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Ungerechtigkeitsblog: Ich & die Drogenfahnder

2010-02-15 20:46:31

  • weed ganja
  • weed ganja

Warum Eile am Bahnhof eine schlechte Idee ist, man bitte auch bei Schneeregen keine Kapuze aufsetzen und geschenkten Tee in Zukunft zu Hause lassen sollte.

Ja, ich gebe es zu. Vermutlich fällt mein Äußeres unter die von Karl Lagerfeld in den 90ern heiß geliebte Kategorie: "Heroin Chic". Noble Blässe, die man weniger euphemistisch auch als ungesund bezeichnen könnte – große Augenringe, matt glänzende, verwuschelte Haare.

Aber: Ich habe mir dieses Aussehen nicht durch jahrelangen Missbrauch von Substanzen hart erarbeitet. Ich bin einfach so. Ich verbringe meine Nachmittage eben lieber mit Kaffee und Tschick in der Hand neben dem Plattenspieler und vor dem Computer als mit Freunden im Freibad.

Von illegalen Drogen bin ich also mindestens genauso weit entfernt wie braungebrannte Sunnyboys oder durchtrainierte Freizeitsportler, auch wenn diese wohl um einiges gesünder und fitter aussehen. Nahezu straight edge entspanne ich ab und zu bei einem Bier; oder einem Jägermeister, wenn ich in Feierlaune bin.

Was ein Besuch bei Verwandten so mit sich bringt


Die Wege des Schicksals  – oder besser gesagt der österreichischen Polizei  – sind allerdings unergründlich. So wie die Jungfrau zum Kind kommt, gelangte ich in eine Drogenrazzia. Und das war so: 

Alle zwei bis drei Monate verbringe ich ein Wochenende in Linz, um "Braves" und "Unschuldiges" zu tun: meine Oma im Pflegeheim zu besuchen, eine Weile mit meinen Eltern abzuhängen und alte Freunde wieder zu sehen. Wie schon an Wochenenden zuvor, plane ich also meine Abreise für Sonntagnachmittag ein. Ich checke noch schnell im Internet, ob mein Zug wie geplant abfährt und sehe, dass schon jetzt über eine halbe Stunde Verspätung angekündigt wird.
Da ich keine große Lust habe so lange zu warten, beschließe ich, den früheren Zug zu nehmen. Ich packe dementsprechend gehetzt meinen Rucksack und eile zum Bahnhof.

Eine Rolltreppe führt zum Eingang des Linzer Bahnhofs. Zwischen Rolltreppe und der Eingangstür ist ein kleiner überdachter Platz. Hier sammeln sich allerlei Gestalten: Junge Erwachsene, die vermutlich der FPÖ ganz besonders ein Dorn im Auge sein dürften. Oder, politisch korrekt ausgedrückt: junge Erwachsene mit Migrationshintergrund.

Unter Verdacht


Froh, von ihnen ignoriert zu werden, eile ich an der Gruppe vorbei. Schon bin ich in der Haupthalle. Plötzlich spricht mich ein dicklicher, ungepflegter Mann an, den ich im ersten Moment für einen zigarettenschnorrenden Obdachlosen halte. "Moment einmal, junger Herr. Personenkontrolle."

Na super. Mein Zug geht in zehn Minuten. "Kommen’s mit bitte?" Außer einem zittrigen "Womit begründen Sie das bitte?" bringe ich nichts heraus. Nach meiner kurzen Erleichterung, dass der Weg anscheinend nicht aufs Revier geht, kommt der nächste Schock: Ich bemerke entsetzt, dass die Beamten mich zu dieser Gruppe von vermummten, subtil-aggressiv wirkenden Jugendlichen bringen. "Können Sie jemanden aus dieser Gruppe identifizieren?" fragt mich der Mann. Natürlich nicht. "Die stehen da rum, ich bin vorbeigelaufen", lautet meine Antwort. "Aha aha" – meint der Polizist. Mittlerweile sind drei Kollegen dazugekommen, man führt mich wieder in die Bahnhofshalle – gemeinsam mit der Gruppe, in der mittlerweile auf mindestens drei bis vier vermutlich osteuropäischen Sprachen geschimpft wird.

Vorgeführt


Als wir mitten in der Bahnhofshalle ankommen, erklärt uns (Ja, mittlerweile fühle ich mich selbst den Verdächtigten zugehörig) ein anderer Polizist plötzlich, wir sollten uns jetzt an der Wand aufreihen. So finde ich mich auf einmal als Teil einer Menschenreihe wieder. Ich habe das Gefühl, in einem schlechten US-Kriminalfilm mitzuspielen.

Der dickliche Polizist, der mich "aufgegabelt" hatte, muss mittlerweile erkannt haben, dass ich als einziger der "Drogendealer" eloquent Deutsch spreche. Denn ich darf mich aus der Reihe entfernen und werde etwas abseits weiter untersucht. Oder besser gesagt: meine Tasche, in der sich die typischen Mitbringsel eines Besuchs bei Verwandten befinden – Schokolade, Nüsse, Bücher. Als ich mich bei dem Gedanken ertappe, dass meine Tasche klischeehaft gefüllt ist und mich das erst recht verdächtig machen könnte, erregen zwei Objekte darin die besondere Aufmerksamkeit des Inspektors.

