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Vom Kritiker zum Praktiker

2007-04-02 00:13:24

Den Traum, seine Gedanken in kreativer Weise auf die Leinwand zu transformieren, erfüllt nicht nur aktive Filmemacher sondern vor allem auch Rezensenten entsprechender Werke. Die Verbindung von Theoretikern und Praktikern hat deshalb auch eine gefestigte Basis bis in die Gegenwart. Von russischen Visionären und einem amerikanischen Kritikerpapst.

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Das Dasein eines Filmkritikers ist geprägt von der Analyse der Werke anderer Kreativer. Ein Blick in die Filmgeschichte zeigt allerdings – jeder hat es zumindest einmal versucht, seine Vision des Kinos auf die Leinwand zu bringen. Nur wenige mit Erfolg, davon schon gar keine großen Kritiker.

Der Mann mit der Kamera und der Vision
Es soll kein Trugschluss entstehen, denn auch zu Zeiten, als der Film noch nach dem Ton suchte, waren Kritiker und Filmemacher nur selten mit der Erstellung eines künstlerischen Konzeptes beschäftigt. Die Jahrmarkt-attraktion Film war schon immer ein Objekt der Unterhaltung, der einstige Cinematograph hatte nur selten künstlerisch Wertvolles zu bieten.

Es benötigte Kritiker, die selbst zur Kamera griffen und sich mit den Möglichkeiten dieses Mediums beschäftigten. Darunter waren unter anderem Dziga Vertov mit „Der Mann mit der Kamera“ (1929) oder Sergej M. Eisenstein mit seinem brillanten „Panzerkreuzer Potemkin“ (1925). Doch nur wenige Kritiker sollten ihnen folgen, wie etwa der österreichisch-ungarische Béla Balázs, der Leni Riefenstahl bei „Das Blaue Licht“ kreativ unterstützte.

Ende einer Bewegung?
Was Mitte der Zwanziger Jahre begann, hatte seinen Einfluss auf die Entwicklung des Films und sorgte auch für eine wissenschaftlichere und weniger emotionsgeladenere Diskussion. Kritiker, die sich dem praktischen Betätigungsfeld zuwandten, wurden jedoch immer rarer.

Kein Wunder, die existentielle Krise war offenbar überwunden und die Selbstfindung des Films nahm mit dem Wechsel zum Ton eine ungeahnte Dynamik an. Es dauerte bis in die Fünfziger Jahre, ehe sich führende Kritiker wieder mit der praktischen Seite des Films beschäftigten.

Als wichtigstes Aushängeschild zu nennen ist dabei natürlich François Truffaut, der sich bereits im wissenschaftlichen Bereich mit der Anerkennung der verstärkt auftauchenden Gruppe der Autorenfilmer annahm. Seine eigenen Filme, wie „Sie küssten und sie schlugen ihn“ (1959) und selbstverständlich „Jules et Jim“ (1962) zählten zu den einflussreichsten Filmen, die Europa zu dieser Zeit zu bieten hatte. Diese Werke prägten das Auftreten der Nouvelle Vague. Direktes Ergebnis von Truffauts Engagement ist der Neue Deutsche Film rund um einstige Rechtsanwälte und Autodidakten wie Alexander Kluge, Volker Schlöndorff und später auch Rainer Werner Fassbinder.

Offensive der amerikanischen Vertreter
Was bis in die Siebziger Jahre eine rein europäische Angelegenheit zu sein schien, wurde mit 1970 auch von Rezensenten und Historikern von Übersee aufgegriffen. Das Prinzip des „Film in die eigene Hand zu nehmen“ erfüllte eine ganze Generation und sorgte dabei auch für den filmischen und finanziellen Höhenflug Peter Bogdanovichs, der ein Jahrzehnt lang mit Filmen wie „The Last Picture Show“ (1971), „Is was Doc?“ (1972) oder „Paper Moon“ (1973) das Bild des amerikanischen Kinos prägte und seitdem kein brauchbares Werk mehr zu Stande brachte.

Die Generation des „New Hollywood“ entstand aus einer Krise, in der die jungen und unverbrauchten Regisseure die Möglichkeit ergriffen, sich selbst zu erproben und mit alten Stilmitteln zu spielen. Die Früchte dieser Jahre sehen wir in heute noch aktiven Männern wie Steven Spielberg, George Lucas oder Martin Scorsese. Dieser wiederum stützte sich auf die Drehbücher eines einstigen Journalisten namens Paul Schrader.

„Kritiker, bleib bei deinen Leisten“
Doch solche Einzelfälle wie Bogdanovich oder Schrader überdecken die vielfach gescheiterten Bemühungen anderer und ungleich populärerer Kritiker wie des umstrittenen Roger Ebert. Von einigen als Kritikerpapst bezeichnet, hat er selbst drei Ausflüge als Drehbuchautor unternommen und dies mindestens zwei Mal unter einem Pseudonym. Schließlich verfasste er halbgare Geschichten für seinen Freund und Schundfilm-Regisseur Russ Meyer.

Solch eigenwillige Stilblüten zeigen symptomatisch die Unzulänglichkeiten eines sich wissenschaftlich mit Film befassenden Menschen auf. Mel Brooks formulierte es einst boshaft: „Kritiker sind wie Eunuchen auf einer Orgie. Sie verstehen einfach nicht, worum es geht.“

Heimische Absurditäten
Zumindest ein Werk aus heimischen Produktionsstätten mit Journalistenverbindung lässt sich noch nachvollziehen. „Situation“ aus dem Jahr 1973 unter der künstlerischen Leitung von Regie-Debütant Peter Patzak („Kottan ermittelt“) wartete einst mit einem Drehbuch aus der Feder des heutigen Standard-Herausgebers Oscar Bronner und dem Krone-Chef Hans Dichand in einer Rolle auf. Wo genau sich eine Videokopie dieses Dramas auffinden lässt, ist allerdings unklar. Schade eigentlich.

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AutorInnen

Patrick Dorner

Patrick Dorner

Im Jahre 1983 geboren in der Steiermark, führte mich mein Weg über einen Zwischenstopp in Graz zum Studium nach Wien. Die meiste Zeit verbringe ich dennoch im Kino und ich würde lügen würde ich die Freude an dieser Beschäftigung bestreiten.

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