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Viennale 2010: Eine Rundschau

2010-09-28 13:28:06

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Von 21. Oktober bis 3. November steht Wien wieder ganz im Zeichen des größten Wiener Filmfestivals. Vieles wird noch geheim gehalten, aber die veröffentlichten Eckpunkte lassen schon den Mund wässrig werden.

Im Vergleich zum Vorjahr ändert sich eigentlich nichts an der Viennale. Der Verlängerungstag, der das Programm entzerrt und leichter organisierbar macht, wird beibehalten, das Badeschiff bleibt Festivalzentrum und auf die altbekannte Struktur von Hauptprogramm mit den Inseln Specials sowie Tributes und die Retrospektive im Filmmuseum kann man sich verlassen. Auch auf den Stargast, und die beliebte Festivaltasche (heuer im Spezialdesign zur zehnten!) darf man sich freuen – am 12. Oktober werden auch diese Rätsel gelüftet werden. Das einzige, was sich natürlich ändert, sind die Kategorien füllenden Filme.
 
Hauptfilmprogramm

„Darin besteht der Luxus eines Festivals wie der Viennale, dass man sich frei bewegen kann in all den Formen, Formaten, Ideen und Vorstellungen von Kino. Frei, uneingeschränkt und neugierig“, sagt Hans Hurch, Direktor der Viennale über sein Festival. Rund 130 Langfilme der aktuellen Kinoproduktionen zeigen eine Art „State of Production“ des Weltkinos, wobei Dokumentarfilme ihren narrativen Kollegen um nichts nachstehen. Schwerpunkte liegen innerhalb dieses Korpus auf dem rumänischen Kino, auf Jugendlichen, die in verschiedenen Kulturen und Zusammenhängen über die Leinwand flimmern werden und nicht zuletzt filmische Portraits in Spiel- wie Dokumentarfilmen. Und die Anzahl der Kurfilme wie zum Beispiel von Thom Andersen (Get Out of the Car) oder Sasha Pirker (The Future Will Not Be Capitalist) wird dieses Jahr verdoppelt.

Eröffnet wird die Viennale 2010 mit Des hommes et des dieux von Xavier Beauvois. Im Hauptprogramm finden sich zum Beispiel Manoel de Oliveiras neues Werk O estranho caso de Angélica, Jean-Luc Godards Film socialisme, Olivier Assayas’ aktuelle Produktion Ilich, histoire de Carlos, You Will Meet a Tall Dark Stranger von Woody Allen, Life During Wartime von Todd Solondz und der in Cannes mit der Goldenen Palme prämierte Film Lung Boonmee Raluek Chat von Apichatpong Weerasethakul, von dem auch der diesjährige Viennale-Trailer stammt. Im Dokumentarfilmprogramm gibt es Jonas Mekas Notes on an American Film Director at Work: Martin Scorsese zu sehen, Frederick Wisemans Boxing Gym, Pietro Marcellos La bocca del lupo und Lou Reed wird in Wien persönlich seine erste Regiearbeit Red Shirley vorstellen.
 
Retrospektive

Die Retrospektive beginnt auch dieses Jahr bereits noch vor der Viennale. Von 7. Oktober bis 4. November werden die Werke des im Jänner verstorbenen Regisseurs Éric Rohmer im Wiener Filmmuseum zu sehen sein. Laut Viennale „eine Gelegenheit, eines der schönsten und beglückendsten filmischen Gesamtwerke“ der Zentralgestalt der französischen Nouvelle Vague zu sehen. Neben zahlreichen Spielfilmen werden auch viele seiner Kurzfilme und Arbeiten für das französische Schulfernsehen gezeigt.
 
Specials

Ein Special ist dem kanadischen Filmemacher Denis Côté gewidmet, der 2005 spätberufen seinen ersten Langfilm Les États nordiques realisierte und auf Anhieb den Goldenen Leoparden des Festivals von Locarno gewann. Heute ist er eine zentrale Figur der Filmszene von Quebec und des unabhängigen frankophonen Kinos. Neben seinem Erstling werden drei weitere Filme zu sehen sein.

Das zweite Special widmet sich dem experimentellen Kino von Siegfried A. Fruhauf, der seit mehreren Jahrzehnten wichtige Beiträge zum österreichischen Avantgardefilm liefert. Er entwickelt in seinen kurzen, verdichteten und vielschichtigen Arbeiten ein wunderbares Spiel von Licht, Bewegung und Ton und beschäftigt sich mit den Bausteinen und Wirkungsweisen des Films. Neben den Kurzfilmen von Fruhauf selbst wird auch eine vom Filmemacher zusammengestellte Carte Blanche an ausgewählten Arbeiten von Vorbildern und Kollegen zu sehen sein.
 
Tributes

Dem äußerst erfolgreichen und unabhängigen Regisseur wie Drehbuchautor Larry Cohen ist eines der Tributes gewidmet. Als hartnäckiger Außenseiter im amerikanischen Studiosystem erfand er zu den verschiedensten Genres zwischen Blaxploitationfilmen und Horrormovie, Gangsterfilm und Science-Fiction subversive Varianten und originelle filmische Kommentare. Gezeigt werden Spielfilme, aber auch TV-Serien wie Kraft Mystery Theatre: Night Cry oder Masters of Horror: Pick Me Up. Das zweite Tribute widmet sich einem der bedeutendsten Kameramänner des zeitgenössischen Kinos, der ebenfalls wesentlich die Nouvelle Vague mitprägte: William Lubtchansky. Aus seinen weit über 100 Arbeiten wurden rund ein Dutzend ausgewählt – mit dabei zum Beispiel Philippe Garrels Les Amants réguliers, Jacques Rivettes Merry-Go-Round oder Jacques Doillons Le petit criminel.

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AutorInnen

Mirjam Bromundt

Mirjam Bromundt

Vorarlberg | Wien | Valencia | nach der Publizistik | Grafik | Fotografie | Kreativität | Film | umsetzen | spielen | schreiben | Musik | Patchworkarbeit | interessiert | Chancen | nachdenken | leben

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