2007-04-02 00:10:50
Die für ihr – im wahrsten Sinne des Wortes – Punk-Verhalten bekannte Grunge-Band Mudhoney aus Seattle beruft sich auf ihrem neuen Album „Under a billion suns“ auf in diesem Genre traditionelle Werte wie dreckige Akkorde, voran treibendes Schlagzeug und rotzfreches Geschrei. Mit dabei aber: Bläser. Und: Reproduktion der alten Schule.
Für jene, denen die vor beinahe sechs Jahren zu Ende gegangenen 90-er schon zu lange her sind: Es war früher - in der Zeit des fast schon wieder vergessenen DIY – besser. Denn früher, und hier sind immer noch die 90-er gemeint, gab es noch Bands wie Nirvana, die Band, dessen Frontman bald das Zeitliche segnete und nicht zuletzt nachfolgenden Bands wie Vines und Strokes bewießen, dass man mit subversiven, ja brachialen Bühnenshows die Blicke, und folgerichtig: die Massen, auf sich ziehen kann. Oder Soundgarden mit ihrem jetzt der kalifornischen Band Audioslave seine Stimme gebenden Sänger Chris Cornell. Doch selbst das Trio Nirvana – man glaubt es kaum – hat seine Vorreiter gebraucht. Darunter zu finden: Mudhoney.
Foto: www.allmusic.com
Einmal Seattle, …
Die am 1. Jänner 1988 ihre erste Probe abhaltende, nach dem im Jahre 1965 von Russ Meyer gedrehten Film benannte Band aus Seattle melden sich dieser Tage wieder mit einem neuen Werk zurück. Dass kein einziges Bandmitglied den Film von Russ Meyer jemals gesehen hat, ist nur symptomatisch; schließlich konnte man die Gitarre nicht gerade sehr elegant zupfen und auch in einer ebenso wichtigen Sphäre namens Konzert war man sowohl naiv genug, Konzerte anzukündigen, ohne die entsprechenden Termin einzuhalten, als auch das Konzert als Probeersatz (Stichwort: Learning by doing) zu nutzen. Schon anhand der Albumtiteln „Boiled Beef and Rotting Teeth“ (Debütalbum; Tupelo, 1989), „Piece of Cake“ (Reprise, 1992) und „My brother the Cow“ (Reprise, 1995) wusste man die Richtung der Seattler Band einzuschätzen: Grunge wie er besser – was in diesem Fall gleichzeitig auch naiver bedeutet – nicht sein konnte. Da kamen wieder vier Jungs und erzählten vom erdrückenden Leben in Holzfällerhemden (auch als Flanell-Hemden bekannt) unter den Bäumen der zahlreichen Bäume im US-Bundessaat Washington. Die Sonne schien ihnen auf den Rücken, das Leben war eine einzige Katastrophe, die nur durch eine Bandgründung wenigstens ein bisschen wettzumachen war. Von dieser Idee nahmen eben auch vier in der Blütezeit der Lebens befindende, junge Männer Gebrauch: Die drei Gründungsmitglieder Mark McLaughlin (Gesang; später nur mehr unter dem Pseudonym „Mark Arm“ bekannt), Steve Tuner (Gitarre), Dan Peters (Schlagzeug) und Matt Lukin, der seit der Gründung 1987 bis 1999 den Bass spielte, dann von Steve Dukich (bis 2001) und darauf von dem aktuellen australischen Bassisten Guy Maddison, der seit dem Jahr 2001 in der Band aktiv ist, ersetzt wurde.
…immer Seattle!?
Mit dieser Besetzung war man sich zuletzt einig darüber, ein neues Album aufzunehmen. Wieder mal – nach 9-jähriger Abstinenz und Ehe mit dem „bösen“ Major-Label Reprise Records – bei dem legendären, für alles Gute stehende Label Sub Pop aus Seattle. So schloss man sich also wieder monatelang im Proberaum ein und probte bis zum nächsten Bier. Das daraus folgende Ergebnis kann sich, zumindest teilweise, sehen lassen: „Under a billion suns“ wurde ein weiches, für diese Band eher ungewohntes Album. Ungewohnt vielleicht auch deshalb, weil sich auf diesem Werk erstmals Bläser mit den konventionellen Instrumenten anfreundeten, was wegen dem Soundergebnis als positiv gedeutet werden muss. Schon auf dem ersten Lied „Where is the future“ wird diese eindeutig gelungene Verbindung hörbar. Auch das melodiös bis emotional daherkommende „I was the light“, dessen Text mit „You went down like a Nuclear bomb“ beginnt, ein Zeichen dafür, dass man mit den alten Tagen nichts mehr am Hut haben will (Im Gegenteil zu Frank Blacks krampfhafte Versuche, an die früheren goldenen Zeiten anzuschließen). Doch genug der Huldigung. Es ist was es ist: Ein unter dem Strich tristes Album mit zuvor schon oft genug gehörten Melodien. Es verhält sich wie mit einem platt gefahrenen Autoreifen, dessen Luft draußen ist. Wieder einmal eine Bestätigung, dass so manche Bands sich nicht weiterentwickeln wollen oder – noch schlimmer: nicht können?
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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