2008-05-25 01:50:17
Noch nicht von der Welt literarischer Betriebsamkeiten ist es schwierig festzustellen, was einem als junge Autorin, als junger Autor abverlangt werden kann und darf. Eine Reportage über Veröffentlichungsmöglichkeiten. Und ihre Bedingungen.
Im Anfang war ... das Wort, das abgedruckte Wort – auf das sich ein Name produziere, reproduziere – einprägsam, um in die Geschichte, die Literaturgeschichte einzugehen. Die Literaturgeschichte hat einen als toten jungen Autor, als tote junge Autorin, involviert, „man war sie selber, als Fetzchen, unaufgefordert“ (Werner Schwab) gehen die Manuskripte, Manifeste eines noch nicht aus der Taufe gehobenen, eines noch namenlosen Potentials, ihre Wege. Etwas verlegen finden sie sich ein, in den Verlagshäusern, in den Redaktionen. Findet sich jemand, der Pate steht für sie, der einspringt als Taufpate für ihre Autorin, ihren Autor?
„Als man noch jung und tot war“ (Werner Schwab)
... konnte man es kaum erwarten, endlich auf die feinsinnige Welt literarischer Betriebsamkeiten zu kommen. Um seine Existenz als Autor, als Autorin behaupten zu können, bedarf es einer gewissen Insistenz: zu investieren gilt es jene symbolischen und ökonomischen Mittel, die es einem ermöglichen, als Autorin, als Autor wahrgenommen zu werden. Im Anfang war, so geht die weit verbreitete Legende, die Entdeckung durch einen Verlag, die erste Drucklegung seiner Texte also. Diese Inauguration als Autor, als Autorin eines bei XY erschienen Werkes allerdings resultiert aus der Arbeit an und in jenen Strukturen, welche die Möglichkeit, seine Texte bei XY zu veröffentlichen, generieren. Bereits die Suche nach jemandem, der sozusagen Pate steht für den ersten, den allerersten zu veröffentlichenden Text, verortet den sich noch im strukturellen Geburtskanal befindenden Autor: in Hinblick auf die in Betracht gezogene Publikationsmöglichkeiten werden eben jene Mittel kumuliert und akkumuliert, die es, nach allen Regeln der Kunst, zu investieren gilt, um auf die Welt literarischer Betriebsamkeiten zu kommen und sich auf sowie in dieser entsprechend behaupten zu können.
Nur, noch nicht von dieser Welt, ist es schwierig, festzustellen, welche Mittel wo zu investieren sind, um, früher oder später, auf und in dieser seinen Platz einnehmen zu können. Für strukturell junge Autorinnen, Autoren ist es also nicht so einfach, auszuloten, worin der Preis – in doppelter Hinsicht: als Maß sowohl für den zu leistenden Einsatz als auch für die Anerkennung als Autor, als Autorin – einer Veröffentlichung besteht.
Zeit-Mittel
Autorinnen und Autoren, die ihre Texte unaufgefordert an Verlage schicken, müssen sich, den entsprechenden Hinweisen auf den verschiedenen Verlagshomepages zufolge, zwischen drei und sechs Monaten gedulden, um schließlich Bescheid zu bekommen: dieser Bescheid beinhaltet – angesichts des Verhältnisses zwischen Anzahl der Einsendungen und Anzahl der daraus resultierenden Veröffentlichungen – höchst wahrscheinlich eine kurze sachliche Absage. Auch von einem möglichen bleibenden Eindruck sollte nicht ausgegangen werden: mit der Zeit finden sich weitere unaufgefordert eingesandte Manuskripte in den Verlagshäusern ein, die ebenfalls gelesen und bearbeitet werden wollen usw. usf. Sechs Monate lang paralysiert der Antwort von Suhrkamp entgegenzufiebern, macht in dieser Hinsicht also wenig Sinn (und bildet auch nicht jenen praktischen Sinn aus, der es einem erlaubt, sich in den Welten literarischer Betriebsamkeiten besser zurecht zu finden):
"Aber es gibt ja andere Möglichkeiten Aufmerksamkeit zu erreichen. Man kann ja auch kleine Schritte machen: bei Wettbewerben mitmachen oder auch Literaturzeitschriften etwas schicken. Bei mir war es mehrmals der Fall, dass mich nach einer Veröffentlichung in einer Zeitschrift oder Anthologie jemand angesprochen hat, ob ich denn nicht Lust hätte, auch dort mitzumachen, dort zu lesen, usw. Man darf nicht zu ungeduldig sein und muss realistisch bleiben. Vor allem aber soll man, glaub ich, eines: lesen und schreiben, beides am Besten täglich." (Constantin Göttfert, Autor, im Briefverkehr mit FM5).
