"Sie befinden sich auf einer Selbstbedienungsstrecke. Bitte kaufen Sie Ihre Fahrkarte daher vor Fahrantritt beim Fahrkartenautomaten." Und was passiert, wenn man nur einen Hunderter einstecken hat.
Stell dir vor, du bekommst von
deiner Mami einen Hunderter, damit du dir auch in der letzten Woche des Monats
noch Bio-Pizzateig kaufen kannst. Und stell dir jetzt weiter vor, dass du dann
von deiner Mami in Studenzen/Steiermark nach Graz in deine eigene Wohnung
fahren willst. Du bist bescheuert und tust das mit dem Zug. Das Ticket kostet
mit Bahngesellschaftskunden und -kundinnenkarte Viersechzig.
In deine Ohren steckst du die
In-Ear-Kopfhörer, in den Automaten aber sicher nicht den Hunderter von deiner
Mami, weil die Chance auf Wechselgeld gering, das Risiko daher zu hoch ist. Aus
Mangel an Kleingeld wird der Kartenkauf zuversichtlich auf im Zug verschoben.
Dort erklärt der Schaffner, er sei Kontrollor und kein Schaffner, könne also
von dem her keine Karten verkaufen.
Du argumentierst mit "du hättest
schon immer" und "warum könne er als Schaffner nicht einfach". "Genau das ist
der Punkt", sagt er, aus vorher genanntem Grund könne er eben nicht einfach.
Und darüberhinaus wären die Hinweise darauf, dass es sich hierbei um eine
Selbstbedienungsstrecke handle, nicht zu übersehen oder überhören. Jetzt wo er
so deutet nimmst du die Stöpsel aus den Ohren und fragst ihn, warum er
überhaupt so herumfuchtele vor seinem Gesicht. Ob ihn leicht eine Libelle
gestochen hätte.
Die Libelle ist, während der
Kontrollor um Fünfundsechzig bittet - mit Erlagschein wären es Hundert gewesen,
zur Bürokratieaufwandsentschädigung -, was du aber nur mehr periphär wahrnehmen
kannst, jetzt nicht mehr aus deinem Kopf zu bekommen. Libelle, Libelle, Libelle.
Sie war es ja auch, die du in Studenzen überhört hast wie sie "Im Zug
findet kein Fahrkartenverkauf statt" gesagt haben soll.
Das Tracheentier hat mittlerweile auch
die WWF-Patronanz über Chris Lohner inne. Deren beste Rolle war vom Aussterben bedroht und ist jetzt tot. Sie wurde am Samstag, dem 1. September 2001, als
sie ohnehin schon von anderen gespielt wurde, abgeschafft. Seither wirst du von
Promotiontrailern über die nachfolgenden ORF-Sendungen informiert. Darüber
sollte mal einer schreiben, nicht über völlig irrelevante dreißig Jahre
Teletext, findest du. Und Patronanzkind Lohner nervt dich - es liegt bitte nicht an
ihr, ganz im Gegenteil, sondern an dem Stück - derweil am Grazer Bahnhof: "Nicht aufspringen!
Den Stillstand der Garnitur abwarten!" Jetzt stell dir vor, du springst nicht.
Ist 23, studierte Publizistik, lernt jetzt Deutsche Philologie und bildende Kunst, arbeitet für EIKON und fm5.
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Bahngesellschaftskunden und -kundinnenkarte
KundINNEN- und Kundenkarte, wenn schon!!
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