2011-10-16 19:40:28
Von 20. Oktober bis 2. November steht Wien wieder ganz im Zeichen der Viennale. Drei Filmtipps aus feministischer Perspektive.
Dieses Jahr ist es keine Filmszene, die Plakat und Pocketguide der Viennale ziert und somit quer durch die Stadt das größte Filmfestival Österreichs ankündigt. Es ist die feine Silhouette einer Frau, die auf blassem Gelb für knapp zwei Wochen Filmvergnügen steht – eine Skizze von Franz Kafka als Imageträger bzw. eigentlich Imageträgerin. Grund genug reinzuschauen, ins Programm, und mit ein wenig feministischem Blick ein paar Filme vorab zu sichten.
Mama Africa
D/Südafrika/Finnland, 91 Minuten, OmeU, DCP, R: Mika Kaurismäki
Pata Pata hat sie berühmt gemacht, doch Miriam Makeba ist viel mehr als dieser Song, den sie selbst eigentlich gar nicht so gerne mag. „Es geht nur um diesen Tanz und bedeutet sonst gar nichts“, erklärt Miriam Makeba in einem Interview und das passt so gar nicht zu der Südafrikanerin, die sich einen Großteil ihres Lebens aus dem Exil für ihr Land einsetzte und bei der (fast) jeder Song eine Botschaft in sich trägt. „Ich singe nicht über Politik, ich singe die Wahrheit“ war ihre Antwort auf die Frage nach ihren Texten, die sie zu einer wichtigen Figur der Black Empowerment Bewegung werden ließen. Konzertmitschnitte und Interviews – mit Makeba selbst, ihrer Familie und ihrem Umfeld – machen Miriam Makeba in Mama Afrika neben ihrem Engagement vor allem als Person so unglaublich charismatisch und besonders, dass man wünschte, man hätte schon vorher mehr über die Frau gewusst, die zum Vorbild für ein ganzes Land geworden war.
Vorstellungen:
22. Oktober, 16.00 Uhr, Künstlerhaus
23. Oktober, 12.30 Uhr, Gartenbaukino
und demnächst im Kino!
Codependent Lesbian Space Alien Seeks Same
USA 2010, 76 Minuten, OF, Video, R: Madeleine Olnek
Eine etwas ungewöhnliche Kontaktanzeige, die zunächst einmal an eine kreative Gleichgesinnte denken lässt. Doch schnell erfahren die zur Verarbredung Erschienenen, dass das Gegenüber auch in echt ein wenig eigenwillig ist und das „Rollenspiel“ ernster nimmt als zunächst gedacht. Rollenspiel? Keineswegs. Waschechte Aliens suchen die Liebe der Erdlingsfrauen, denn nur mit gebrochenem Herzen ist die Rückkehr zu ihrem Planeten garantiert. Dort ist die Ozonschicht in Gefahr, die – so nimmt man an – von Gefühlen wie der Liebe langsam zerfressen wird. Mit ihrer roboterartigen Sprache, den Kostümen mit Trichterkragen und der Glatze können sie sich zwar unter die Menschen mischen, vor dem eigenartigen Duo einer Spezialeinheit können sie sich allerdings nicht verstecken – und das ist ihnen dicht auf den Fersen. Trashig, in schwarzweiß und als Parodie auf die Alien- bzw. Science Fiction-Filme der 70er-Jahre zu lesen, bleibt die Handlung zwar einfach und vorhersehbar, für fabelhafte Unterhaltung mit dem einen oder anderen laughing out loud hat Regisseurin Madeleine Olnek (beim Screening anwesend!) jedoch gesorgt.
Vorstellungen:
23. Oktober, 23.00 Uhr, Gartenbaukino
29. Oktober, 15.30 Uhr, Stadtkino
!Women Art Revolution – A Secret History
USA 2010, 83 Minuten, OF, Video, R: Lynn Hershman-Leeson
40 Jahre hat Regisseurin Lynn Hershman-Leeson gefilmt und aus den mehr als 12.400 Minuten Footage gerade einmal 83 zu !Woman Art Revolution – A Secret History montiert. 1968 war die Zeit der Anti-Vietnambewegung aber auch gleichzeitig der Startschuss für eine feministische Revolution in der Kunst. Frauen sind unsichtbar und auf die Frage nach drei Künstlerinnen herrscht bei einer Befragung nach Frieda Kahlo gähnende Leere. So formierten sich Frauen, zunächst in Wohnzimmern und später in Institutionen wie Cal Arts, der A.I.R. Gallery oder dem Women’s Building, um gegen die white male dominierten Ausstellungen in den großen Museen sowie auch gegen soziale Missstände wie Vergewaltigung oder Benachteiligung im Job aufzutreten. Berührende wie interessante Interviews von damals und heute werden mit Video- und Bildmaterial der Bewegung, aber auch mit Fotos der Werke ebenjener Künstlerinnen verwoben, die so lange für ihre Anerkennung kämpfen mussten. Und mit B. Ruby Rich, Miranda July oder Shirin Neshat kommen auch drei Frauen zu Wort, deren Namen bei einer heutigen Befragung wahrscheinlich schon fallen würden.
Vorstellung:
2. November, 18.30 Uhr, Urania
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