Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

kreatives

Viel gebrüllt für nichts, Löwe

2007-12-02 16:27:22

  • Burgtheater loewe winter
  • Burgtheater loewe winter
  • Burgtheater loewe winter

"Der Löwe im Winter" von James Goldmann ist eine der neuesten Produktionen des Burgtheaters Wien. Das Stück bietet Unterhaltung auf hohem Niveau. Die dramaturgischen Effekte erweisen sich jedoch als "Viel Lärm um nichts".

Regisseur Grzegorz Jarzyna verarbeitet den Stoff von Heinrich II (1133-1189), König von England und Herrscher über das so genannte Angevinische Reich, zu einem aktuellen Familiendrama um das hauseigene Finanzimperium.

Jarzyna, Ausgezeichnet für die beste Regie bei der diesjährigen Nestroy Verleihung für seine Medea – Inszenierung, kämpft aufgrund der sehr spannenden Vorlage mit dem Übergang zwischen der realen Hintergrundgeschichte und der aktualisierten Version.

Die Geschichte von Heinrich II liest sich wie ein großes Epos über Aufstieg und Fall, Liebe und Verlust, gewonnene Intrigen und verlorene Richtung. Eigentlich viel zu viel vom Leben, um die Geschichte an einem Abend erzählen zu können.

Berührende Töne in einem zerstörerischen Spektakel

Das Stück selbst wird getragen von einem sehr dunklen Bühnenbild, versehen mit zurückhaltenden Neonleuchten und von der Live – Begleitung der Pianisten Stefan Kallin, Piotr Mania und Leszek Moszdzer, die auf der Bühne ihren Platz am Flügel bekommen. Alleine mit diesen beiden Mitteln gelingt es, den Inhalt des Abends als ein trauriges, hilfloses und zerstörerisches Spektakel darzustellen.

Gleichzeitig sind die steten Klänge auch dafür verantwortlich, dass die Schauspieler weitgehend mit Mikroports am Werk sind, ein Unterfangen, das die BesucherInnen mit Kopfschütteln quittieren. Bei all der funktionierenden Technik schleichen sich dennoch Störungen ein - und was ist schlimmer für eine(n) SchauspielerIn, als wenn seine/ihre Stimme nicht im Publikum ankommt?

Die Welt des Finanzkapitals als rührselige Familiengeschichte


Inhaltlich handelt die Geschichte vom in die Jahre gekommenen Henry (im historischen Original Heinrich II). Sein immenses Vermögen wartet auf seine Erben, doch die Wahl fällt schwer.

Wer soll alles am Kuchen mitnaschen dürfen? Welcher der drei Söhne ist am kompetentesten, welcher in der Gunst des Vaters am weitesten vorne? Wer hat mehr Recht darauf, das Imperium zu übernehmen? Der jüngste, vom Vater vorgezogene John (Johann Ohneland), der kluge, stets seinen Vorteil suchende Geoffrey (Gottfried), oder Richard (Richard Löwenherz), der Älteste, mit der meisten Erfahrung? Und was, wenn der Vater eigentlich noch gar nicht daran denkt, seine Macht abzugeben?

Szene für Szene spielen die SchauspielerInnen ihren Kampf ums Geld ab. Dazu kommen noch persönliche Untergriffe, ausgefuchste Intrigen und ein bisschen Liebe. Kein Wunder, dass die Kritiker (FAZ, Der Standard, Die Presse) in ihren Vergleichen auf Telenovelas zurückgreifen, wenn sie das Stück mit seiner stets vorhersehbaren Entwicklung beschreiben.

„Brothers and Sisters“ im Burgtheater


Der älteste Sohn ist schwul, von der Mutter abhängig und gibt sich nach außen als der brillante Kopf der Familie. Der Mittlere wurde mit zu wenig Fürsorge bedacht, er ist der ewig zu kurz gekommene, der endlich auch mal dran kommen möchte. Der Jüngste ist der Liebling des Vaters, ein notorischer Versager, der sich seine Freunde mit Geld und wilden Parties kaufen muss. Als tanzender Party-Tiger weiß Alban Knoll zu überzeugen.

Philipp Capet (Philipp II) entspricht dem Klischee des großen Beschützers mit ausländischem Akzent und ist der Bruder von Alais (Alice), die wiederum Spielball zwischen Liebe und Heirat ist.