Zeit investiert man aus dieser Sicht also besser darin, sich nach anderen Publikationsmöglichkeiten umzusehen: Ausschreibungen von Literaturwettbewerben Folge zu leisten, sich die jeweiligen Themen anzusehen, unter denen die nächsten Ausgaben verschiedener Literaturzeitschriften erscheinen... sowie darin, an seinem, noch nicht auf die Welt literarischer Betriebsamkeiten gekommenen Text-Korpus zu arbeiten.
Geld-Mittel
Die ökonomischen Mittel, die aufgewendet werden müssen, um sich Zutritt ins literarische Universum verschaffen zu können, scheinen zunächst nebensächlich, von Lebens-, Schreib- und Leseerhaltungskosten abgesehen. Zur Hauptsache werden Geld-Mittel dann, wenn man sich an den Druckkosten für die Veröffentlichung seines Textes zu beteiligen hat: so genannte Druckkostenzuschuss-Verlage bieten oft recht schnell und – scheinbar – unkompliziert die Möglichkeit, seine Texte in Buch-Form zu bringen, sofern man eben bereit bzw. in der finanziellen Lage ist, einen Teil der anfallenden Druckkosten zu übernehmen.
Der Novum-Verlag, der u.a. eben solche Kostenbeteiligungsmodelle vorsieht, versteht sich demnach auch „als Dienstleistungsverlag“ (Manfred Kantor, Novum-Verlag, im Briefverkehr mit FM5), der im Rahmen seiner „Partnermodelle“ sich das „kaufmännische Risiko“, das die „Inverlagnahme von JungautorInnen“ darstellt, mit den Autoren und Autorinnen teilt.
Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass die Zusammenarbeit zwischen Verlag und Autorin, Autor im Rahmen so genannter Kostenbeteiligungsmodelle auf anderen Voraussetzungen basiert als jene, um die sich die etwas verlegen, unaufgefordert eingesandten Manuskripte bemühen: im Grunde handelt es sich, im Falle einer Veröffentlichung bei einem Druckkostenzuschuss-Verlag, um den Erwerb einer Dienstleistung. Kalkuliert wird, anhand der jeweiligen Kostenbeteiligungsmodelle, relativ kurzfristig und streng ökonomisch: je nachdem, wie das Absatz-Potential eines Textes auf ‚dem Markt’ (der sich ebenfalls vor allem nach ökonomischen Gesetzmäßigkeiten strukturiert) eingeschätzt wird, hat sich der Autor, die Autorin an den Produktionskosten zu beteiligen. In diesem Sinne wird sozusagen auf kurze Sicht in die Autorin, den Autor investiert. Verlage wiederum, die auf längere Sicht in ihre Autoren, ihre Autorinnen investieren, die also eher daran interessiert sind, ihren Autorinnen, ihren Autoren auf ‚dem Markt’ (der sich in diesem Fall vor allem nach symbolischen Gesetzmäßigkeiten strukturiert) einen Namen zu machen, um schließlich selbst von dieser Reputation zu profitieren, orientieren sich vielmehr am Spiel jener Kräfte, die in der Welt literarischer Betriebsamkeiten wirksam sind.
Verlagspraxis...
In dieser Hinsicht warnen auch AutorInnen-Vertreter und –Gemeinschaften dezidiert vor Veröffentlichungen in so genannten Druckkostenzuschuss-Verlagen:
"Der größte Nachteil von Selbstzahlerverlagspublikation ist, daß sie von vornherein als zweite bis letzte Wahl gelten. Aus dem ganz einfachen Grund, es kann jeder und jede, der oder die für seine oder ihre Publikation zahlt, auf diese Weise zu einer Verlagsveröffentlichung kommen. Denn darum geht es ja, daß Selbstzahlerverlage ihren Autor/inn/en „verkaufen“, daß es sich um eine Verlagsveröffentlichung handelt, also nicht nur um die Herstellung eines Buches. So gesehen, ist es besser, das Buch im Eigenverlag zu veröffentlichen und selbst zu bewerben und zu verbreiten, denn auf mehr als auf „Gleichgesinnte“, die ebenso für ihre Veröffentlichung bezahlt haben bzw. bezahlen haben müssen, trifft man/frau mit seiner Veröffentlichung in einem Selbstzahlerverlag auch nicht." (Gerhard Ruiss, IG-AutorInnen, im Briefverkehr mit FM5)
Eine Buch-Publikation in einem Druckkostenzuschuss-, bzw. Selbstzahlerverlag sei also lediglich „eine sehr private Angelegenheit“ (Gerhard Ruiss). In diesem Sinne kommt man auch im Falle einer Veröffentlichung nicht unbedingt auf die Welt literarischer Betriebsamkeiten.
Um nun als Autor, als Autorin wahr- d.h. eben auch ernst genommen zu werden, geht es nicht nur darum, dass man seine Texte veröffentlicht, sondern auch darum wo sie veröffentlicht werden. Ein Ortswechsel in diesem Sinne ist nicht immer unbedingt möglich: auch wenn man sich an den Produktionskosten beteiligt und die Veröffentlichung seiner Texte mitfinanziert hat, verfügt der jeweilige Verlag trotzdem über Lizenz- und Nutzungsrechte, die ein anderer Verlag, in dem man vielleicht seine Texte unter anderen Voraussetzungen veröffentlichen könnte, erst erwerben müsste.
... de jure
Neben den, je nach dem, vordergründig ökonomisch oder symbolisch motivierten Interessen, basiert die Zusammenarbeit zwischen Verlag und Autorin, Autor auch auf einem rechtlichen Rahmen, dem in Form eines Vertrages Ausdruck verliehen wird. Anhand dieses Vertrages wird dem Verlag ein gewisser Rechteumfang eingeräumt, wofür der Urheber, die Urheberin entsprechend abgegolten wird:
"In einem seriösen Verlagsvertrag wird dem Verlag das Recht zur Vervielfältigung und Verbreitung eingeräumt und eine Entgeltregelung in Form einer Tantiemenzahlung (prozentueller Anteil am Verkaufspreis der verkauften Exemplare) an den Autor/die Autorin vereinbart (bei Editionen gelegentlich auch in Form eines Kontingents der Auflage). Die Nebenrechte (Übersetzung, Vertonung, Verfilmung, Aufführung, Taschenbuch etc.) müssen einzeln angeführt sein und können dem Verlag entweder eingeräumt werden oder nicht. Sie werden bei Rechtseinräumung an den Verlag gesondert abgegolten und bei Anbahnung durch den Verlag manchmal 50 zu 50, manchmal 60 zu 40 zugunsten des Autors/der Autorin geteilt, bei Anbahnung durch den Autor oder die Autorin 2/3 bis 3/4 für den Autor oder die Autorin, 1/3 bis 1/4 für den Verlag.
Verpflichtungen in Verlagsverträgen drücken sich in Muß-Bestimmungen (definitiven Festlegungen) aus, Kann-Bestimmungen (Absichtserklärungen) verpflichten zu nichts." (Gerhard Ruiss, IG-AutorInnen, im Briefverkehr mit FM5)
Der Preis, der im Falle eines ungünstig abgeschlossen Verlags-Vertrages zu bezahlen wäre, kann demnach sowohl in einschränkenden, seitens der Autorin, des Autors vielleicht gar nicht beabsichtigten rechtlichen Verbindlichkeiten, als auch in einem erheblichen finanziellen Aufwand bestehen: Vorsicht ist, den IG-AutorInnen zufolge, jedenfalls geboten, wenn unverhältnismäßige hohe Tantiemensätze (von 20%, 30% und mehr) vertraglich verankert werden mit der Begründung, dass in dieser Form die Produktionskosten-Beteiligung wieder eingenommen werden könne. In der Regel decken die Einnahmen durch den Verkauf – trotz des hohen Tantiemensatzes – nicht die Kosten, die dem Urheber, der Urheberin durch die finanzielle Beteiligung an den Druckkosten erwachsen sind. Die IG-AutorInnen bietet jedenfalls jedem, jeder kostenlos und unabhängig von einer Mitgliedschaft in AutorInnenvereinigungen die Überprüfung von in Österreich abgeschlossenen Verlags-Verträgen an.
... de facto
Die wenigen Ausnahmefälle, in denen tatsächlich ein unaufgefordert eingesandtes Manuskript seinen Verlag findet, bestätigen lediglich die Regel, dass die meisten Autorinnen und Autoren auf Umwegen (und nicht: auf dem direkten Postweg) zu ihren Verlagen finden:
"Wie alle Verlage besteht der große Teil von Manuskripten, die bei uns eintreffen, aus den unaufgefordert eingesandten, von denen jedoch nur ein geringer Prozentsatz auch wirklich veröffentlicht wird. Wichtig sind für uns Empfehlungen von anderen Autoren und Kollegen aus der Branche, man wird aber immer wieder auch in Literaturzeitschriften und bei Festivals und Bewerben auf neue Autoren aufmerksam. Entscheidend ist meiner Meinung nach eine gute Vernetzung und Präsenz im Literaturbetrieb, um immer wieder junge Autoren entdecken zu können, die gerade am Beginn ihrer literarischen Laufbahn stehen." (Valerie Besl, Haymon Verlag, im Briefverkehr mit FM5)
Mit der Entdeckung junger Autoren machen Verlage sozusagen auch Programm: ob sein Text nun in ein bestimmtes Verlagsprogramm passt oder nicht, lässt sich weniger den oft auch ausführlich auf den jeweiligen Homepages dokumentierten Verlagsgeschichten entnehmen, als durch zunächst indirekten Kontakt feststellen – Publikation in/ Lektüre von gewissen Literaturzeitschriften, gewisse gemeinsame Bekanntschaften, gewisse gemeinsame Lektüre/ Publikations-Räume.
