2007-04-02 00:10:54
Kuhglocken, Händeklatschen, Disco taugliche Keyboardsequenzen und ein den korrekten Beat vorgebendes Schlagzeug: The Rapture aus New York wenden sich mit ihrem neuen Album „Pieces of the people we love“ an das tanzbegeisterte Publikum – man kann ja nicht ewig heulen.
Kurze Ruhe vor dem Sturm. Plötzlich verlautbaren sich hohe Männerstimmen. Eine Kuhglocke mischt sich in das Soundgemenge ein und auch ein den Takt bestimmendes Schlagzeug im Disco-Stil setzt ein. Eigentlich könnte man aufgrund der hier getätigten Analyse des ersten, „Don Gon do it“ heißenden Songs vom neuen Album „Pieces of the people we love“ des Quartetts The Rapture aus New York schon einen finalen Abschluss der Albumbesprechung markieren. Eigentlich. Denn eine Formation wie The Rapture ist viel zu schlau um verbal abgeschoben zu werden.
Könnten ihrem Aussehen nach locker die Strokes geben, aber soundtechnisch doch auf einer anderen musikalischen Ebene: The Rapture. Foto: www.vertigo.fm
Explosiver Soundmix
Die Entstehungsgeschichte der Band liest sich wie die eines 60-jährigen Songwriters, der schon viel durch die Welt gekommen ist: San Francisco, Seattle und New York sind die Lebensstationen, in die man bereist mindestens einen Fuß gesetzt hat. 1998 gab die aus San Diego stammende, damals nur aus Gitarist und Sänger Luke Jenner und Schlagzeuger Vito Roccoforte bestehende Band in San Francisco ihr erstes richtiges Konzert. Danach lernte man bei einem Konzert in Washington D.C. den zukünftigen Bassisten Mattie Safer kennen, der später mit ihnen in den metropolischen Großen Apfel zog, weil er sowieso vorhatte, dort Bass zu studieren. Im Jahre 2001 produzierten die bereits groß im Pop-Raum stehenden leptosomen Jungs ein sechs Lieder umfassendes Album unter dem Titel „Out on the Races and onto the Tracks“ auf dem verdienten Label Sub Pop; dafür zog man sich den Plantain Recordings-Gründer James Murphy zu Rate und ließ ihn am Werk mitbasteln. Es zahlte sich aus, denn von nun an war ihnen eine große Zukunft vor die Füße gelegt: 2003 veröffentlichten sie ihr erstes richtiges, auch bei sämtlichen Musikjournalisten Eingang findendes Album „Echoes“, auf dem sie es zu verstehen wussten, House mit Punk, Soul und einer Brise kräftigem Rock ins Ehebett zu bringen. Die Band wurde zurecht gelobt und zudem einem tanzwütigem Publikum bekannt. Denn anders als die in diesem Bereich müßiggängerisch wirkenden The Strokes versuchten sich The Rapture von Anfang an als innovative, den Rock in die Disco schleppende Band, die vor keinem Klang zurückschreckt.
Nach einem Jahr Auszeit (auch unter kreativer Schaffenspause bekannt), die man der Band durchaus gönnte, haben sie wieder dem nicht ganz unanstrengenden Musikeralltag gefrönt und mit ihrem neuen Album „Pieces of the people we love“ reichlich Distinktionsgewinn dazu gewonnen. Weil die im Vorjahr gefundene, famose Produzentenmannschaft rund um Paul Epworth (Bloc Party, Futureheads), Danger Mouse (Gorillaz, Gnarls Barkley) und Remixer Ewan Pierson (Franz Ferdinand, Depeche Mode, Goldfrapp) bei der Albumproduktion beteiligt war, konnte sich der aufgeklärte, an wenigstens ansatzmäßig futuristisch klingender Popmusik interessierte Hörer wohl schon zuvor ein Bild von dem Sound (was für ein Wortspiel!) des bald erscheinenden Werkes machen; denn dass es ein Album nur mit reiner stupider Rock`n`Roll-Attitüde der heute eh so zahlreich in die Welt gedrungenen Formationen werden würde – davon musste nicht ausgegangen werden. Ganz im Gegenteil.
Narkotisches Gebräu
Schließlich fordert man hier doch eine Änderung der bestehenden musikalischen Verhältnisse in Form einer zu deutlichen Fadesse, indem andere Elemente tonaler Ausprägungen eingebaut werden, um daraus ein narkotisches Gebräu in bester Disco-Manier zu fabrizieren. An dieser Stelle sei der Song „The Sound“ empfohlen, dessen Soundfläche wohl wie keine andere verdeutlicht, dass Disco und Rock gut miteinander können. Aber auch der dann eher – vor allem im Vergleich zu den sonstigen – subtil anmutende, die Launen eines Urlaubs beschreibende Song „Get myself into it“ (wir erinnern uns: auch im Video dazu wird getanzt!) klingt verdammt gut. Natürlich: Vorne ist hinten. Und neu ist nicht neu! Aber einer sich weit aus dem Fenster lehnenden Band, die vor allem nach vorne schaut, muss dieser positiv zu deutende Schritt angerechnet werden. Use the new, fuck the old! Immer weiter nach vorne ausbrechen, Konventionen den Mittelfinger entgegenstrecken und aus dem Schatten ausbrechen, so wie es die vier sympathischen Buben am Cover vormachen: Das sind The Rapture!
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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