Henry (gespielt von Wolfgang Michael), der Vater, weiß mit seiner Mähne als Löwe zu gefallen, sein Brüllen ist eher sentimental (Sind die Finanzhaie da draußen auch nur Menschen? Oder funktioniert das emotional geprägte Machtspiel in der Welt der Tycoons, wie es Jarzyna inszeniert, einfach nicht?), seine tapsigen Handbewegungen erinnern eher an ein Hauskätzchen als an einen Löwen.

Insgesamt sind die Anspielungen auf einen alternden Löwen doch etwas viel, handelt es sich doch nicht um eine Naturstudie, sondern um einen machthungrigen Vater, der sein Handwerk, andere aufs Kreuz zu legen, noch bestens versteht.

Eine echte Konkurrenz zum Patschenkino


Der Löwe im Winter wird von der Besetzung lässig und leicht, voller einfacher Dialoge gespielt und darüber hinaus von zu persönlichen Abschweifungen einladenden Klavierklängen getragen, sodass es sich um ein äußerst kurzweiliges Stück handelt. Eine echte Konkurrenz zum Patschenkino, denn Reibungsfläche ist hier kaum mehr vorhanden und niemand braucht sich zu fragen, ob er das Stück verstanden hat.

Nicht unterschlagen werden sollte die „perfekte“ Milliardärsgattin, Eleanor (Eleonore, klasse gespielt von Sylvie Rohrer). Sie erträgt die Lügen und Intrigen stets mit Fassung und ist eine wahrhaftige Unterstützerin des erfolgreichen Ehemannes. Gegenüber ihrem um 10 Jahre jüngeren Ehemann, der sie mit der jungen, blonden und naiven Alais betrügt,  weiß sie sich jedoch zu wehren und gibt dem Spiel aus Lügen und Intrigen erst die richtigen Wendungen.

Dem Lügen ein Ende macht nur der Tod. Hier findet sich auch eine Botschaft, denn der Abspann verrät: "Henry starb verlassen von seinen Söhnen 1189"

Der Applaus des Publikums fiel ähnlich sanft aus wie die musikalische Untermalung des gesamten Stücks, vielleicht erwartet sich das Publikum doch ein Mehr an Ambivalenz. „Schlecht finden“ dürfte jedoch eher keine gebräuchliche Bezeichnung für das Stück werden.

Zu sehen ist Der Löwe im Winter noch am 5.,13., 20., 21., 23. und 25. Dezember, am 6., 14., 23. und 30. Januar und am 1. Februar.

Links


Printer Icon



AutorInnen


[kommentar verfassen]

Kommentare




 

11.12.2007
alban

o wie nett

guten tag,
vielen dank für die erwähnung meiner person im "Viel gebrüllt für nichts, Löwe"-artikel.
grüße alban

[antworten]




 

12.12.2007
swot [info]

;-)

gerne

[antworten]




 

22.12.2007
goof

weißzuüberzeugen?

"Als tanzender Party-Tiger weiß Alban Knoll zu überzeugen."

einer der "pickel" genannt wird, aussieht wie ein david aus dem 21 jahrhundert? und er weiß zu überzeugen? weil er in weißen stöckelschuhe gehen und sosnt schlapp herumstehen kann?

was also überzeugt?

[antworten]




 

23.12.2007
swot [info]

schauschau!

mit dem erfolg kommen bereits die neider. aber: ein kritiker täuscht sich nie und mit dieser grazilität über alten burgtheaterboden zu huschen... etc. etc.

[antworten]




 

19.07.2008
alban

weißduvonwemdusprichst?

hier scheint wohl eine verwechslung vorzuliegen.weiße stöckelschuhe trägt mr. sven-pickel genannt.alban knoll-meine wenigkeit hat mit der ganzen chose relativ wenig am hut, aber als tanzbär ist er gerade noch einsetzbar. also bitte, ein bisschen mehr haltung!!
p.s.: deutsche grammatik üben!

[antworten]




 

Akustische Herzensbrecher im Stadtsaal

Neus Outfit gefällig?

Fast schon halb erwachsen - fm5 wurde 9

Switcheroo: Gib mir dein T-Shirt


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop