektive
Spannungslinie, die Grube schon in seinen Montagen intendiert hat. Zwischen
Asien und Interview wirkt das Ganze dann teilweise sogar wie ein inszenierter
Spielfilm, der sich um nichts anderes dreht, als um die Wirkung von Musik, denn
diese ist, wie Dirigent Rattle verlauten lässt, „einfach eine unschlagbare
Droge“.
KINOSTART: 8. August 2008
Nobody knows the trouble I've seen.
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