2010-11-26 01:07:48
Mit leichter Hand erzählt Woody Allen in seinem neuen Film Ich sehe den Mann deiner Träume von der Liebe und ihren Folgen.
Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als der 74-Jährige Alfie (Anthony
Hopkins) eines Tages aufwacht und feststellt, dass er nicht mehr der junge Mann
vergangener Tage ist. Fortan unternimmt er alles, um sich und seine Umwelt vom
Gegenteil zu überzeugen. Die Folgen sind Fitnesstraining, gesunde Ernährung und
die Trennung von seiner Frau Helena (Gemma Jones). Diese ist davon so sehr in
ihrem Selbstwertgefühl erschüttert, dass sie nach einem gescheiterten
Selbstmordversuch und diversen Therapien erst mit Hilfe der Wahrsagerin Cristal
(Pauline Collins) wieder in geordnete Bahnen findet. Denn die prophezeit ihr
eine neue Liebe mit einem attraktiven Fremden.
Die Wege der Liebe
sind unergründlich
Zunächst jedoch wandelt ihr Ex-Mann auf Amors Spuren. Alfie
glaubt im Callgirl Charmaine (Lucy Punch) seine Erfüllung gefunden zu haben und
heiratet sie kurzerhand. Bestürzt darüber ist vor allem seine Tochter Sally (Naomi
Watts). Dabei steht es auch in ihrer Ehe nicht zum Besten. Während sie heimlich
für ihren Chef Greg (Antonio Banderas) schwärmt, flirtet ihr Mann Roy
hemmungslos mit der hübschen Musikstudentin Dia (Freida Pinto) vom Haus
gegenüber.
Liebeschaos
Aus dieser komplexen Ausgangssituation spinnt Woody Allen in
seinem Film Ich sehe den Mann deiner
Träume eine luftige Geschichte um die Irrungen und Wirrungen der Liebe. Scheinbar
nach Lust und Laune folgt er dabei den vier Protagonisten bei ihren von vorne
herein zum Scheitern verurteilten Versuchen, das eigene Leben neu zu ordnen. So
muss Alfie erfahren, dass seine junge Frau ihm nicht immer ganz treu ist.
Helenas attraktiver Fremder entpuppt sich als glatzköpfiger Buchhändler für
okkulte Literatur mit Bindungsangst. Sally stellt fest, dass ihr Chef sich
lieber mit ihrer Freundin vergnügt. Und Roy wird damit konfrontiert, dass seine
Angebetete in Kürze heiraten will.
Keine Spur von
Depression
Trotzdem entwickelt sich beim Zuschauer zu keinem Zeitpunkt
so etwas wie Betroffenheit. Selbst als einer von Roys Pokerkumpeln nach einem
Autounfall ins Koma fällt, tut dies der Leichtigkeit der Handlung keinen
Abbruch. Ausschlaggebend dafür ist in erster Linie der ironisch angehauchte
Tonfall des allwissenden Erzählers, der – wie so oft in Woody Allens Filmen – die
verschiedenen Handlungsstränge miteinander verbindet. Doch auch die
Schauspieler tragen dazu bei, indem sie ihre Personen zwischen Ernsthaftigkeit und
Karikatur anlegen und damit dem Gestus der Geschichte entsprechen.
Kreisen um sich
selbst
Am Ende des Films zeigt sich, dass trotz der einschneidenden
Erlebnisse grundsätzlich keine entscheidenden Veränderungen im Leben der Hauptpersonen
eingetreten sind. Die persönlichen Probleme konnten letztlich nicht gelöst
werden, auch wenn die Liebes- und Lebenspartner sich geändert haben. Das
Shakespeare Zitat, das Woody Allen seinem Film gleichsam als Motto wie auch als
Warnung voranstellt, erweist sich damit als sich selbst erfüllende
Prophezeiung: "Life is a tale told by
an idiot, full of sound and fury, signifying nothing."
KINOSTART: 3. Dezember 2010
Nobody knows the trouble I've seen.
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