Während die Kriterien, denen zufolge ein Text programmgemäß in Betracht gezogen wird, in dieser Hinsicht implizit sind, finden sich auch, bei anderen Verlagsmodellen, wie dem Proviant-Buch Verlag, explizite Kriterienkataloge hinsichtlich der formalen Manuskriptgestaltung und, überraschender Weise, dezidierte Aufforderungen, seine Texte in entsprechender Form an den Verlag zu schicken:
"Was unseren Aufruf angeht, schränken wir diesen ja auch ein: Erstens, indem wir auf unsere Formatanforderung hinweisen, und zweitens richtet er sich gezielt an neue und weitestgehend nichtorganisierte Schriftstellerinnen und Schriftsteller, von denen wir annehmen, dass sie grundsätzlich mehr Mut und Zuversicht zugesprochen bekommen sollten." (Nurdan Erkmen, Proviant-Buch Verlag, im Briefverkehr mit FM5).
Die Voraussetzungen, um zu seiner Veröffentlichung zu kommen, scheinen in diesem Fall transparenter und zugänglicher zu sein als jene, die im Rahmen einer „guten Vernetzung und Präsenz im Literaturbetrieb“ entwickelt und erfüllt werden können.
Neben dem vertraglich zugesicherten Rechteumfang, wird den Autoren, den Autorinnen, die ihre Texte bei einem Verlag veröffentlichen möchten, auch – und in jedem Fall – de facto etwas – mehr oder weniger – Bestimmtes abverlangt: zum Einsatz zu bringen sind, je nachdem, ökonomische Mittel, die Arbeit an einer gewissen, der Zusammenarbeit mit einem Verlag vorausgehenden Präsenz in und auf der Welt literarischer Betriebsamkeiten, gewisse Zugeständnisse an die Gestaltung, den Umfang, seiner Texte. Auf dem Spiel steht dabei jeweils eine Positionierung, die, während sie einen Text-Korpus sozusagen zur Welt bringt, andere Zugänge erschwert bzw. ausschließt. Mit der kostspieligen Veröffentlichung in einem so genannten Druckkostenzuschuss-Verlag wird man kaum in jener Welt literarischer Betriebsamkeit wahrgenommen, die in den Feuilletons einen ihrer Schauplätze konstituiert; für jene Umwege wiederum, auf denen man zu symbolisch höher dotierten Verlagen kommt, gilt es, eine längere Vorlaufzeit in Kauf zu nehmen, um, endlich, seine Texte in Buch-Form bringen zu können; ein enger formaler Rahmen wiederum prägt, noch vor dem Lektorat, die Vorstellungen davon, in welcher Form ein Text realistischer Weise veröffentlicht werden kann.
Umwege
Ein Autor, eine Autorin kommt also nicht ‚einfach so’ – unbedingt und unbedarft – zur Welt literarischer Betriebsamkeiten: Im Anfang war nicht die Entdeckung durch einen Verlag, der zumeist, wie dargestellt, bereits eine gewisse Präsenz im Literaturbetrieb vorausgeht, sondern eine ganze Reihe von Entscheidungen, Zufällen und Positionierungen, die bewusst vorgenommen wurden oder sich, wie man sagt, ergeben haben. Der eine literarische Karriere initiierende Augenblick kann in dieser Hinsicht immer nur rückblickend festgestellt und konstruiert werden. Die Umwege zu seriösen Verlagspublikationen können über Veröffentlichungen in Zeitschriften, über Auftritte bei Veranstaltungen, Beteiligungen an Wettbewerben, Internetpräsenz usw. führen.
Constantin Göttfert hat seinen Verlag auf dem Umweg über eine Literaturzeitschrift gefunden. Wie er denn überhaupt auf die Idee gekommen sei, der vom Literaturhaus Salzburg herausgegebenen Erostepost seinen Text anzubieten....
