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Versuch einer Anweisung, Erste Nummer

2010-01-27 18:04:17

  • ÖBB Schaffner Ticketing
  • chris lohner Raubkatze

"Sie befinden sich auf einer Selbstbedienungsstrecke. Bitte kaufen Sie Ihre Fahrkarte daher vor Fahrantritt beim Fahrkartenautomaten." Und was passiert, wenn man nur einen Hunderter einstecken hat.

Stell dir vor, du bekommst von deiner Mami einen Hunderter, damit du dir auch in der letzten Woche des Monats noch Bio-Pizzateig kaufen kannst. Und stell dir jetzt weiter vor, dass du dann von deiner Mami in Studenzen/Steiermark nach Graz in deine eigene Wohnung fahren willst. Du bist bescheuert und tust das mit dem Zug. Das Ticket kostet mit Bahngesellschaftskunden und -kundinnenkarte Viersechzig.

In deine Ohren steckst du die In-Ear-Kopfhörer, in den Automaten aber sicher nicht den Hunderter von deiner Mami, weil die Chance auf Wechselgeld gering, das Risiko daher zu hoch ist. Aus Mangel an Kleingeld wird der Kartenkauf zuversichtlich auf im Zug verschoben. Dort erklärt der Schaffner, er sei Kontrollor und kein Schaffner, könne also von dem her keine Karten verkaufen.

Du argumentierst mit "du hättest schon immer" und "warum könne er als Schaffner nicht einfach". "Genau das ist der Punkt", sagt er, aus vorher genanntem Grund könne er eben nicht einfach. Und darüberhinaus wären die Hinweise darauf, dass es sich hierbei um eine Selbstbedienungsstrecke handle, nicht zu übersehen oder überhören. Jetzt wo er so deutet nimmst du die Stöpsel aus den Ohren und fragst ihn, warum er überhaupt so herumfuchtele vor seinem Gesicht. Ob ihn leicht eine Libelle gestochen hätte.

Die Libelle ist, während der Kontrollor um Fünfundsechzig bittet - mit Erlagschein wären es Hundert gewesen, zur Bürokratieaufwandsentschädigung -, was du aber nur mehr periphär wahrnehmen kannst, jetzt nicht mehr aus deinem Kopf zu bekommen. Libelle, Libelle, Libelle. Sie war es ja auch, die du in Studenzen überhört hast wie sie "Im Zug findet kein Fahrkartenverkauf statt" gesagt haben soll.

Das Tracheentier hat mittlerweile auch die WWF-Patronanz über Chris Lohner inne. Deren beste Rolle war vom Aussterben bedroht und ist jetzt tot. Sie wurde am Samstag, dem 1. September 2001, als sie ohnehin schon von anderen gespielt wurde, abgeschafft. Seither wirst du von Promotiontrailern über die nachfolgenden ORF-Sendungen informiert. Darüber sollte mal einer schreiben, nicht über völlig irrelevante dreißig Jahre Teletext, findest du. Und Patronanzkind Lohner nervt dich - es liegt bitte nicht an ihr, ganz im Gegenteil, sondern an dem Stück - derweil am Grazer Bahnhof: "Nicht aufspringen! Den Stillstand der Garnitur abwarten!" Jetzt stell dir vor, du springst nicht.

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AutorInnen

Georg Oberhumer

Georg Oberhumer

Ist 23, studierte Publizistik, lernt jetzt Deutsche Philologie und bildende Kunst, arbeitet für EIKON und fm5.

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