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musik

Verschwitzt aus der Großstadtdisco

2007-04-02 00:10:50

Mit Einsatz minimalistischer Mittel wird auf dem neuen Album „The late night tapes“ von der in obskuren Gefilden tauchenden österreichischen Formation Bunny Lake den notorischen Parametern wie Sex, Herumwanken auf dem Dancefloor und nächtlichen Taxifahrten nach dem Disco-Besuch reichlich Platz gegeben. Schweiß inklusive!

„This is the night of coming home, a broken body, broken bones and empty room, a broken phone…“ wird eingangs im Lied “Let u bleed” eine wohl für jeden Nachtschwärmer bekannte Situation geschildert: Heimkommen von der Disco. Oder besser: Großstadtdisco. Die in diesem Bereich geübte Wiener dunkle Elektro-Formation Bunny Lake geben Stubenhocker, die nächtliches Ausschwärmen meiden wie die Katze das Wasser, Nachhilfe, denn: Fortgehen zahlt sich immer aus! Und: Wer den Club nicht ehrt, ist des Lebens verkehrt!

Anziehende Widersprüche
Wie der Albumtitel „The late night tapes“ bereits suggeriert, handelt das Album von obsessiven Erlebnissen und obszönen Situationen, langem Abtanzen und Taxifahrten. Das passiert alles irgendwo und überall – vor allem aber in New York („Subway“, „Avenues“), dem Mekka der zu betanzenden Clubs. Sämtliches ist  mit Widersprüchen untermalt. Dem Elektronik-Trio rund um Mastermind und Sänger Christian Fuchs, Soundbastler Dr. Nachtstrom und die durch einen Zufall bei Bunny Lake landende Sängerin Suzy on the rocks passiert es nämlich oft, auf zwei entgegengesetzten Schienen zu fahren: „Widersprüche ziehen uns an, sowohl in der Popkultur als auch im wirklich Leben, das spiegelt sich zum einen in unseren Inhalten wider, da geht es nämlich meist um Situationen und Menschen, die uns gleichzeitig faszinieren und abstoßen. Aber auch unser Sound lebt von Gegensätzen. Was für manche unterkühlt wirken mag, birgt mehr Leidenschaft in sich als zuerst angenommen wird“, so Fuchs und Dr. Nachtstrom. Als Vergleich kann hier ein klassischer, in jedem Club dieser Welt stattfindender Widerspruch dienen: Einerseits will der auf dem Dancefloor tanzende Besucher noch bis in die tiefen Morgenstunden zu den Beats schunkeln, andererseits ist die Bar als Ort der Alkoholvergabe auch nicht gerade ein Platz, den er meidet. Widerspruch. Einspruch?


Während sich Suzy on the rocks bei der Bühnenshow 
etwas zurückhält, gibt sich Christian Fuchs die Gurke.
Foto: www.bunnylake.net

„Gimme, gimme, gimme – my suicide kit!“
Kollaborationstechnisch waren – wie so oft – renommierte Personen am Werk: Der Wiener “Electro-Godfather” Gerhard Potuznik, der u. a. bei den Chicks on Speed als Produzent seine Finger im Spiel hat, der New Yorker Underground-Musiker J. G. Thirlwell (aka Foetus), der obskure Wortspenden („Nightwalker“ und „Nightalker PT. 2“) zur Verschnaufspause abgeben darf. Dass mit dieser Zusammenarbeit nicht mehr viel falsch laufen kann, ist definitiv. Ein Beweisstück ist – neben dem letztendlich einzig tanzbaren Lied „All that sex“, dem eher gitarrenlastigen „War against sleep“ und einem langsamen „High heel voodoo“ – der einen Selbstmord nach einem nicht ganz unanstrengenden Disco-Besuch herbeirufende Song „Suicide kit“: „Another junky ride on the Subway ride, looking for a kick and a place to hide…Gimme, gime, gimme – my suicide kit!“

Gib mir meine Selbstmordausrüstung! Auch wenn sich Bunny Lake in Bezug auf die Beats und im Hintergrund brodelnden Klangteppiche auf minimalistische und schon zu abgedroschene, weil zu oft gehörte Stile beruft, so muss jedoch festgehalten werden, dass es dem Trio bestens gelingt, Stimmungen wie nächtelange Taxifahrten und Zusammenbrechen der eigenen Welt sowie düstere Erlebnisse zu beschreiben. Vor dem Einschlafen nach einer durchzechten, chaotischen Nacht sollte man sich diese Platte also noch unbedingt zu Gemüte führen – ob zum aktiven Mithören oder bloß als sanft anmutendes Hintergrundgeräusch…

Das Album „The late night tapes“ von der Wiener Elektronik-Institution Bunny Lake ist ab 24. März im gut sortierten Plattenhandel erhältlich.

Gewinnspiel:

Die Gewinner wurden bereits per E-Mail verständigt. Danke für die zahlreiche Teilnahme.

Bunny Lake live:

18. 3.: Shelter/Wien

24. 3.: Releaseparty – Project Space, Kunsthalle/Wien

25. 3.: Veilchenbar Grazer Forum Stadtpark

25. 3.: Springsix Festival/Graz

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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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