"Naja, ganz einfach: weil ich einen Text hatte, der zum Thema gepasst hat. Die meisten Zeitschriften geben ja ihre Ausgaben unter einem bestimmten Thema heraus. Ich hab mir das im Internet angesehen. Und bei diesem dachte ich: Da hast du was geschrieben, was rein passen könnte. Monate danach hat mich dann Dirk Ofner vom Literaturhaus Salzburg angerufen. Beim ersten Anruf meinte er, dass er den Text gern in der Erostepost drucken würde. Dann hat er ein paar Tage später nochmal angerufen, mich zu einer Lesung mit Robert Schindel eingeladen. Und dann noch einmal (wie verrückt klingt denn das? Aber das war wirklich so!), ob ich nicht etwas für einen Verlag hätte. Das war dann der Arovell Verlag – und meine erste Buchveröffentlichung." (Constantin Göttfert, Autor, im Briefverkehr mit FM5)
Dimitré Dinev hat, wie er in einem FM5-Gespräch mit Lukas Ertl erzählt, den Umweg über die Teilnahme an Literaturwettbewerben genommen – über einen Umweg,
"der nicht wirklich ein Umweg ist, weil du dich darin erprobst, du schreibst nicht für die Schublade, sondern du hast ein Ziel, und wenn du nicht gewinnst, dann bleibt eine Geschichte und dann kommt die Nächste und die Nächste. Und irgendwann hast du wirklich viel anzubieten." (Dimitré Dinev).
Nachdem er den exil-Literaturpreis „Schreiben zwischen den Kulturen“ gewonnen hat, hat Dinev in Österreich, in der edition exil, zu veröffentlichen begonnen. Die edition exil selbst ist aus einer Schreibwerkstatt und den Ergebnissen des ersten exil-Literaturwettbewerbes 1997 hervorgegangen. Erschienen sind in der edition exil demnach auch vorwiegend Texte von Autoren, Autorinnen, die in den vergangenen zehn Jahren mit dem exil-Literaturpreis ausgezeichnet worden sind:
"Natürlich kommen immer wieder auch unaufgefordert Manuskripte an uns.
Wir verweisen in diesem Fall darauf, dass die edition exil ein sehr kleiner Verlag ist, dass unser Budget maximal 4-5 Publikationen jährlich zulässt, und dass wir deshalb unser Programm meist schon für die nächsten 2 Jahre fixiert haben. Wir empfehlen den AutorInnen entweder andere Verlage und verweisen auch auf die Möglichkeit, einen Teil des Manuskriptes (max. 20 seiten) bei unserem exil - Literaturwettbewerb einzureichen. Sollte die Jury sich für eine Prämierung des Textes aussprechen, ist eine spätere Gesamtpublikation des Textes eventuell möglich. (bzw. eher in den bereich des Möglichen gerückt.)" (Christia Stippinger, edition exil, im Briefverkehr mit FM5)
Umwege erhöhen auch in der Welt literarischer Betriebsamkeiten die Ortskenntnis und schärfen jenen Orientierungssinn, der es erlaubt, sich in seinen jeweiligen Bereichen des Möglichen, also hinsichtlich seiner Möglichkeiten, bestimmte Mittel zu investieren, um auf einem nach gewissen Gesetzmäßigkeiten strukturierten ‚Markt’ einen bestimmten Preis zu erzielen, zurecht zu finden. Der Lebenslauf einer Autorin, eines Autors – von seiner Inauguration bis zu seinem Tod, der, bekanntlich, erst mit einem hohen strukturellen Alter eintritt, nämlich dann, wenn sein Text-Korpus Eingang gefunden hat in Literaturtheorie-Seminare – liegt nicht zwischen zwei Unendlichkeiten: auch der Anfang hat, irgendwo, seinen Anfang genommen. Sich jene Bedingungen vor Augen zu führen, unter denen sich dieses ‚Irgendwo’ als Ausgangsort der Möglichkeit, seine ersten Texte zu veröffentlichen, konstituiert hat, setzt die verbreitet Legende außer Kraft, dass sich eine Veröffentlichung um jeden Preis lohne.
wir müssen uns sisyphos als einen glücklichen menschen vorstellen
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WOW
finde ich einfach nur großartig, dass du dieser frage so intensiv nachgegangen bist. nur die links zum briefverkehr funktionieren nicht oder ich verstehe es nicht...
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Erledigt
Problem mit den Links gelöst :-)
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Super Artikel!:)
Liebe Eva!
Danke für diesen toll-geschriebenen und wunderbar recherchierten Artikel. Ich fühle mich verstanden ...
Sonnige Grüße!:)
*Cheers,Nadia
[antworten]