Drogen im Willi Dungl - Tee


Man mag es kaum glauben: ein originalverpackter Willi Dungl "Schlaf Gut"-Tee. Anscheinend ein beliebtes Versteck für Marihuana, denn der Ermittler reißt ohne zu zögern die Packung auf, nimmt einen Teebeutel und beginnt mit einem bizarren Gesichtsausdruck daran zu riechen. Fast enttäuscht legt er den Tee zurück, um sich der Alufolie zu widmen. "Was is’ denn bitte da drunter? Sind Sie schon einmal wegen einem Drogendelikt verhaftet worden?", nuschelt er in meine Richtung. Meine trockene Antwort: "Wiener Schnitzel und nein, noch nie." Das muss natürlich ordnungsgerecht kontrolliert werden: Ersteres, indem der Beamte die Schnitzel auspackt (aber nicht daran riecht) und meinen Namen und meine Sozialversicherungsnummer quer durch den Bahnhof in Richtung seines Kollegen ruft, der diese Daten in einen Laptop eintippt.

Nachdem auch dies keinen Beweis für meine Schuld bringt und ich ein "Bitte, der Zug fährt jetzt wirklich" an den Polizisten richte, lässt dieser mich endlich gehen. Keine Sekunde zu früh. Denn aus den Augenwinkeln beobachte ich, wie die Drogenfahnder ein Päckchen mit braunem Pulver aus der Jackentasche eines anwesenden Jugendlichen ziehen und ein Tumult ausbricht.

Ende Gut, Magengeschwür da


Ich erwische sogar noch meinen Zug. Aber: Im Zug sind wieder Drogenfahnder unterwegs. Nur haben die offenbar mein wütendes Telefongespräch, in dem ich meinem Ärger Luft mache, mitgehört. Sie ersparen mir eine weitere Untersuchung.

So endet mein erstes und hoffentlich letztes Erlebnis mit der Drogenpolizei noch einigermaßen glimpflich. Es hat mir neben einem Magengeschwür wenigstens den festen Vorsatz gebracht, doch mal in die Sonne zu gehen.

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AutorInnen

Fabian Schmid

Fabian Schmid

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Kommentare




 

01.03.2010
Christian [info]

das war so...

das festival war vorbei, wir waren in bayern mit zwei autos unterwegs.
der parkplatz des festivals war etwa 4km entfernt vom festivalgelände.
für gelände hatte ich nen carpass; also haben wir unser gesamtes zeug in mein auto verfrachtet, sind dann zum parkplatz und haben umgeladen.
dort war noch ein junger herr, und dieser wollte zum festival gelände geführt werden.
ein freund von mir war so freundlich u hat ihn hingebracht - vollgepackt mit matratze und allem drum u dran. was man eben für ein luxuscapming so braucht ;)
dann hat ihn die polizei aufgepickt. das gesamte auto durchsucht. das hat über ne stunde gedauert. natürlich nichts gefunden da auch nichts drinnen war.
nur: das dürfen sie gar nicht. auto durchsuchungen sind so wie hausdurchsuchungen. ohne richterlichen beschluss geht da nichts; sie müssten zumind einen schnellrichter anfunken.
den kaufpreis des tee würde ich im übrigen einfordern; weil es war ja ein geschenk u es wurde aufgerissen.

[antworten]




 

01.03.2010
Christian [info]

das war so...

das festival war vorbei, wir waren in bayern mit zwei autos unterwegs.
der parkplatz des festivals war etwa 4km entfernt vom festivalgelände.
für gelände hatte ich nen carpass; also haben wir unser gesamtes zeug in mein auto verfrachtet, sind dann zum parkplatz und haben umgeladen.
dort war noch ein junger herr, und dieser wollte zum festival gelände geführt werden.
ein freund von mir war so freundlich u hat ihn hingebracht - vollgepackt mit matratze und allem drum u dran. was man eben für ein luxuscapming so braucht ;)
dann hat ihn die polizei aufgepickt. das gesamte auto durchsucht. das hat über ne stunde gedauert. natürlich nichts gefunden da auch nichts drinnen war.
nur: das dürfen sie gar nicht. auto durchsuchungen sind so wie hausdurchsuchungen. ohne richterlichen beschluss geht da nichts; sie müssten zumind einen schnellrichter anfunken.
den kaufpreis des tee würde ich im übrigen einfordern; weil es war ja ein geschenk u es wurde aufgerissen.

[antworten]




 

01.03.2010
Eva

straight edge..

.. ist was anderes.

[antworten]




 

01.03.2010
Eva

straight edge..

.. ist was anderes.

[antworten]




 

02.03.2010
fabian_schmid [info]

echt?

meines wissens nach ist straight edge verzicht auf jegliche drogen, alkohol und in härteren fällen auch zigaretten und fleisch, und in ganz radikalen kreisen sogar sex. nicht?

[antworten]




 

02.03.2010
fabian_schmid [info]

echt?

meines wissens nach ist straight edge verzicht auf jegliche drogen, alkohol und in härteren fällen auch zigaretten und fleisch, und in ganz radikalen kreisen sogar sex. nicht?

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02.03.2010
caro

das glaub ich

dass du dich da geärgert hast... hätt ich auch...

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